Union Aufstieg (Quelle: dpa/Gora)
Video: rbb|24 | rbb Sport | 28.05.2019 | Bild: dpa

0:0 gegen Stuttgart - Historischer Erfolg: Union Berlin steigt in die Bundesliga auf

Der große Traum vom 1. FC Union Berlin ist wahr geworden: Im Relegationsrückspiel trennten sich die Köpenicker 0:0 vom VfB Stuttgart - und steigen damit in die Bundesliga auf. Es ist ein historischer Erfolg für den Verein.

Die Tore öffnen sich. Tausende Fans stürmen auf den Platz. Liegen sich in den Armen. Ein Meer in Rot und Weiß. Zwischen Glückseligkeit und Ekstase. Trainer Urs Fischer erwischt die erste Bierdusche schon nach wenigen Augenblicken. Der 1. FC Union Berlin ist in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Ein 0:0 im Relegationsrückspiel gegen den VfB Stuttgart reicht zum historischen Triumph. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte spielt der Club in der kommenden Saison im Oberhaus des deutschen Fußballs.

Stuttgart startet mit viel Druck

Union Berlin musste zu Beginn der Partie defensive Qualitäten beweisen. Stuttgart machte Druck - eigentlich von Minute eins an. Und die Köpenicker, die die zweite Liga mit ihrem Abwehr-Bollwerk regelmäßig in die Verzweiflung trieben, wackelten ganz schön. Zum ersten Mal in der dritten Minute: Da flog eine Ecke von Dennis Aogo in den Strafraum - und es fehlte nicht viel, da hätte Ozan Kabak aus dem Gewühl heraus getroffen. Dass es beim Konjunktiv blieb, hing an Rafal Gikiewicz im Union-Tor, der stark parierte.

Gut fünf Minuten später hatte der 31-jährige Pole keine Chance. Julian Ryerson - der Ersatz für den gesperrten Kapitän Christopher Trimmel - hatte Nicolas Gonzales gefoult. 17 Meter vor dem Tor. Eine Top-Freistoßposition für die Stuttgarter. Und Aogo nutzte das aus, lief an und schnibbelte den Ball passgenau ins (Torwart-)Eck.

Doch der Jubel des VfB über das vermeintliche 1:0 ebbte schnell ab. Denn der Schiedsrichter Christian Dingert malte mit seinen Händen das allzu gut bekannte Rechteck in die Luft. Es gab Videobeweis. Und der zeigte, dass Gonzales bei der Ausführung im Abseits stand. Zunächst passiv, dann aber aktiv, weil er Gikiewicz irritierte. Eine richtige Entscheidung.

  

Mit Herz und Willen

Der nächste Anlauf der Stuttgarter ließ nicht lange warten. Dieses Mal war es Anastasios Donis, der recht frei an den Ball kam, jedoch nicht mehr als ein Kopfbällchen produzierte (12.). Die Berliner taten sich spielerisch schwer. Offensive Akzente? Absolute Mangel, nein: Nicht-Ware. Aber sie setzten dem VfB ganz viel Herz und Willen entgegen. Das war für die Schwaben teils durchaus schmerzhaft. Das beste Beispiel lieferte die 20. Minute. Da nahm es Sebastian Andersson nach einem langen Ball aus der eigenen Abwehr im Kopfballduell gleich mit der gesamten Stuttgarter Innenverteidigung auf - ein Duell, nach dem Holger Badstuber und Ozan Kabak beide ihre blutenden Köpfe bandagiert bekommen mussten.

"Nie wieder zweite Liga"

Die Großchancendichte der Schwaben ließ gegen Mitte der zweiten Halbzeit deutlich nach. Zwei Distanzschüsse von Christian Gentner (35.) und Steven Zuber (45.) waren die gefährlichsten Aktionen - zwei Mal stand Gikiewicz parat. Es war insgesamt nicht das, woran sich der Fußball-Genießer erfreut. Den Unionern unter den Fans war das egal. Es ging um den Aufstieg, nicht um spielerischen Glanz. Das 0:0 reichte dazu. Und so peitschten sie ihr Team stimmgewaltig von Zweikampf zu Zweikampf.

Abdullahi trifft zwei Mal den Pfosten

Nach der Pause brachte VfB-Coach Nico Willig Mario Gomez. Wie schon im Hinspiel. Sturm-Power war gefragt - Stuttgart brauchte das Tor. Doch anders als noch im Schwabenland traf der deutsche Nationalspieler nicht. Im Gegenteil: Die Köpenicker hatten die Gäste sogar deutlich besser im Griff - und hätten selbst frühzeitig für Klarheit sorgen können. Besonders einer: Suleiman Abdullahi. Der 22-Jährige scheiterte gleich zwei Mal binnen zwei Minuten denkbar knapp am Pfosten (64./66.). Am Ende war das allenfalls noch nebensächlich. Auch weil Gikiewicz einen Schuss von Benjamin Pavard - Marke: sehr gefährlich - entschärfte.

Es folgte das Fanmeer. Die Bierduschen. Ja, Köpenicker Ekstase. Union Berlin ist nach dem VfB Leipzig, Energie Cottbus, Hansa Rostock und Dynamo Dresden der fünfte Verein aus der DDR-Oberliga, der es auch in die Bundesliga schafft. Und sie trotzen dem Trend der Relegation: Seit Wiedereinführung der Entscheidungsspiele zur Saison 2008/09 schaffte nur zweimal der Zweitligist den Aufstieg. Fortuna Düsseldorf (2012 gegen Hertha) und Nürnberg (2009 gegen Energie Cottbus). 

Nicht weniger als historisch

Sendung: rbb UM6, 27.05.2019, 18 Uhr

Kommentar

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29 Kommentare

  1. 28.

    Unglaublich schwache 2. Bundesliga, dass man mit 57 Punkten aufsteigen kann. Aber dafür wird mir von allen Medien eingetrichtert, dass in der Alten Försterei die Bratwurst und das Bier noch wie früher schmecken, die Fans nur hier 90 Minuten mitsingen und Union ja sowieso der tollste Kultverein der Galaxis ist. Glauben das die Leute wirklich?

  2. 26.

    Falsch. Dynamo Dresden, Hansa Rostock und der VfB Leipzig waren auch in der Bundesliga. Und da gibt es auch noch Rasenball Leipzig.

  3. 25.

    Gratulation Eisern Union.

  4. 24.

    Glückwunsch auch von mir, sehr sympathischer Verein. Für den Klassenerhalt wird man die Mannschaft allerdings verstärken müssen. Man muss dort auf kluge Entscheidungen hoffen und darauf dass das Ganze nicht in einem wirtschaftlichen Desaster endet.

  5. 23.

    Glückwunsch an Union Berlin, was haben wir hier gestern mit euch gezittert und gebangt, herrlich endlich 1.Bundesliga

  6. 22.

    Habe gerade die Pressekonferenz nach dem Spiel angeschaut! Am meisten habe mich gefreut, daß Unions-Trainer als Erstes die Wäschefrau genannt hat, um sich bei Allen zu bedanken! Das macht nicht Jeder! Das zeugt von Respekt und Größe!
    Denn Reinigungsfrauen und Wäschefrauen sind für ein gesundes Vereinsklima ganz wichtig! Hoffentlich gibt für Sie auch eine kleine Aufstiegsprämie! Sie haben es auch verdient!

  7. 21.

    Blau weiße Grüße nach Köpenick!!! Herzlichen Glückwunsch. It´s Derbytime :D

    Berlin rockt die Bundesliga!! Eine Stadt, zwei Farben, eine Leidenschaft !!

    Viel Erfolg

  8. 20.

    Endlich wieder ein richtiger Ostverein in der Bundesliga!
    Und da ich schon in den 80-er Jahre zu Union gefahren bin, freue ich mich riesig, daß die Eisernen es gegen die Stuttgarter Millionentruppe geschafft hat!
    Obwohl ich nach dem verpassten direkten Aufstieg sehr große Zweifel hatte, daß Eisern Union gegen Stuttgart es schafft, ist die Freude jetzt noch größer! Bin mal ein großer Pessimist! Aber ich gebe dann gerne mal eine Runde für meine Kumpels aus, die eher Dresden- oder Magdeburg-Fans sind! Einige haben mich schon gratuliert! Wird teuer für mich!
    Und dann noch was für alle Union-Sympathisanten!
    Dann feiert schön! Viel Glück zur Mission Klassenerhalt!

  9. 18.

    Herzlichen Glückwunsch aus dem Dynamoland. Viele hier freuen sich für Euch.
    Die erste ostdeutsche Mannschaft in der Bundesliga. Das muss gefeiert werden. Lasst die Korken knallen..

  10. 17.

    Dem möchte ich mich "als Wessi" anschließen.
    Ich bin auch kein wirklicher Fussballfan - aber bei einem "Lokalderby" könnte ich dazu werden - möge der bessere (egal welcher) gewinnen.
    "Weihnachtslieder singen" - Gänsehaut pur ( Ok - Tante Hertha muss hier noch deutlich nachlegen - ist aber "OT").
    "Eiserner Wahnsinn, Union kämpft sich in die erste Bundesliga" (BZ)
    Herzlichen Glückwunsch!

  11. 16.

    Bravo Ihr Eisernen! Das freut mich für euch und alle Fans. Super!!!!!
    Drücke euch die Daumen für die kommende Saison, ich zähl auf euch.
    Alles Gute ;-)

  12. 15.

    Glückwunsch, endlich wieder eine Ostmannschaft in der Bundesliga! Wünsch euch ne tolle kommende Saison mit zwei Derbysiegen und Klassenerhalt.

  13. 14.

    Glückwunsch. Freu mich richtig auf die Derbys.

  14. 13.

    Herzlichen Glückwunsch an Union Berlin und endlich eine Mannschaft aus dem Osten in der 1. Bundesliga.Mit Chemie Leipzig Gruß

  15. 12.

    Ui, Glückwunsch! Und zum ersten Mal seit gut vierzig Jahren hat Berlin damit wieder zwei Vereine in der Bundesliga.

  16. 11.

    Respekt und Glückwunsch an Union! Endlich wieder ein Ostverein in der Bundesliga! Dynamische Grüße in die Hauptstadt!

  17. 10.

    Leieder unterläuft dem SfB wieder ein Fehler, VfB Leipzig war nie "Mitglied" der DDR-Oberliga. Es war ein Kunstverein wie RB Leipzig, Er ist aus politischen Gründen aus dem !.FC Lok Leipzig entstanden, Was die Fans nicht so gut fanden.

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