Hat Alba Berlin auf ein neues Level gehoben: Aito Garcia Reneses. / imago/Camera 4
Video: rbb UM6 | 15.06.2019 | 18 Uhr | Martin Zimmermann | Bild: imago/Camera 4

Alba Berlin startet ins Playoff-Finale - Ein Fluch, der endlich enden soll

Nun soll es klappen. Endlich. Vier Mal stand Alba Berlin in den vergangenen zwei Jahren in Finalspielen - vier Mal verloren sie. Gegen Bayern München soll das anders werden. Und die deutsche Meisterschaft damit eine große Entwicklung krönen.

Aufregung ist nicht das Ding von Aito Garcia Reneses. Zumindest lässt er sie sich nicht anmerken. Der 72-jährige Spanier strahlt eine große Ruhe aus, als er sich beim morgendlichen Training den Reporterfragen stellt. Äußerlich und auch in seinen Antworten. Nein, markige Worte gibt es vom Trainer von Alba Berlin kurz vor dem Start der Finalserie um die deutsche Meisterschaft in München nicht (Sonntag, 18 Uhr). "Erstens: Wir wollen gut spielen. Und zweitens: Wir würden auch gerne gewinnen. Aber wir müssen das Schritt für Schritt angehen. Jetzt gerade nur über das erste Spiel reden. Und danach erst über das nächste", sagt er.

Wenig spektakulär klingt das. Aber es führt - nachgewiesenermaßen - zum Erfolg. Der Respekt vor Aito Garcia Reneses ist groß. "Er ist einer, der für den Verein mega wichtig ist. Er hat seine Kultur mitgebracht. Ich glaube, seinetwegen sind auch bestimmte Spieler gekommen", sagt Niels Giffey. Vier Mal standen der Kapitän und sein Team in Finalserien und Pokalendspielen, seit der erfahrene Spanier im Sommer 2017 die Verantwortung übernommen hat - sprich: in gerade einmal zwei Jahren. Alles perfekt also. Wäre da nicht der kleine - aber durchaus entscheidende - Makel. Einen Pokal konnten die Albatrosse am Ende nie in die Höhe recken. München, München, Bamberg, Valencia - die Endspiele gingen allesamt verloren. Manche sprechen vom Final-Fluch.

Souverän, souveräner, Alba

Er soll nun beendet werden. Mal wieder. Dafür haben die Albatrosse den Turbo eingelegt. Die Ulmer wussten gar nicht so recht, wie ihnen geschah, da hatten die Berliner die Serie schon entschieden. Und auch Oldenburg - in der Hauptrunde noch vor Alba platziert - war eigentlich chancenlos. 3:0 im Doppelpack. Es war Dominanz par excellence. Diese Erfolge geben Rückenwind, den man förmlich hören kann. Daran ändert auch nichts, dass nun eine andere Aufgabe wartet. Weil Bayern eben anders ist als die anderen Teams der Liga, ja: besser. "Sie sind auf jeden Fall schlagbar", sagt Giffey - und: "Wir sind eine andere Mannschaft, weil wir andere Erfahrungen gemacht haben. Wir waren bisher souveräner in den Playoffs als im letzten Jahr und haben eine tiefere Bank."

Er klingt, als würde der 28-Jährige irgendwie spüren, dass es nun an der Zeit ist. An der Zeit, die Münchener zu schlagen, die ganz und gar nicht unschuldig daran sind, dass es für Alba in der Ära von Aito Garcia Reneses noch keinen Titel gab. 2018 fügten sie den Berlinern gleich zwei bittere Niederlagen zu. Im Pokal lagen die Albatrosse im Finale vor Beginn des letzten Viertels bereits mit zehn Punkten in Front, hatten den Sieg unmittelbar vor Augen - und verloren am Ende doch. In den Liga-Playoffs ging es in einer packenden Finalserie bis in Spiel fünf. Zwei Mal siegten Niels Giffey und Co. gegen den Favoriten. Im großen Showdown war es dann aber am Ende deutlich: 106:85 gewannen die Münchener.

Duell der Makellosen

Fast tragische Züge hatte das schon damals, weil eigentlich alle das faszinierte, was für einen offensiven, spektakulären Basketball der erfahrene Grandseigneur an der Seite sein junges Team spielen ließ. Teilweise so schön, dass sich auch die Gegner darin verliebten - und ihrer Bewunderung offen Ausdruck verliehen. Gegen das ausgebuffte Spitzenteam aus der bayrischen Landeshauptstadt half das am Ende nichts. Und auch in diesem Jahr sind die Süddeutschen wieder der Favorit. Nur drei Niederlagen haben sie in der Hauptrunde kassiert, durch die Playoffs sind sie genauso schadlos marschiert wie Alba. Es ist - in dieser Hinsicht - das Duell der Makellosen.

"Von den Namen, der Qualität der Mannschaften, der Qualität der Trainer, der Tiefe ist die Finalpaarung wahrscheinlich schon eine logische Konsequenz der Saison", sagt Marko Pesic dem Sport-Informations-Dienst. Daran, dass die Berliner eine echte Herausforderung für seine Bayern werden, lässt der Geschäftsführer in keinem Interview Zweifel. Auch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Alles in allem ist Alba sicher viel, viel weiter als sie es im letzten Jahr waren. Du wirst sie nie unterkriegen. Immer wenn du denkst, du hast sie im Griff, kommen sie", betont der 42-Jährige mit langer Vergangenheit an der Spree.

Das Ende aller Serien?

Zum Vorteil für die Münchner könnten - neben dem Heimvorteil - die Erfahrungen auf höchster europäischer Ebene werden. "Sie werden ganz klar von ihrer EuroLeague-Saison zehren und von ihren Erfahrungen", sagt Giffey. Diese chancenreiche Reifeprüfung steht den Albatrossen erst in der kommenden Saison bevor. Die Qualifikation für das Königsklassen-Spektakel haben sie jetzt schon sicher - ganz unabhängig vom Ausgang des Duells mit den Bayern. Am unbedingten Siegeswillen wird das nichts ändern. Dafür ist die Sehnsucht viel zu groß nach der ersten deutschen Meisterschaft seit elf Jahren. Dem ersten Pokal nach vier verlorenen Endspielen unter Aito Garcia Reneses. Und, ach ja: Dem ersten Playoff-Sieg gegen die Bayern überhaupt. 

Viele Serien, die es zu brechen gilt. Aber sie fühlen sich reif dafür. Und vielleicht erleichtern sie so ja auch ihrem Trainer die Entscheidung. Er werde bleiben, pfeifen bereits Spatzen in einigen Medienberichten von den Dächern. Selbst äußern will der 72-Jährige sich dazu aber nicht. Weil es die Konzentration stören würde, die ihm so wichtig ist. "Wenn ich über so etwas jetzt rede, scheint das wichtiger als die Finals. Aber die sind viel entscheidender", sagt er. Erst Meisterschaft, dann Verlängerung? Da hätte bei Alba sicher niemand etwas dagegen.

Sendung: rbb UM6, 14.06.2019, 18 Uhr

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