Weiblicher Fan des FC Energie Cottbus hält einen Fanschal mit der Aufschrift "Hart an der Grenze" hoch. (Quelle: dpa/Fotostand/Weiland)
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Viele Kandidaten für Verwaltungsrat - Energie Cottbus droht hitzige Mitgliederversammlung

Knapp einen Monat nach dem Abstieg in die Regionalliga könnte es bei Energie Cottbus noch einmal ungemütlich werden. Am Freitag steht die Mitgliederversammlung an, dabei geht es auch um den mächtigen Verwaltungsrat. Von Andreas Friebel

Der Abstieg ist noch nicht verdaut. Die Fehler der abgelaufenen Saison noch nicht vollständig aufgearbeitet und auch im Spieleretat klafft noch eine Lücke. Kurzum: Es gibt noch genug Baustellen beim FC Energie Cottbus. Die Mitgliederversammlung am Freitagabend könnte eine weitere mit sich bringen. Denn in diesem Jahr werden große Teile des Verwaltungsrates neu gewählt.

Kampfabstimmung um Posten im Verwaltungsrat

Der Verwaltungsrat ist das mächtigste Gremium beim FC Energie. Seit 2005 kontrolliert und ernennt er das Präsidium und den Präsidenten. Am Freitag stellen sich nun vier der insgesamt fünf aktuellen Mitglieder per Abstimmung der Anhängerschaft. Bis hierher alles noch kein Problem. Doch zum ersten Mal in der Klubgeschichte bewerben sich noch fünf weitere Personen, um die vier Positionen im Verwaltungsrat.

Weshalb es in diesem Jahr einen "Ansturm" auf den Verwaltungsrat gibt, lässt sich nur mit Entwicklungen des Vereins in den vergangenen Jahren erklären. Sportlich erfolgte 2016 der Absturz in die Regionalliga. Nach der Rückkehr in die dritte Liga im Jahr 2018 ging es sofort wieder zurück in die vierte Liga. Und auch die Art und Weise, wie Ex-Präsident Michael Wahlich Ende 2018 sein Amt aufgeben musste, stieß bitter auf. Wahlich war bei den Fans sehr beliebt. Dass er nach Streitigkeiten mit dem Hauptsponsor, der Sparkasse Spree-Neiße, mehr oder weniger freiwillig ging, kam in Fankreisen nicht gut an.

Fan-Gruppierung: "Verwaltungsrat hat versagt"

In einem offenen Brief, der auf der Homepage der als gemäßigt geltenden Gruppierung "Ultima Raka" veröffentlich wurde, heißt es unter anderem, dass "der Verwaltungsrat in seiner bisherigen Konstellation in vielen Aufsichts- und Kontrollfunktionen versagt hat". Als Belege führt die Gruppierung unter anderem zu wenig Engagement und mangelnde sportliche Kompetenz an. Außerdem monieren die Fans "mangelhafte Fannähe" und Fehler im Kontakt mit den Sponsoren.

Die Fangruppierung geht in ihrem Brief aber noch weiter. Sie macht sich für vier Kandidaten stark. Dabei handelt es sich um Mathias Jäckel, Helmut Rauer, André Roßeck und Mathias Rudolf.

Sorge um Sponsorengelder

Besonders die Kandidatur von Jäckel überrascht. Mit seinem Verpackungsunternehmen ist er seit mehreren Jahren Brustsponsor der Lausitzer. Dass er sich mit seiner Kandidatur gegen die Vorschläge der Klubspitze stellt, ist nicht alltäglich. Sponsor ist auch Bauunternehmer Helmut Rauer. Er wurde vor einigen Jahren als Stasi-Offizier enttarnt und ist deshalb in Cottbus umstritten. André Roßeck soll zudem als Fan-Vertreter in den Verwaltungsrat. Einzig Mathias Rudolf, der erst seit Januar im Verwaltungsrat tätig ist, soll nach dem Willen der Fangruppierung "Ultima Raka" im Gremium weitermachen dürfen.

In verschiedenen Internetforen und sozialen Netzwerken wird aber auch Kritik an diesem Wahlaufruf geübt. Größte Sorge zahlreicher Anhänger: Kommt es zu Veränderungen im Verwaltungsrat, drohen dem Klub noch größere finanzielle Probleme. Denn aktuell ist das Gremium mit mehreren Personen besetzt, die eine gewisse Nähe zum Hauptsponsor haben. Gehen sie, droht unter Umständen der Abschied der Sparkasse Spree-Neiße, die den Verein jährlich mit über einer Million Euro unterstützt.

"Uns ist klar, dass das keine einfache Veranstaltung wird"

Konkret kandidieren aus dem aktuellen Verwaltungsrat neben Mathias Rudolf auch Matthias Auth, Matthias Plass und Frank Szymanski. Außerdem bewerben sich noch zwei weitere Personen um einen Platz im Kontrollgremium.

"Es könnten sich am Freitag aber auch noch weitere Kandidaten zur Wahl stellen. Um als Wahlvorschlag angenommen zu werden, benötigen sie aber eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Vereinsmitglieder", erklärt Vereinssprecher Stefan Scharfenberg-Hecht gegenüber rbb24.

"Uns ist klar, dass das keine einfache Veranstaltung wird. Aber wir haben uns darauf gut vorbereitet. Ich kann versprechen, dass wir auf alle Hinweise und Kritiken eingehen werden", so Präsident Werner Fahle, der entschieden hat, dass die Mitgliederversammlung erstmals auf der Westtribüne des Stadions der Freundschaft stattfindet. Das hat zwei Gründe.

Auch Finanzbericht erwartet

Erstens erwartet Energie sehr viele Mitglieder, die bei dieser Versammlung dabei sein wollen. Die Turnhalle am Stadion der Freundschaft dürfte dafür zu klein sein. Und zum anderen wird es am Freitag mit über 30 Grad erneut sehr heiß sein. "Wir gehen davon aus, dass die Mitgliederversammlung einige Zeit dauern wird und die Temperaturen in der Turnhalle nahezu unerträglich werden können. Das Ausweichen ins Freie macht sowohl aus logistischer Sicht, aber vor allem auch aus der fürsorglichen Verantwortung unseren Mitgliedern gegenüber absolut Sinn", so Fahle.

Im Mittelpunkt des Interesses steht am Freitag aber nicht nur die Wahl zum Verwaltungsrat. Mit Spannung wird auch der Bericht des Präsidenten erwartet. Darin wird er unter anderem darstellen, wie sich die Finanzen des FC Energie Cottbus im Jahr 2018 entwickelt haben. Der Klub hat mehrere Millionen Euro an Verbindlichkeiten, diese konnte er zuletzt aber reduzieren. Für 2018 wird erwartet, dass der Schuldenstand wieder etwas zugenommen hat.

Beitrag von Andreas Friebel

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