ARCHIV - 26.02.2019, Brandenburg, Cottbus: Der Eingang zum «Stadion der Freundschaft» des 1. FC Energie Cottbus. (Quelle: dpa/Pleul
Video: Brandenburg aktuell | 15.06.2019 | Sebastian Schiller | Bild: dpa/Pleul

Mitgliederversammlung von Energie Cottbus - Landespressekonferenz kritisiert rbb-Ausschluss

Der Ausschluss des rbb von der Mitgliederversammlung des Regionalligisten Energie Cottbus sorgt für Diskussionen. Neben dem Verein äußerte sich auch die Landespressekonferenz Brandenburg. Diese kritisierte den Vorfall scharf.

Nach dem Ausschluss von Journalisten des rbb auf der Mitgliederversammlung des Regionalligisten Energie Cottbus haben sich am Samstag der Vereinspräsident, die Landespressekonferenz Brandenburg sowie die "Lausitzer Rundschau" zu dem Vorfall geäußert.

Cottbus-Präsident Werner Fahle verwies auf die Vereinssatzung, die es den Mitgliedern erlaubt, über die Gäste der Mitgliederversammlung abzustimmen. Er betonte, der Verein habe die Entscheidung akzeptieren müssen. Der Vorsitzende der Landespressekonferenz, Benjamin Lassiwe, sprach von einem Eingriff in die Pressefreiheit.

Zu Beginn der Veranstaltung am Freitagabend im Stadion der Freundschaft hatten die Mitglieder von Energie Cottbus darüber abgestimmt, ob einzelne Medien im Stadion bleiben dürften oder nicht. Die Reporter des rbb mussten daraufhin die Mitgliederversammlung verlassen. Aus Solidarität verließen auch die Journalisten der "Lausitzer Rundschau" das Stadion und veröffentlichen in ihrer Samstagsausgabe eine teilweise weiße Seite.

Landespressekonferenz kritisiert Selektion

Dass (Fußball-)Vereine ihre Mitgliederversammlung oder Teile davon unter Ausschluss der Medien abhalten, ist nichts Außergewöhnliches und in der Satzung üblicherweise verankert, auch bei Energie Cottbus. Die Landespressekonferenz Brandenburg kritisierte nun aber die Auswahl zwischen einzelnen Medienhäusern oder Journalisten. "Zwar ist es jedem Verein freigestellt, ob er eine Mitgliederversammlung öffentlich oder nicht-öffentlich durchführt", hieß es laut dpa in der schriftlichen Mitteilung am Samstag. "Ein Ausschluss einzelner Kollegen von der Berichterstattung ist aber inakzeptabel und ein Eingriff in die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung. Gerade ein Sportverein, der durchaus auch von öffentlichen Mitteln profitiert, sollte die grundgesetzlich garantierten Aufgaben der Presse respektieren."

Auch die "Lausitzer Rundschau" [externer Link] bewertete das Vorgehen des Vereins negativ. "So zu selektieren ist unüblich und unprofessionell. Die kleinkarierte Abstimmung ist eines angesehenen Clubs unwürdig", kommentierte Oliver Haustein-Teßmer, Chefredakteur der "Lausitzer Rundschau". "Etwas anderes wäre es, wenn alle Medienvertreter zeitweise oder ganz nach draußen gebeten worden wären. Dann müssten es Journalisten respektieren, dass der Verein nicht öffentlich diskutieren möchte." So seien aber "die Regeln des Anstands gegenüber der Öffentlichkeit" gravierend verletzt worden.

Verein verweist auf die Satzung

Der FC Energie Cottbus ging in seiner Pressemitteilung [externer Link] am Samstagnachmittag nicht auf den Vorwurf der Unterscheidung zwischen den einzelnen Medienvertretern ein. Stattdessen verwies der Verein auf seine Satzung, in der es heißt, dass die Mitgliederversammlung in "nicht öffentlicher Sitzung" tagt und über die Zulassung von Gästen von der Versammlung entschieden wird.

"Die entsprechende Abstimmung über die Zulassung von Gästen wurde, wie in der Tagesordnung vorgesehen, durch die Versammlungsleitung durchgeführt", so Fahle in der Vereinsmitteilung. "Hierbei fiel das Votum gegenüber den anwesenden Vertretern des rbb mit großer Mehrheit ablehnend aus."

Fahle erklärte, dass die Vereinsverantwortlichen im Vorfeld keine Probleme mit der Anwesenheit von Journalisten gehabt hätten, verwies aber auf die Entscheidung der Mitglieder: "Letztlich ist für uns das satzungskonforme Votum der Vereinsmitglieder bindend und durch alle zu akzeptieren."

Sendung: rbb UM6, 15.06.2019

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16 Kommentare

  1. 16.

    Die Berichterstattung der Journalisten und die Wahrnehmungen der Leser scheinen immer weiter auseinander zu gehen. Da hat sich eine Entfremdung bis hin zur Feindseligkeit, die zu verhärteten
    Fronten führt, breit gemacht. Kompromisse werden zur Seltenheit und ein wirkliches Zuhören ist
    zum Zeichen der Schwäche geworden. Das ist zu einem echten Problem geworden und zeigt die
    fehlende Bereitschaft zu Kompromissen bzw. zum gegenseitigen Respekt.
    Vieles von dem was jeder lesen kann wird zunehmend von Rechthaberei oder moralischen Urteilen bestimmt, das mag oft sogar zutreffend sein, hilft aber wenig bei der Abbildung der Realitäten, mit denen wir es hier zu tun haben. Diese Realität ist in der Lausitz bekanntlich etwas harscher.

  2. 15.

    Nu klar aus Görlitz müssen wir Recht(s)mäßig aufgeklärt werden, LOL
    Schade um Energie, hatte mich schon auf das Spiel gegen Bayern gefreut, nun werde ich das aber boykottieren bzw. noch schlimmer eher zu den Bayern halten.
    So kann man sich auch zugrunde richten, bye bye Cottbus.

  3. 14.

    Artikel Nr. 12, Herr Roland Pohl. Danke für Ihre Ausführungen in Sachen Vereinsrecht, BGB und reale Demokratie! Viele haben da grundsätzlich Nachholebedarf, aber die ständige Leier mit Rechten und Nazibeschimpfungen scheint weiter in zu sein. Ob der Ausschluss vom rbb sinnvoll oder nicht sinnvoll war ist unerheblich. Die Demokratie beim FCE lebt dank ihrer Mitglieder.

  4. 13.

    Als (jetzt ehemaliger) Energie-Fan bin ich entsetzt über diesen Eklat. Mag sein, dass die Entscheidung durch die Regulären des Vereins formell gerechtfertigt ist. Der Verein erweist sich natürlich damit einen Bärendienst. Konsequenterweise sollten Brandenburger Medien ab sofort nicht mehr über den Verein berichten. Die Masse der Brandenburger sind eh entweder Hertha oder Union-Fans. Damit ist der Brandenburger Fußball neben der Berichterstattung zum regionalen Fußball in den Brandenburger Medien ausreichend repräsentiert. Und wenn Herr Fahle sich auf Formalien zurückzieht, beweist dass nur, dass in diesem Verein die Rechten endgültig das Sagen haben. Vor diesem Hintergrund sollte auch die Sparkasse ihr Engagement überdenken!

  5. 12.

    Der Beschluss des Vereins ist rechtlich nicht zu beanstanden und durch das BGB und das Grundgesetz abgedeckt. Wenn der Vorsitzende der Landespressekonferenz dennoch einen "Eingriff in die Pressefreiheit" erkennt, ist er entweder begrenzt gebildet, oder er versucht, entgegen Artikel 5 Absatz 2 des Grundgesetzes, in die Rechte eines Vereins einzugreifen, was noch verwerflicher, aber leider immer häufiger zu beobachten ist. Warum sich die LR-Reporter solidarisiert haben, erschliesst sich mir nicht. Entweder stehen sie nicht wirklich zum FCE, oder sie befürchten Nachteile vom Arbeitgeber.
    Vereine - egal welche - sind die leitzte Bastion unserer Demokratie. Nur dort zählt noch jede Stimme gleichberechtigt.

  6. 11.

    Die NPD schliesst ja auch immer Journalisten von ihren Veranstaltungen aus und beschimpft sie.

  7. 10.

    Dann sollte der RBB auch nicht mehr über Energie Cottbus berichten. Das wäre konsequent.

  8. 9.

    Wer ist denn dann der Verein, wenn nicht die Mitglieder bei solch einer Versammlung?! Und der RBB hat doch das Ergebniss der Abstimmung akzeptiert; der Journalist hat die Versammlung verlassen! Das viele - nicht mal der RBB selbst (!) - diese Entscheidung kritisiert, ist in einer Demokratie selbstverständlich.

    Ich habe beim MDR gesucht und keine kritischen Beiträge zum FCE gefunden. Hätten Sie ein paar Links um Ihre Aussage zu untermauern der MDR würde neutraler berichten?
    Übrigens, der MDR ist beim Theme Chemnitzer FC ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt.

  9. 8.

    Sicherlich, Sie können die linke Süddeutsche zitieren, auch den Tagesspiegel und andere Edelfedern. Das alleine liefert noch keinen Erkenntnisgewinn.
    Fakt ist, auch der RBB hatte seinen Fachschwerpunkt um Cottbus und die Nazis und der Fußballclub Energie mittendrin. Werden bei den Wahlen in Cottbus die Blauen die 40 % Marke streifen?

  10. 7.

    Und es passiert schon wieder. Nicht der FCE sondern die Mitglieder haben entschieden, das Reporter des RBB die Mitgliederversammlung verlassen mussten. Das steht den Mitgliedern laut Satzung auch zu. Das Ergebnis dieses demokratischen Prozesses hat der RBB zu akzeptieren! Vielleicht sollte der RBB die Berichterstattung über den Verein überdenken. Der MDR ist da wesentlich neutraler und bietet mehr Informationen über den FCE als der RBB. Klar, es ist nicht alles perfekt im Verein, aber es gibt auch viel positives zu berichten. Aufgrund von Ereignissen einzelner Personen werden teilweise alle Fans des FCE entwürdigend betitelt. Wer permanent schlecht über mich spricht, den will ich auch nicht in meinem Haus.

  11. 6.

    https://www.sueddeutsche.de/sport/energie-cottbus-nazis-ultras-fans-1.4355769
    Ich glaube der Verein hat ein Problem mit Nazis.

  12. 5.

    Ursache und Wirkung?

  13. 4.

    Tja, wer stets und ständig mit der Moral - und Nazi-Keule um sich schlägt, der muss sich nicht wundern, wenn er kein gern gesehener Gast ist.

  14. 3.

    Tja. Für mich hätte es korrekter Weise statt "Ausschluss" "Der rrb erhielt keine Zulassung zur Mitgliederversammlung" heissen müssen. Aber was verstehe ich schon von griffigen Überschriften...

  15. 2.

    Lieber schlechte Publicity als gar keine. Wusste gar nicht, dass ein bayrischer Imageberater jetzt schon in der Lausitz gelandet ist und die Medien fröhlich drauf reinfallen.
    (Verschwörungstheorie Incoming)

    Doch mal ehrlicherweise, etwas Selbstreflexion Seitens der hiesigen Medien hier, die den Verein und die Stadt, doch in der Wahrnehmung des Öfteren nur auf ein gewisses Thema reduziert hatten und auch sonst, eher Stiefmütterlich behandeln, wäre mal angebracht.
    Die Medienfreiheit über eine selektive demokratisch herbeigeführte Abstimmung zu stellen, ist ja schon frech. Klar, kann man das monieren und ansprechen, aber weniger in "Heulsusenform."
    Was im Verein selbst abläuft, ist zur Zeit auch oft so intransparent wie eine Kaugummiverpackung.

    Dennoch, werter rbb, stellt Euch einer Selbstreflexion und differenziert Eure zukünftige Berichterstattung auf wertschätzende und auch Wertfreie Inhalte. Wäre mal ein Anfang.

  16. 1.

    Der Tagesspiegel versucht eine Deutung des Geschehens.

    "Im Netz wird der Ausschluss kontrovers diskutiert. Viele werfen dem RBB vor, die Berichterstattung über Energie beschränke sich auf Neonazis und Hooligans. „Dass es allzu oft nur um solche Idioten geht, verärgert natürlich die richtigen Fans“, sagte Friese. "

    https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/eingriff-in-die-freiheit-der-berichterstattung-zuviel-energie-cottbus-schliesst-rbb-aus/24460156.html

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