Urs Fischer, Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin (Quelle: imago/O. Behrendt)
Audio: Inforadio | 05.05.19 | 8:15 Uhr | Stephanie Baczyk | Bild: imago sportfotodienst

Union Berlin vor dem Spiel in Darmstadt - Erst Fliegenfischen, dann die wichtigen Punkte angeln

Nach dem hart erkämpften Erfolg über den Hamburger SV blickt der 1. FC Union auf die nächste schwere Partie: Mit Darmstadt wartet ein unangenehmer Gegner. Trainer Urs Fischer hat sich vorher noch eine Auszeit genommen. Von Stephanie Baczyk

Es gibt diesen Schnappschuss von Urs Fischer mit dunkler Sonnenbrille auf der Nase, die Gläser schimmern rot-braun. Auf dem Kopf trägt der Trainer des 1. FC Union ein lässiges, schwarzes Basecap, in den Händen stolz einen mit schwarzen Punkten gesprenkelten Fisch. Coach Fischer war unter der Woche in der brandenburgischen Idylle angeln. Um abzuschalten. "Erfolgreich", lacht er. "Wenn ich am Wasser in der Natur stehe, kann ich wirklich alles um mich herum vergessen. Dann ist Fußball mal nicht ein Thema - sonst begleitet dich Fußball 24 Stunden."

Mit Liebe und Vollgas

Fischen ist Fischers Hobby, schwarze Punkte hat der Schweizer zuletzt allerdings auch in der zweiten Liga an Land gezogen. Gegen den Hamburger SV erkämpfte sich sein Team ein 2:0 vor einer ohrenbetäubend lauten, emotional überschäumenden Kulisse im Stadion An der Alten Försterei. Mittelfeldsprinter und Torschütze Grischa Prömel war berauscht von der "Liebe von den Rängen". "Die Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, war wichtig", sagt Unions Trainer. "Dass sie eine Reaktion gezeigt hat. Und ich glaube schon, dass das wieder Energie freigesetzt hat."

Energie, die der 1. FC Union im Schlussspurt der zweiten Liga in rauen Mengen benötigt. Der kommende Gegner ist ein unangenehmer. Darmstadt 98 hat in der Rückrunde über Kiel, Hamburg und Köln – gleich drei Aufstiegskandidaten – triumphiert. Was die Köpenicker natürlich auf dem Schirm haben. "Da hilft nur Vollgas geben", sagt Linksverteidiger Ken Reichel und zuckt mit den Schultern. "Wenn man die Situation sieht, in der wir sind – da muss man jedes Spiel gewinnen, um wirklich unter die ersten drei zu kommen."

Reichel sehnt sich nach dem Aufstiegsgefühl

Reichel weiß, wovon er spricht. Er hat den Aufstieg in die Bundesliga gepackt, damals, Ende April 2013 – mit seinem alten Klub Eintracht Braunschweig. "Ein unbeschreibliches Gefühl", erinnert er sich und grinst. "Vermisse ich auf jeden Fall ein bisschen. Ich würde mich freuen, wenn es dieses Jahr wieder klappt, aber wir haben halt noch drei schwere Spiele." Darmstadt, Magdeburg, Bochum – der Weg auf Platz zwei oder drei in der Endabrechnung führt über diese Gegner.

Urs Fischer holt tief Luft und rollt mit den Augen. "Ich habe diese Woche irgendwo gelesen, dass Union im Vergleich zum Restprogramm der anderen Klubs die einfachste Aufgabe hat", sagt er und tippt sich an die Stirn. "Soll mir mal einer erklären, was an diesem Restprogramm einfach ist, wenn an 31 Spieltagen in der Liga jeder jeden schlägt und es oben und unten noch eng ist." Die Punkte wackeln, eine atemberaubende Kulisse haben die Köpenicker dagegen sicher: Für das letzte Saisonspiel in Bochum haben sich 5.000 Fans mit Karten eingedeckt. Vorsorglich. Sei es, um die eigenen Mannschaft zu feiern oder sie bei einem entscheidenden Duell zu unterstützen.

Mit Hübner und Trimmel in Darmstadt

Vor Bochum ist allerdings Darmstadt - und für die Partie bei den Hessen kann Unions Trainer auf seine Stamm-Innenverteidigung zurückgreifen. Florian Hübner hat nach seiner Beinverletzung wieder normal mittrainiert, auch der Anfang der Woche angeschlagene Kapitän Christopher Trimmel ist fit. Und Coach Fischer? Der wirft nach seinem Angelausflug die Netze anderweitig aus. "Wir sind noch im Rennen", sagt er und lächelt. "Und wenn du drei Runden vor dem Ende noch im Rennen bist, musst du alles versuchen, um schlussendlich dein Ziel zu erreichen."

Sendung: rbbUM6, 03.05.2019, 18:00 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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