Die BR Volleys bejubeln ihren Sieg im vierten Finalspiel in Berlin. Bild: imago/Bernd König
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BR Volleys | Saisonfazit und Ausblick - "Die Lokomotive rollt"

Es war eine schwierige Saison, die die BR Volleys letztlich doch mit dem zehnten Meistertitel krönen konnten. Manager Kaweh Niroomand über Zuschauerrekorde, seine Enttäuschung über junge Spieler und den Traum von der Champions League. Von Jonas Schützeberg

Kaweh Niroomand sitzt im Sonnenschein auf seiner Terrasse und lächelt. Gut drei Wochen ist das letzte Bundesligaspiel der BR Volleys her und es endete mit dem zehnten deutschen Meistertitel für den Hauptstadtclub: "Der Titel ist wie jeder irgendwie besonders. Gerade nach so einer Krise wiegt er umso schöner. Nach dem ganzen Stress kann ich das alles erst jetzt mit etwas Abstand so richtig genießen."

Die abgelaufene Saison war keine einfache, am Anfang gab es reichlich Probleme. Früh kam das Aus in der Champions League, im Pokal war im Halbfinale Schluss und auch den Supercup haben sie verloren. Die Verletztenliste war lang und mit der eigentlichen Stammelf konnten sie erst im Januar spielen, da waren andere Mannschaften längst formiert. Das lag auch daran, dass der Verein während der Saison mehrfach personell nachjustieren musste. Etwa mit Sergej Grankin, dem russischen Olympiasieger. Umso größer ist die Erleichterung nach dem vierten nationalen Titel in Folge.

Europaweiter Zuschauerschauerrekord

Niroomand ist nicht nur stolz auf seine Mannschaft, sondern auch auf die Fans. Mehr als 5.000 Zuschauer kamen im Durchschnitt in die Max-Schmeling-Halle, in der Spitze fast 10.000. So viele sind in keiner anderen europäischen Volleyball-Halle gewesen: "Das bedeutet uns sehr viel und zeigt, dass unser vor zehn Jahren gestartetes Konzept angenommen wird. Die Krönung war die Champions-League, in unserer Halle, mit unserem Set Up und unserem Sprecher. Niemand hat gemeckert", freut sich Niroomand.

Vor zehn Jahren haben die Volleys die "Eventisierung" gestartet, um in Deutschland den Volleyball mit einer Art Lokomotivfunktion populärer zu machen und das klappt. Bei Heimspielen ist die ganze Halle orange gefärbt. Allein zur Saisonabschlussfeier kommen heute so viel Zuschauer wie früher zu den Spielen. Der sportliche Erfolg ist das beste Marketing.

"Wir definieren uns als Verein nicht nur über sportliche Ergebnisse, sondern auch durch die Art und Weise, wie wir Volleyball präsentieren. Unser Ziel ist es, die Zuschauer abzuholen, mitzunehmen und dauerhaft für unsere Sportart zu begeistern. Ich glaube, das ist uns in zehn Jahren Volleyballtempel nie besser gelungen als in dieser Saison", blickt Niroomand zufrieden zurück.

Volleys suchen neues Gesicht

Die Momente im Schaukelstuhl auf der Terrasse sind aktuell eher die Ausnahme für Niroomand. Der Manager steckt mitten in der Saisonplanung. Über hundert Unternehmen unterstützen die Volleys und Niroomand hat mit jedem einzelnen Sponsorentermine. Er arbeitet am Konzept für die Saison 2019/20 und an Neuverpflichtungen. Sicher ist, dass drei bis vier Positionen noch besetzt werden müssen. Bereits unterschrieben haben Nationalspieler Julian Zenger aus Frankfurt und der US-Amerikaner Cody Kessel.

Nach sieben Jahren verlässt aber auch eine Identifikationsfigur den Verein. Kapitän Sebastian Kühner hört auf. Der Manager hat ein bis zwei Kandidaten im Auge, die Namen wolle er aber noch nicht verraten. Ein neues Gesicht für die Volleys aufzubauen, sei kompliziert: "Es wird schwieriger in der nächsten Zeit, weil die Verweildauer der Spieler bei den Clubs immer kürzer wird."

"Das ist die größte Enttäuschung im deutschen Volleyball"

Verärgert ist Niroomand über ein paar Abgänge - vor allem von jüngeren Spielern. Der Verein steckt viel in die Nachwuchsarbeit. 2017 verließ Ruben Schott die Hauptstadt, zur neuen Saison wechselt Nachwuchstalent Linus Weber nach Italien. "Das ist die größte Enttäuschung im deutschen Volleyball, da kann ich nur den Kopf schütteln. Im Ausland spielen die Jungs weder um Titel, Pokal noch Champions League. Das ist ein saublöder Trend, da fehlt mir die Solidarität der Spieler gegenüber dem Verein. Die schauen nur auf sich selbst", kristisiert er.

Viele Spieler bekommen im Ausland kein besseres Gehalt, wollen aber für ihre Vita außerhalb von Deutschland spielen. Laut Niroomand sollte dieser Trend gestoppt werden und sich die jungen Talente erst einmal in der Heimat richtig entwickeln.

Der Traum von der Champions League

Der Manager der BR Volleys träumt von einer dauerhaften Champions League in Berlin. Das Ziel sei es einen festen Standort und eine Marke aufzubauen. Um selbst auch im Kampf um die europäische Krone mitspielen zu können, fehlt es den Volleys aktuell aber noch finanziell und sportlich.

Die Topklubs in Europa verfügen über einen Etat zwischen sieben und acht Millionen, das ist fast das dreifache der Volleys. "Es wäre vermessen in den nächsten drei Jahren das Finale erreichen zu wollen, allein auf Grund der Konstellation der Spielerqualitäten und Gehälter. Das Ziel ist aber einen Etat von über drei Millionen zu erreichen." Die Perspektive sei da für die Volleys, doch der Weg sei das Ziel, sagt der Manager.  

Beitrag von Jonas Schützeberg

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