Drei Fans von Union Berlin haben sich nach dem Spiel ein Stück Rasen als Souvenir gesichert (Quelle: Pudwell).
Video: rbb24 | 28.05.2019 | Bild: Morris Pudwell

Union Berlin ist erstklassig - Ganz Köpenick versinkt in Glückseligkeit

Union Berlin hat es geschafft: Erstmalig spielen die Eisernen in der kommende Saison in der Bundesliga. Die Anspannung einer aufreibenden Saison entlädt sich nach dem Aufstieg in Ekstase und stößt ganz Köpenick in absolute Glückseligkeit. Von Jonas Bürgener

 

Nicht weniger als historisch - so, oder so ähnlich könnte die Saison des 1. FC Union Berlin betitelt werden. Durch ein 2:2 und ein 0:0-Unentschieden gegen den VfB Stuttgart entscheiden die Köpenicker die Relegation um die 1. Bundesliga für sich und steigen erstmals in ihrer Vereinsgeschichte in das Oberhaus des deutschen Fußballs auf. Ein ganzer Bezirk versinkt in Glückseligkeit.

"Heute schaffen wir es"

Bereits vor dem Anpfiff bereiten die Union-Fans ihrer Mannschaft an der Alten Försterei einen lodernden Empfang. Dutzende Rauchtöpfe und bengalische Fackeln leuchten dem Team von Urs Fischer die letzten Meter zu der bei Auswärtsteams so gefürchteten Heimspielstätte der Unioner. "Eisern Union, Eisern Union", schallt es über den Stadionvorplatz und überall blickt man in hoffnungsvolle Gesichter. "Heute schaffen wir es, das haben wir uns verdient."

Kneipen platzen aus allen Nähten

Auch in den Köpenicker Kneipen bekommt man schon weit vor Anpfiff kein Bein mehr an den Boden. Im Coé Am Generalshof versuchen viele Anhänger von draußen durch das Fenster einen Blick auf den Fernseher zu erhaschen. Der Anpfiff rückt immer näher, es fängt an zu regnen - macht nichts. Heute kann dem eisernen Glauben an den Bundesliga-Aufstieg gar nichts etwas anhaben.

20:30 Uhr - Schiedsrichter Christian Dingert gibt die Partie frei, der Ball rollt. "Eisern Union, Eisern Union" schallt es auch hier immer wieder durch die verrauchte Kneipe. Einige der Versammelten mögen trotzdem nicht mit einstimmen, zu groß ist die Anspannung. Dann die erste Schrecksekunde - der Ball zappelt im Netz hinter Union-Torwart Rafal Gikiewicz. Abseits - Glück gehabt. Dennoch ist Stuttgart in der ersten Halbzeit das leicht bessere Team, doch Union hält mit Kampf dagegen - die Fans zittern.  

Die Spannung wächst minütlich

Im Coé ist man weiter zuversichtlich: "Bis jetzt kam von Union noch nicht so viel. Egal, momentan sind wir ja in der Bundesliga. Bleibt spannend in der zweiten Halbzeit", erklärt ein sichtlich nervöser Fan. Tatsächlich wächst die Spannung von Minute zu Minute. Einige Anhänger halten sich die Hände vor die Augen, können nicht mit ansehen, was wenige hundert Meter entfernt im Stadion An der Alten Försterei geschieht. Andere lassen die Anspannung mit lautem Geschrei heraus - so es die Stimme denn noch zulässt.

Union ist im zweiten Durchgang besser im Spiel, kommt immer wieder vor das Stuttgarter Tor. Wie in der 66. Minute: Suleiman Abdullahi läuft auf das Gehäuse der Schwaben zu, stochert den Ball im Fallen an VfB-Torwart Ron-Robert Zieler vorbei, alle Union-Fans haben den Torschrei schon auf den Lippen - Pfosten. Das wäre es doch gewesen!

Silvesterraketen und eine glückliche Familie

So heißt es weiter zittern. "Boah, hat mal jemand Herztabletten? Ich halte das nicht mehr aus", ruft eine Frau in die Runde. Sie erntet stöhnendes Mitgefühl. Fünf Minuten Nachspielzeit: "Was? Das ist doch viel zu viel. Pfeif endlich ab", wird dem Unmut Luft gemacht. Nach fünf endlos langen Minuten nimmt Dingert die Pfeife tatsächlich in den Mund und beendet die Partie. Es ist geschafft - Union Berlin ist erstklassig. Es folgen Minuten voller Ekstase: Die Wirtin sorgt für eine Sektdusche, Menschen liegen sich in den Armen, haben Tränen in den Augen. Vor der Tür erleuchten Silvesterraketen den Köpenicker Nachthimmel.

Die Anspannung eines aufreibenden Spiels, einer aufreibenden Relegation, ja, einer ganzen Saison entlädt sich in diesen Momenten. Sie endet in einer rührseligen Glückseligkeit: Menschen laufen Arm in Arm durch die Straßen, präsentieren Stolz ein Stück des Aufstiegsrasens aus der Alten Försterei, das sie nach dem Platzsturm ergattern konnten. "Ich bin 84 Jahre alt, seit 50 Jahren Mitglied bei Union Berlin. Heute ist so ein schöner Tag", erklärt ein Fan, der dem Treiben mit einem zufriedenen Lächeln zuschaut. "Ich habe selten so viele glückliche Menschen gesehen. Union ist eben Union - das ist eine Familie."

"Nie wieder zweite Liga"

Sendung: Inforadio, 28.05.2019, 6 Uhr

Beitrag von Jonas Bürgener

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 11.

    Herzlichen Glückwunsch an Union und seine tollen Fans zum verdienten Aufstieg in die 1.Bundesliga.... ich als Gladbach Fan und Mitglied freue mich, dass die Fohlenelf in der Alten Försterei auflaufen wird.... FANFREUNDSCHAFT UNION UND BMG... Eiserne Fohlen.

    Zu Beppo aus Spandau bei Berlin... jedes Wort zu deinem geistreichen Kommentar wäre zuviel des Guten... Einfach nur Peinlich nach fast 30 Jahren nach dem Mauerfall.

    Gruß Borussen Tom

  2. 10.

    "Ganz Köpenick ..." - Auch die HartzIV-Empfänger*innen?

  3. 9.

    GANZ Köpenick sicher nicht. Bitte nicht alle über einen Kamm scheren. Sportereignisse werden maßlos überbewertet. Den Fans gönne ich ihren glückstaumel, aber bitte auf dem Teppich bleiben. Gleich fünf Artikel beim RBB heute zum selben Thema, das ist übertrieben.

  4. 8.

    Na denn mal viel Spaß mit Spandau 06. Ich habe schon viele äußerst faire Kommentare gelesen, auch und vor allem von Stuttgarter Fans. Das zeugt von Größe, im Gegensatz zu Ihrem ärmlichen Erguss.

    Herzlichen Glückwunsch Union und allen Fans!

  5. 7.

    Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg aus Sachsen - Eisern Union! Endlich wieder ein Verein aus dem Osten in der 1. Bundesliga. Das "Getränkekombinat aus L." gehört so wenig zum Osten, wie der Eiffelturm zu Berlin! Beim "Haus und Hof-Sender" des Konstruktes (MDR), darf man so etwas nicht schreiben. Das wird zensiert und ignoriert!

  6. 6.

    "Ganz Köpenick ..." - Auch die HartzIV-Empfänger*innen?

  7. 5.

    Und ich dachte immer Berlin ist e i n e Stadt. Sehr traurig ihr Kommentar. Sie sollten sich schämen. Die Menschen gingen einstmals auf die Straße um die Teilung unserer Stadt und des Landes zu überwinden.

  8. 4.

    Auch aus Spandau : Herzlichen Glückwunsch !!! Ihr seid verdient aufgestiegen. Nun wird es bestimmt wieder ein spannendes Stadtduell wie einst 2013 gegen Hertha BSC geben, damals noch in der Zweiten Liga. Da wird die Hütte des Oly`bestimmt voll werden. Na ja, die Alte Försterei ist ja immer ausgebucht. Bin mal gespannt ob dieses Stadion noch erweitert werden kann.

  9. 3.

    GLÜCKWUNSCH UNIONER!!!

    Seit der Saison 98/99 bin ich nun Herthafan, war es immer selbst viele Jahre im Ausland. Nun bin ich seit 5 Jahren wieder in der Stadt, wohne in Köpenick. Und verfolge auch Union. Und ich habe mit Union mitgefiebert, sehr viel Spiel von Union gesehen. Sie Spielen einen schönen Fussball und ICh freue mich wahnsinnig für die Unioner. Herzlichen Glückwunsch Unioner, geniesst den Aufstieg und das erste Jahr in der Beletage des deutschen Fussballs!!!!

    HA-HO-HE Wir sind die Macht an der Spree.
    Mike Sandau

    Ach und PS: Nicht immer so laut, ich höre Euch im Stadion immer, aufm Balkon, nähe Altstadt. :)
    Es wäre schön wenn sich die Unioner auch für eine neues Stadion für uns verwenden könnten. Haupstadtclubs brauchen das!!!! Blau Weiss und Rot Weiss im Oberhaus, cool:)

  10. 2.

    Ich als Spandauer freue mich nicht!
    Hoffentlich steigen die Ossis nächstes Jahr wieder AB!
    Das wäre einen Beitrag im (Ost) rbb wert.

  11. 1.

    Glückwunsch ans Team und an den Verein zum Bundesliga-Aufstieg. Gerade in der heutigen Zeit ist das eine Leistung.

    Kritisch betrachtet könnte man sagen: Das ist je gerade noch einmal gut gegangen. Nach einer sehenswerten Leistung im Hinspiel, spricht es für sich, dass im Rückspiel die erste Torchance erst nach über 60 Minuten erspielt werden konnte. Auch bemerkenswert, dass man mit zwei Unentschieden in der Relegation siegen kann. Darin ist Union ja Spitzenreiter der zweiten Liga, das wird aber in der ersten Liga vielleicht nicht einmal reichen, um den Klasenerhalt zu schaffen, wenn dazu nicht genug Siege eingefahren werden.

    Also, gern kurz feiern. Aber dann: Für die nächste Saison wünsche ich dem Team, dass es lernt, auch in den ersten 30 Minuten auf dem Platz zu sein, ansonsten müssen sie immer in 60 Minuten das erbringen, wofür andere 90 Minuten Zet haben. Außerdem muss es lernen, Siege nicht mehr aus der Hand zu geben. Das ist in der Vergangenheit zu of passiert.

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