Eine Anhängerin von Hertha BSC schwenkt eine Fahne bei einem Auswärtsspiel in Bremen (Bild: imago images/Nordphoto)
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Video: rbb24 | 05.06.2019 | 18 Uhr | Philipp Büchner | Bild: imago images/Nordphoto

Ausstellung "fan.tastic females" in Potsdam - "Frauen sind eine Fan-Gruppe, die gerne mal übersehen wird"

Frauen gehen längst in großer Zahl in die Fußballstadien. Den Ton geben aber oft noch Männer an. In der Ausstellung "fan.tastic females" bekommen nun in Potsdam 70 Frauen aus 20 Ländern eine Stimme. Sie zeigt weibliche Fan-Kultur - mit großer Leidenschaft.

Ayben Kuleci war sieben Jahre alt, als sie sich verliebte. In den türkischen Erstligisten Besiktas Istanbul. "Jedes Mal, wenn ich ins İnönü-Stadion kam (Anm. d. Red.: ehemalige Arena des Klubs), hatte ich Gänsehaut. Jedes Mal das gleiche Gefühl, in dem Moment entfernt man sich vom Planeten Erde", sagt sie. Im Trikot sitzt sie gegen einen Baumstamm gelehnt auf dem Gras. Heute ist das Mädchen von damals Ende dreißig. Fan ist Ayben geblieben. Im Hintergrund ist die neue Heimstätte ihres Klubs zu sehen, die den Namen eines großen Mobilfunkunternehmens trägt. "Alle deine Sorgen, jedes Problem in deinem Land - in den neunzig Minuten vergisst du einfach alles." Sie strahlt, wenn sie das erzählt - ansteckend, von innen heraus.

70 Porträts aus 20 Ländern

Zu sehen sind die beschriebenen Szenen in einem Video in der Wanderausstellung "fan.tastic females", aktuell im Rechenzentrum in Potsdam. Die multimediale Erzählung über Ayben Kuleci ist eine von insgesamt 70. Sie zeigen weibliche Fußball-Fans aus zwanzig Ländern. "Es ist eine Gruppe, die gerne einmal übersehen wird - und das, obwohl Frauen schon immer da waren. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, diese mal zu porträtieren. Sie in allen ihren Facetten und Rollen zu zeigen, die es gibt", sagt Barbara Paech. Sie ist eine der Koordinatorinnen - und selbst fußballerisch auf den Rängen des SV Babelsberg beheimatet.

Drei Jahre reisten Paech und ihre fußballbegeisterten Mitstreiterinnen zu Recherchezwecken durch Europa - und manchmal sogar weiter. Um den Frauen, die im Männerfußball für ihre Farben leben, vor Ort zuzuhören, sie zu filmen und ihnen dadurch Sichtbarkeit und eine Stimme zu geben. Dabei gehört es auch dazu, mit Klischees aufzuräumen. "Weibliche Fans werden in den Medien häufig nur als sexy Frauen abgebildet. In Wahrheit gibt es Frauen mit genauso viel Power und Leidenschaft für ihre Teams wie alle anderen", sagt Paech. Dieses Bild zu brechen gelingt mit den Beiträgen, die die weibliche Fan-Kultur in den Fokus rücken und dabei jede Menge Leidenschaft, ja: Liebe zu diesem Sport zeigen. Wie eben bei Besiktas-Fan Ayben.

QR-Codes scannen

Verdeutlicht wird aber auch, wie schwer Frauen es im Fußball in manchen Ländern noch haben. Wie ihnen versucht wird, das Fan-Sein zu verunmöglichen. "Ein Porträt, was wir haben, ist von 'Open Stadiums' (Anm. d. Red.: Initiative im Iran, die versucht, die Legalisierung des Stadionbesuch für Frauen zu erreichen). Im Iran ist es immer noch untersagt, dass Frauen ins Stadion gehen", sagt Paech. Seit fast vierzig Jahren gilt dieses Verbot für Frauen, Spiele der Männer zu besuchen - massiv verfochten durch den erzkonservativen Klerus in dem islamischen Land.

Der Eintritt in diese weiblichen Fan-Welten gelingt in Potsdam mit dem Smartphone. QR-Codes müssen auf den Bildern gescannt werden, dann beginnen die Videos. Benötigt wird in der Ausstellung, die vom Netzwerk Football Supporters Europe (FSE) ins Leben gerufen wurde, also ein entsprechendes Mobiltelefon sowie Kopfhörer. Es gibt jedoch zusätzlich auch Poster mit kurzen Texten und Zitaten. Nach der Zeit in Potsdam geht die Tour für die "fan.tastic females" übrigens weiter. Bis 2020 sei sie bereits ausgebucht, sagt Paech, und werde an mehreren Standorten europaweit zu sehen sein. Überall wird Ayben von Besiktas schwärmen. Und - so die Hoffnung - für Veränderung in der Wahrnehmung und der Rolle weiblicher Fans sorgen.

Sendung: rbb UM6, 05.06.2019, 18 Uhr

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