Interview | Bowling-Nationalspieler Marco Baade - "Berlin ist die Bowling-Hauptstadt"

Mi 26.06.19 | 15:12 Uhr
Marco Baade nach einem Turnier. Quelle: privat
Bild: privat

Bowling kennen viele Menschen nur als Freizeitsport. Marco Baade - Nationalspieler aus Berlin - hält das für ein Klischee. Denn nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland gibt es Spieler, die im Wettkampf bowlen. Zurzeit laufen die Deutschen Meisterschaften.

Es ist heiß dieser Tage in Berlin. Deutschlands Bowlingelite verzieht sich daher lieber in die klimatisierte Bowlinghalle an der Hasenheide in Neukölln. Die Deutschen Meisterschaften starteten bereits am vergangenen Wochenende und gipfeln am kommenden Samstag mit dem Finale der Einzelwettbewerbe. Mit dabei ist Marco Baade: Bowlingliebhaber und Berliner Vertreter in der Bowling-Nationalmannschaft.

rbb|24: Marco Baade, zurzeit läuft in Berlin die Deutsche Meisterschaft im Bowling. Die Mixed-Wettbewerbe sind gespielt, im Doppel hat bereits die Vorrunde stattgefunden. Wie fällt Ihr bisheriges Fazit aus?

Marco Baade: Im Mixed haben wir die Bronzemedaille gewonnen, damit bin ich sehr zufrieden. Im Doppel konnten wir uns leider nicht für das Finale qualifizieren. Ich bin aber guter Dinge, dass ich ab Donnerstag im Einzelbereich wieder vorne mit angreifen kann.

Viele Menschen kennen den Bowling-Sport aus ihrer Freizeit. Da wird dann bei Bier und Nachos mit Freunden gespielt. Bei Ihnen dürfte das etwas anders aussehen.

Das ist natürlich immer das Klischee des Bowling-Sports als Freizeit- und Kneipensport. Bei uns sieht das natürlich ganz anders aus. Wir arbeiten mit professioneller Ausrüstung, außerdem gibt es ein striktes Alkohol- und Rauchverbot bei den Spielen. Hält man diese Regeln nicht ein gibt es gelbe und rote Karten und man kann sogar vom Wettbewerb disqualifiziert werden. Das mag für den einen oder anderen kaum vorstellbar sein, dass im Bowling-Sport ähnlich professionell gespielt wird wie in anderen Sportarten.

Wie sieht Ihre Vorbereitung auf ein Match aus, wie kann man sich eine Trainingseinheit vorstellen?

Wir trainieren so oft wie möglich. Bowling kann man konstruktiv allerdings nur eine bis eineinhalb Stunden am Tag trainieren – sonst geht die Kraft verloren. Wenn man auf einer Deutschen Meisterschaft erfolgreich sein will und sich für das Nationalteam empfehlen möchte, sollte man aber drei bis vier Mal in der Woche trainieren.

Gibt es am Matchday spezielle Rituale, ohne die Sie nicht in den Wettbewerb gehen?

Normalerweise ziehe ich mich 15 Minuten vor dem Wettkampf zurück, versuche mich zu konzentrieren. Außerdem habe ich feste Abläufe vor den Spielen: Ich ziehe erst den linken, dann den rechte Schuh an, präpariere die Bälle und die Hände möglichst immer in der richtigen Reihenfolge. Nicht, dass da irgendwas durcheinander kommt (schmunzelt).

Für den Amateur ist ein "Strike" (das Treffen aller Pins mit einem Wurf, Anm. d. Red.) im Bowling immer das höchste Ziel. Wie viele "Strikes" in Folge können Sie werfen?

Das ist eine gute Frage. So richtig zähle ich das nicht. Ein Spiel ist nach zwölf "Strikes" sowieso vorbei - 300 Punkte sind also immer das Hauptziel. Im Training zähle ich die Punkte nur selten.

Sie sind mit dem Bowling aufgewachsen. Ihrem Vater gehörte die alte Bahn in der Hasenheide, auf der in diesen Wochen die Deutsche Meisterschaft ausgetragen wird. Können Sie sich ein Leben ohne den Sport überhaupt noch vorstellen?

Wohl nur schwer. Ich habe mein Hobby schließlich zum Beruf gemacht, habe einen Shop, der Bowling-Ausrüstung verkauft, bis 2015 hatte ich eine eigene Halle. Zeitweise mag man sich mal zurückziehen, weil sich die Prioritäten verändert haben. Aber ganz ohne Bowling? Ich glaube das geht nicht.

Dennoch hat Bowling in Deutschland einen schweren Stand. In den USA gehört es hingegen zum Schulsport, es gibt eine gut bezahlte Profi-Liga. Wie nehmen Sie die Entwicklung des Sports in Deutschland und Europa war?

In Deutschland gibt es die erste und zweite Bundesliga. Es gibt zudem immer wieder Bestrebungen, Bowling olympisch zu machen – das Interesse derjenigen, die Bowling nicht kennen, ist aber eher gering. In Europa gibt es im Moment die Überlegung, eine europäische Liga aufzubauen - ähnlich der Champions League im Fußball. Das ist aber natürlich aus logistischen und finanziellen Gesichtspunkten schwierig – Bowling ist ein teurer Sport.

Besteht die Möglichkeit - sollten wir jetzt das Interesse einiger Leser geweckt haben - den Deutschen Meisterschaften am kommenden Wochenende auch als Zuschauer beizuwohnen?

Ja, es ist immer freier Eintritt. Wer Bowling also mal unter einem anderen Gesichtspunkt erleben möchte, sollte vorbeischauen. In der kommenden Bundesligasaison wird die Liga zwei Mal Halt in Berlin machen, die zweite Liga sogar drei Mal. Berlin ist nämlich die Bowling-Hauptstadt – Bei uns gibt es um die 25 Hallen die Sportbowling anbieten, in Hamburg sind es zum Vergleich nur drei oder vier.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jonas Bürgener für rbb|24.

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