Union-Fans halten Schals hoch (Quelle: imago images / Sportfoto Rudel)
Audio: Radioeins | 28.06.2019 | Interview mit Union-Sprecher Christian Arbeit | Bild: imago images / Sportfoto Rudel

Streit um neuen Sponsor - Union-Sprecher: Bratwurst und Bier verkaufen reicht nicht

Ein Immobilien-Unternehmen als neuer Hauptsponsor verärgert derzeit die Fans des 1. FC Union Berlin. Sie sehen die Werte des Vereins gefährdet. Nach der teils heftigen Kritik äußert sich nun Pressesprecher Christian Arbeit.

Gerade einmal drei Wochen nach dem Bundesliga-Aufstieg des 1. FC Union Berlin sind viele Fans des Vereins verärgert. Der Grund: der neue Hauptsponsor. Mit "Aroundtown" prangt ab der kommenden Saison das Logo eines luxemburgischen Immobilien-Unternehmens auf den Trikots der Spieler.

Das Unternehmen kauft und verwaltet vor allem Gewerbeimmobilien. Es ist aber auch mit 39 Prozent an der Wohnimmobilien-Gesellschaft "Grand City Properties" beteiligt, das bereits seit zwei Jahren den Nachwuchs der Berliner unterstützt. Bundesweit gehören dem Unternehmen etwa 84.000 Wohnungen (Stand Ende März 2019). 7.500 davon befinden sich in Berlin, rund ein Drittel sollen im Einzugsgebiet der Unioner, also in Treptow-Köpenick liegen. Zweitgrößter Aktionär bei "Aroundtown" ist der umstrittene Vermögensverwalter Blackrock.

Mehr als nur Bratwurst und Bier verkaufen

"Das ist ein Problem für einen Verein, der sich eigentlich gegen Kommerz ausspricht", hatte Ex-Union-Manager Christian Beeck im "Tagesspiegel" [externer Link] am Montag kritisiert. Union-Pressesprecher Christian Arbeit äußerte sich am Dienstagmorgen im rbb zur Diskussion um den neuen Geldgeber.

"Am Ende nehmen wir an einem Wettbewerb teil, der hochkommerzialisiert ist. Da machen wir uns nichts vor. Die Organisation 1. FC Union Berlin versucht, sich im Profifußball zu behaupten. Und das macht man nicht nur, indem man Bratwurst und Bier verkauft", so Arbeit auf Radioeins.

Union habe unter den 18 Bundesligisten die zweitwenigstens Fernsehgelder und die zweitgeringsten Erträge aus dem Stadionbetrieb. Zudem wurden die Eintrittspreise trotz des Bundesliga-Aufstiegs nicht erhöht. "Wir erzählen seit Jahren, dass wir investieren, den Etat erhöhen, in die Top 20 des Wettbewerbs wollen. Natürlich sind wir kommerziell, natürlich finden hier auf dieser Tribüne [im Stadion An der Alten Försterei, Anm. d. Red.] Veranstaltungen statt. Das sind Veranstaltungen, mit denen wir Geld verdienen", so Arbeit.  

Wahl des Sponsors eine "bemerkenswert instinktlose Entscheidung"

Dass der neue Hauptsponsor, der pro Saison 1,5 Millionen Euro in die Kassen der Köpenicker pumpen soll, ausgerechnet mit Immobilien sein Geld verdient, verärgert viele Fans. Noch dazu in Berlin, wo sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt immer mehr zuspitzt.

Auf dem Union-Blog "Textilvergehen" wird die Wahl des Sponsors als "bemerkenswert instinktlose Entscheidung" bezeichnet. Die Anhänger ärgert vor allem, dass das Unternehmen nicht mit den Werten des Vereins zusammenpasse. Unter dem Hashtag #notmyhauptsponsor machen sie auf Twitter ihrem Ärger Luft.

"Wir lassen keine Zeppeline durch unser Stadion fliegen"

"Wir verzichten auf sehr viel. Und das machen wir auch sehr bewusst", erklärt Christian Arbeit. "Wir lassen keine Zeppeline durch unser Stadion fliegen, wir präsentieren keine Ecken während des Spiels, wir veranstalten keine Show. Wir versuchen, die Leute beim Spiel in Ruhe zu lassen. Aber wir müssen die Einnahmen anderswo erzielen und da verlassen wir uns auf Partner, die unseren Weg respektieren. Und das ist schwierig genug."

Sendung: Radioeins, 18.06.2019, 9.37 Uhr

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23 Kommentare

  1. 23.

    100 Punkte ... dem kann man nur zustimmen. Einfach mal aufwachen ... das ist ein Business - spätestens, wenn man in den oberen Klassen spielt.

  2. 22.

    Der neue Hauptsponsor hält sich im großen und ganzen ja zurück... das was Union erlebt ist in keinster Weise mit dem was Hertha gerade passiert ist zu vergleichen.... da hat jemand 125 ! Mio bezahlt und dem gehört fast der halbe Verein... und hier wird sich wegen 3-4 Mio über 2 Jahre "Unterstützung" aufgeregt... zumal diese Firma schon länger Union supportet.. also alles im Rahmen denke ich.

  3. 21.

    Profisport ist ein knallhartes Geschäft in der heutigen Zeit und da interessiert es nicht was war bzw was toll ist. Ohne Geld geht nichts und der Kultstatus, den Union vor sich herschiebt, kann man finanziell gut ausnutzen und sicher gibt es schon interessierte Sponsoren dafür.
    Einfach in der Realität ankommen Union.

  4. 20.

    Da ist er wieder, der Neid, gepaart mit medialem Sensationsgebrüll. Dass ein Christian Beeck aus der Pleitezeit von Union jetzt groß auftrumpfen darf, ist ganz schön schräg. Und die Medien hauen immer drauf. Die da jetzt meckern sind die, die durch Feuerwerk Union jedes Jahr einen sechsstelligen Betrag kosten und die wahrscheinlich gar kein Verhältnis zum Geld haben und alles für lau haben wollen. Man kann natürlich über Immo-Firmen schimpfen, ohne die allerdings würde es hier wie in Bukarest 1990 aussehen. Mieten erhöhen übrigens alle privaten Vermieter, sogar mehr als GCP. Private Firmen machen Profit, sonst könnten sie zum Beispiel gar nicht Sponsor sein. Ich hätte mir gewünscht, meinem Verein würde eine solche dummschwätzige Debatte erspart geblieben sein. An alle Moralapostel: Bei VSG Altglienicke und Lichtenberg 47 gibt's noch Dauerkarten.

  5. 19.

    Der einzig wahre Kult soll Pauli sein? Mit einem Trikothersteller aus der U.S. Rüstungsindustrie?! Das passt auch nicht so richtig zum suggerierten Gutmenschentum.

  6. 18.

    Bin voll deiner Meinung. Ich weiß nicht was manche Fans überhaupt wollen. Um im Profigeschäft richtig mitzumachen, braucht man nun mal Kohle. Oder wollen diese Fans lieber gegen die alten Oberligavereine BFC
    oder Lok Leipzig spielen. Mal abgesehen von den vielen
    Strafen die Union immer mal wieder aufgebrummt bekommt. Da fragt ja auch kein Schwein, wo die Knete her kommt. Die Verantwortlichen von Union machen alles richtig. Weiter so. EISERN UNION

  7. 17.

    ein normaler Verein, ohne diesen ganzen Hype. Ist doch ganz angenehm. Der einzig wahre Kult ist Pauli ;-))

  8. 16.

    Das, was Union am Besten vermarktet, ist sein Kultstatus. Was halt übrig bleibt, wenn man sich angeblich nicht vom Westen kaufen lassen will. xD

  9. 15.

    Ich gehe jetzt seit über 40 Jahren zu Union und habe wirklich alles mitgemacht. Man kann mich auch als Traditionalist bezeichnen aber ich bin auch Realist.
    Ohne Sponsoren geht es nicht und wie gesagt der neue Sponsor ist ja kein Unbekannter und hat uns im Nachwuchsbereich schon seit Jahren unterstützt. Es war immer klar das wenn wir weiter aufsteigen auch potente Geldgeber brauchen. Klar ist auch das es ein Tanz auf Messers Schneide ist zwischen Tradition und Kommerz.
    Bis jetzt habe ich vollstes Vertrauen in unsere Vereinsführung die alles dafür tun wird das wir auch weiter unsere Werte leben können. Und bitte hört auf zu meckern, es ist immer leicht zu kritisieren wenn man nicht in der Verantwortung steht. EISERN

  10. 14.

    Liebe Mitglieder und Meckerfans des 1. FC: Wenn ihr diesen Sponsor nicht haben wollt, dann schlagt bitte auch ein oder besser gleich 2 neue Sponsoren vor, die euch genehm sind. Und denkt dran: Oberligafußball kostet richtig Kohle! 2 Mille sind da fast schon Pinuts. Ohne Geld auch keine gute Spielermotivation, von der Oberliga-Infrastruktur mal ganz zu schweigen. Ansonsten ist das Geheule unter euch Mitgliedern und Fans wieder groß, wenns nach dem ersten Jahr gleich wieder abwärts geht.

  11. 13.

    Ich als Union- Fan bin jedenfalls sehr froh, dass hier ein solches Unternehmen mit dieser Größenordnung Union als Werbepartner mit einer geschätzten Summe von 1,5-2Mio. jährlich unterstützt.

    Ich glaube Kritik kommt hier scheinbar nur von vereinzelten Fans die hier über das Netz gegen diesen Sponsor „Stimmung“ machen. Ich kenne zumindest keinen Union Fan der das derart kritisch sieht.

    Eigentlich finde ich das Verhalten dieser einzelnen Fans inzwischen sogar Vereinsschädigend. Welcher Sponsor soll sich denn in naher Zukunft wieder für Union entscheiden, wenn er derart über das Netz und die Medien, nach einer solchen Entscheidung, schlechtgemacht wird.

    Da Union sich bewusst gegen bestimmte Werbeaktionen wie „Diese Ecke wird präsentiert von ...“ oder der Vermarktung des Stadionnamens entscheidet, muss man versuchen aus den vorhandenen Möglichkeiten das maximale herauszuholen.

  12. 12.

    Instinktlos(wie ein Vorkommentierer es nannte), dumm und unsensibel, so kann man das nennen.Eine auf maximalen Gewinn ausgerichtete Wohnungsbau-Gesellschaft, die sich aus spekulativen Investoren Gruppen finanziert und mit Black Rock verbunden ist, das passt zu Union wie Glyphosat zu einem Biolandanbau, oder St. Pauli und Veuve Clicquot .Da hätte sich bei längerem Suchen bestimmt ein passender Sponsor gefunden.Herzlichen Glückwunsch zu dieser Heuschrecke die sie sich da ins Stadion geholt haben.Das ist ein Bruch der ist nicht mehr zu kitten.So zerstört man Idendität und Illusionen.

  13. 11.

    Dass (Herren)Fußball immer kommerzialisierter ist, ist leider eine Tatsache. Wer mitmachen will, tut das nur nach dem Ellenbogenprinzip des marktradikalen Extremismus. Am Ende gewinnt keine Mannschaft, sondern Geld, Werbeträger und -verträge, Investoren, deren Anleger*innen. Traurig. Von englischen, brasilianischen oder südafrikanischen Verhältnissen ist Union weit entfernt, in der Tat sogar noch mit einem Puffer gegen die vollständige Kommerzialisierung. Bisher.

    Bei der Ablehnung nicht etwa des Immobilienunternehmens, sondern BlackRocks geht es nicht um dogmatische, verschörungstheoretische, Veränderungen scheuende Abwehrreaktionen. Wer BlackRock fördert, sich von ihnen abhängig macht, fördert den größten Investmentbankinggiganten. BlackRock handelt toxisch, hat allein mehrere hundert Mio. $ aus der Finanzkrise gewonnen(!), hat EInfluss auf die FED sowie EZB und profitiert von diesen Einblicken. Aber BlackRock wird fallen - eine Weltwirtschaftskrise unbekannten Ausmaßes.

  14. 10.

    Auch ich habe mich sehr über den Aufstieg gefreut und verstehe die Fans überhaupt nicht. Wenn man einigermaßen in der Bundesliga mithalten will braucht man Geld, zumal die Leute ja weiterhin zum gleichen Eintritt ins Stadion kommen. In welchem Feldschlösschen Leben diese Leute? Ausserdem ist der Sponsor ja kein Unbekannter sonder schon seit einiger Zeit im Verein. Ich empfinde das Provinzposse.

  15. 9.

    Es ist nicht unangenehm, es ist Realität. Nestle, VW, Beyer und Co. sind auch nicht sauberer oder anders. Wer in der 1. Liga mitspielen möchte, braucht potente Geldgeber, weil Fußball letztendlich ein Geschäft ist. Ich vertraue den Eisernen, weil sie werden es nicht übertreiben und genau abwägen.

  16. 8.

    Union sollte sofort den Zwangsabstieg in die 5. Liga beantragen. Sonst werden die "Traditionen" gebrochen. Ich habe mich über den Aufstieg gefreut. Aber dieses permanente Gehäule der Fans geht mir echt auf den Zunder.

  17. 7.

    Union kann so einen Sponsor wählen. Ich kritisiere das nicht. Was ich nur nicht mag ist, wenn man nicht zu den Entscheidungen steht und Erklärungen sucht. Einfach sagen, man will sein wie jeder andere Verein und braucht das Geld. Übrigens ist die Tochterfirma des Sponsors nun schon seit 2 (?) Jahren in der Jugendarbeit des Vereins als Sponsor tätig. Das hätte den Eisernen schon auffallen können. Diese Firma soll ja enteignet werden. Der Name ist also spätestens seit der Initiative belastet.

  18. 6.

    Warum reagiert Union immer erst so spät bei unangenehmen Themen? Und erst wenn z.b. der RBB fragt. Unsouverän und nicht bundesligalike

  19. 5.

    Es ist leider wie immer bei union. Christian Arbeit und der Verein äussern sich wenn überhaupt zu/sehr spät, wenn's klemmt. Z.b. Keller Rausschmiss. Bedauerlich für meinen Verein. In Sachen Kommunikation noch nicht erstligareif

  20. 4.

    Natürlich ist nicht jeder der in Immobilien investiert gleich schlecht. Jedoch sind Firmen wie Aroundtown und Blackrock nicht gerade bekannt für ein soziales Engagement.
    Und wie Silvio P. schrieb wäre es mit 5 Euro mehr Eintritt auch möglich gewesen auf so einen Sponsor zu verzichten.

    In der heutigen Zeit scheint es mir wichtig zu sein Werte für die man steht einzuhalten und zu verteidigen.

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