Prägt die Erfolgsgeschichte der BR Volleys: Manager Kaweh Niroomand. / imago/Camera 4
Audio: Inforadio | 08.05.2019 | 10:45 Uhr | Jakob Rüger | Bild: imago/Camera 4

Interview | BR-Volleys-Manager Kaweh Niroomand - "Wir haben eine Einmaligkeit geschaffen"

Die BR Volleys kämpfen aktuell in der Finalserie um den Titel. Es wäre der vierte in Serie. Möglich ist das auch dank Kaweh Niroomand. Der prägende Mann der Volleyball-Erfolgsära über das Wachstum des Volleyballs in der Hauptstadt und die Aufregung vor dem Spiel.

1965 kam Kaweh Niroomand als 12-Jähriger aus dem Iran nach Berlin. Ganz ohne seine Familie, um in der deutschen Hauptstadt zur Schule zu gehen. "Ich war sehr früh auf meine eigenen Füße gestellt", sagt er im rbb|24-Interview. Es hat ihn geprägt. "Ich kämpfe. Ich gebe selten auf. Und wenn ich eine Idee oder Vision habe, verfolge ich sie auch ziemlich zielstrebig", betont der inzwischen 66-Jährige. Wegen der Revolution im Iran 1979 konnte er nicht wie geplant in seine Heimat zurückkehren, sondern gründete in Berlin eine Familie.

Ein Glücksfall für den Volleyball. Denn mit den beschriebenen Eigenschaften hat Niroomand maßgeblich dazu beigetragen, die BR Volleys zu dem zu machen, was sie derzeit sind: ein absolutes Top-Team im deutschen Volleyball, neben dem VfB Friedrichshafen - und zu einem echten Zuschauermagneten. Auch europaweit knacken die Berliner in dieser Kategorie Bestmarken. In der aktuellen Finalserie gegen Friedrichshafen zeigt sich das wieder besonders deutlich. 7.300 Zuschauer kamen zum zweiten Spiel der Serie in die Max-Schmeling-Halle. Am Mittwoch (18:30 Uhr) werden es ähnlich viele sein. Es geht für die BR Volleys um alles. Sie liegen mit 1:2 zurück und müssen gewinnen, damit der Titeltraum weiterlebt.

rbb|24: Der 18. November 2011 ist ein ganz wichtiges Datum in der Geschichte der BR Volleys. Wissen Sie, worauf ich hinaus will?

Niroomand: Nein, das weiß ich jetzt sofort nicht. (lacht)

Das war das erste Spiel in der Max-Schmeling-Halle. Danach hat sich sehr viel im Verein und auch im Umfeld des Volleyballs hier in Berlin verändert. Welche Erinnerungen haben Sie noch an diesen Umzug?

Es war das Spiel gegen Düren. In der Tat. Wir waren in einer Zeit, in der die anderen Profi-Ballsportvereine in Berlin auch Wechsel vorgenommen haben. Alba war in eine größere Halle gezogen, die Füchse kamen in die Max-Schmeling-Halle, die Eisbären sind aus dem Wellblechpalast weggegangen. Wir haben uns gedacht: Entweder wir hängen uns an den Zug dran und ändern auch etwas - oder wir werden völlig abgehängt. Wir haben uns dann ganz vorsichtig vorgenommen, in der Saison 2011/12 drei Spiele in der Max-Schmeling-Halle auszutragen. Ich habe damals zu unseren Mitstreitern gesagt: Wenn wir es wirklich schaffen, mehr Zuschauer dorthin zu kriegen als in eine volle Sömmeringhalle (Anm. d. Red.: der vorherigen Heimstätte der BR Volleys) - das bedeutete etwa 2.200 Menschen - haben wir das richtig gemacht.

Und es glückte...

Wir wurden völlig überrascht, ja: regelrecht überrollt. Wir mussten sogar Teile der Oberränge aufmachen. 5.000 Zuschauer kamen. Das war Freude, aber auch der entscheidende Anstoß, dieses Projekt so zu starten.

Wie oft haben Sie in dieser Zeit gehört: Herr Niroomand, Sie sind völlig verrückt in diese riesige Max-Schmeling-Halle umzuziehen?

Es waren nicht wenige, die gefragt haben: Habt ihr euch das richtig gut überlegt? Und wir waren ja selbst nicht sicher. Wir haben das dann vorsichtig über drei Jahre getestet - erst mit drei, dann mit sieben und schließlich mit zehn Spielen. Und als die Zusammenarbeit mit unserem Hauptsponsor begann, sind wir dann komplett umgezogen.

Inzwischen ist die Max-Schmeling-Halle längst das Zuhause der BR Volleys. Am Mittwoch reist der VfB Friedrichshafen zum vierten Spiel der Finalserie an. Wie sieht es bei Ihnen um die Nervosität aus vor so einer wichtigen Partie?

Es ist ja das mindestens zehnte Mal, dass ich das mit durchmache. Insofern ist schon eine gewisse Routine drin. Natürlich ist man trotzdem sehr angespannt. Aber eigentlich überwiegt die Freude. Ich denke, es wird wieder ein rassiger Volleyballabend mit bester Stimmung in der Max-Schmeling-Halle.

Viele Leute, die auf den Volleyball schauen, denken sich: Schon wieder Berlin und Friedrichshafen im Endspiel. Wir haben das so oft schon erlebt. Warum sind es immer diese beiden Teams, die im Finale aufeinandertreffen?

Friedrichshafen hatte traditionell das meiste Geld in der Liga. Von daher war dort die Titelansammlung einfach schon per Budget vorgegeben. Wir haben mit unserem Konzept in den letzten zehn Jahren eine ganz neue Ära eingeleitet. Wir haben den Volleyball völlig anders präsentiert - und haben, so glaube ich, mit unserer Art, diesen Sport in Deutschland darzustellen, eine Einmaligkeit geschaffen.

Jetzt sind Sie im Volleyball ja nicht nur in Berlin sehr aktiv, sondern sie haben auch immer den Blick auf das große Ganze. Was würden Sie sagen: Wo steht Volleyball in Deutschland?

Ich denke, dass gerade der Volleyball in Deutschland durch die BR Volleys und die Entwicklung, die die Bundesliga in den letzten Jahren auch bei den Frauen genommen hat, einen riesigen Schritt nach vorne gemacht hat. Man muss das realistisch sehen, sonst kriegt man Minderwertigkeitskomplexe. Fußball ist in Deutschland eh außen vor. Und dann sind die Sportarten Handball, Basketball, Eishockey. Ich denke, dahinter können wir uns platzieren. Wobei wir bei den Frauen, gerade was den Ligasportbetrieb angeht, sogar vor Fußball stehen. Sowohl bei den Budgets der Mannschaften als auch bei den Zuschauerzahlen. Da brauchen wir uns nicht zu verstecken. Und wenn wir es in einem Land wie Deutschland erreichen, in dem so viele Ballsportarten erfolgreich unterwegs sind, dass der Volleyballsport auf Platz fünf steht, haben wir viel erreicht.

Der 18. Mai ist ein großes Datum für den Volleyball auch hier in Berlin. Die Champions-League-Finalspiele der Männer und Frauen finden in der Max-Schmeling-Halle statt. Es ist schon ausverkauft. Wie wichtig ist dieses Großereignis für den Standort - auch wenn die BR Volleys nicht dabei sein werden?

Ich habe eine Vision gehabt. Wenn wir die Sportart Volleyball in Deutschland populär machen wollen, dann gehören mehrere Komponenten dazu. Das ist eine erfolgreiche Nationalmannschaft, das ist eine erfolgreiche Bundesliga, das sind deutsche Talente, die wir entwickeln müssen - und ein ganz wichtiger Baustein sind eben auch Volleyball-Großereignisse in Deutschland. Damit die Menschen die Faszination dieses Sports hautnah miterleben können. Die besten Volleyballspieler und -spielerinnen werden hier auftreten. Das wird ein riesiges Fest sein und große Werbung für den Volleyballsport.

Und es soll nicht das letzte Mal bleiben...

Ich möchte, dass die Veranstaltung die Grundlage dafür legt, dass das in den nächsten Jahren konstant in Berlin stattfindet. Dann können wir auch noch viel mehr drumherum bauen, um noch größere Reichweiten zu bekommen. Uns hat wirklich überrascht: Die Halle war im Prinzip nach zwei Wochen ausverkauft, ohne dass feststand, wer teilnimmt, und ohne dass eine Marketingmaßnahme aktiv gestartet hat. Das spricht zum einen für den Volleyballsport - und ich sage als Berliner: Das spricht auch für unsere Stadt.

Sie sind seit 1980 dem Volleyball in Berlin ganz eng verbunden. Gab's eigentlich irgendwann mal einen Zeitpunkt, an dem sie ein bisschen müde geworden sind, was den Volleyball und vielleicht auch die BR Volleys angeht?

Die gibt es jeden Tag mindestens fünf Mal. Wo ich dann sage: Warum machst du das eigentlich alles? Ich mache das ja seit 1980 auch wirklich ehrenamtlich. Und es sind immer meine eigenen Ressourcen, die da reinfließen. Aber das führt wieder zurück zu meiner Erziehung und wie ich groß geworden bin. Ich gucke dann nach einem Durchschütteln des Körpers wieder nach vorne und schaue, dass wir die nächsten Schritte richtig machen, damit wir auch wieder vorankommen. Man muss auch sagen: Wenn Sie letzten Mittwoch in der Halle sitzen und fast alles ist orange und da sitzen über 7.000 Menschen und klatschen den BR Volleys Beifall, das entschädigt am meisten.

Das Gespräch führte Jakob Rüger für das rbb-Inforadio. Es handelt sich um eine gekürzte und redigierte Fassung. Das komplette Interview hören Sie beim Klick ins Titelbild.

Sendung: Inforadio, 08.05.2019, 10:45 Uhr

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