Patrick Kroll beim Torabschluss. (Quelle: imago/Matthias Koch)
Bild: imago/Matthias Koch

Interview | Patrick Kroll, 75 Saisontreffer - "Ich bin immer heiß auf Tore"

Wenn Patrick Kroll aufläuft, sind Tore garantiert: Der Stürmer der VSG Altglienicke II schoss in der Bezirksliga im Schnitt drei Treffer pro Partie. Ein Gespräch über die Qualitäten eines Super-Knipsers, unzählige Bierkisten - und warum Torsten Mattuschka ihn dennoch auslacht.

Er trifft und trifft und trifft. So oft, dass selbst geübte Statistiker schon einmal durcheinander geraten können. Laut dem Portal fupa.net hat Patrick Kroll 74 Tore geschossen, bei fussball.de ist sogar noch eins mehr verzeichnet. Damit hat der 31-Jährige maßgeblichen Anteil am Landesliga-Aufstieg von VSG Altglienicke II und gehört deutschlandweit zur Top 10 der besten Torjäger im Amateurfußball. Als nächstes muss sich Staaken II vor Kapitän Kroll und seinem Team fürchten, denn der Mann mit der gigantischen Torquote - Eigenbezeichnung: Vollblutstürmer - will im Berliner Pokalfinale der zweiten Mannschaften (Montag, 15 Uhr) unbedingt den Titel.  

Haben Sie sich eigentlich vor der Saison irgendeine Torprämie ausgehandelt?

Nee. Für mich stand im Vordergrund, mit der Mannschaft aufzusteigen. Und mir war auch nicht bewusst, dass ich jetzt so viele Tore schießen würde. Deshalb habe ich da nichts ausgehandelt. Ich hatte aber auch noch nie in meinem Leben eine Torprämie.

Gelohnt hätte es sich in dieser Saison. Im Internet kursieren unterschiedliche Angaben über Ihr Treffer-Konto. 74 oder sogar 75 Tore - haben Sie noch den Überblick?

Ich habe keine Strichliste geführt und zähle nicht mit. Aber ich weiß schon: 75 sind der richtige Stand.

Gut, wir notieren also 75 Tore in 26 Spielen. Das sind fast drei im Schnitt. Ich frage mal im Namen aller neidischen Stürmer: Wie macht man das?

(lacht) Das ist ein bisschen Erfahrung. Ein bisschen Glück. Ein bisschen Abgezocktheit. Da kommt vieles zusammen. Es lief einfach in diesem Jahr. Das kann man so sagen.

Und das von Anfang an. Das erste Tor haben Sie im ersten Spiel der Saison gemacht - und zwar in der ersten Minute. Können Sie sich an diesen ersten Treffer noch erinnern?

Puh. Das ist schwierig. An das Tor nicht. Ein oder zwei sind noch im Kopf - gerade dann, wenn es schöne Treffer waren. Ansonsten habe ich nicht mehr jeden Treffer im Gedächtnis. Das ist ja auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass man trifft - und dem Team damit helfen kann.

In besagtem Spiel haben Sie gleich noch sechs weitere Male getroffen. Also sieben Tore gleich in den ersten neunzig Minuten. Wussten Sie danach: In der Saison kann mich nichts stoppen?

Es ist sicherlich ein geiler Einstand. Man geht mit einem guten Gefühl in die nächsten Partien. Hätte ich im ersten Spiel nicht getroffen, wer weiß, wo es dann hingegangen wäre. Es war einfach von Anfang an optimal für mich.

Kann Tore schießen eigentlich irgendwann langweilig werden?

Nein. Dafür bin ich Vollblut-Stürmer. Ich freue mich über jedes Tor. Bin immer unzufrieden, wenn ich noch große Chancen liegen lasse. Das war diese Saison so. Da ärgere ich mich dann trotzdem. Ich zähle nicht die Tore und sage: Wenn ich bei 40 bin, reicht es mir. Ich denke von Spiel zu Spiel und bin heiß. Immer heiß auf darauf, Tore zu schießen.

Ich zähle nicht die Tore und sage: Wenn ich bei 40 bin, reicht es mir. Ich denke von Spiel zu Spiel und bin heiß. Immer heiß darauf, Tore zu schießen.

Patrick Kroll

Hat jemand, der so oft jubeln kann, ein ganzes Repertoire an Feier-Choreographien?

Ich entscheide situationsabhängig, wie ich mich freue. Bei einem Tor zum 6:0 werde ich keinen Salto mehr machen. Wenn man in einem Pokalspiel das 3:2 in der 90. Minute schießt, jubelt man dann schon ausgelassener. Aber ich mache mir nicht schon vor Anpfiff Gedanken, wie ich am besten feiere.

Die Gegner haben ja sicherlich inzwischen mitbekommen, dass Sie Tore am Fließband schießen. Verhindern können sie es trotzdem nicht. Mit welchen Mitteln versuchen sie es zumindest - und: Ist das auch manchmal schmerzhaft?

Eigentlich waren über die gesamte Saison alle fair. Es gibt Zweikämpfe, die etwas ruppiger sind. Aber danach wurde sich sofort entschuldigt. Natürlich stellt sich der Gegner auch ein bisschen darauf ein - und ich hatte schon immer mal ein, zwei Manndecker, die mich direkt verfolgt haben. Meine Mannschaft war dann phasenweise clever genug, das zu sehen - und hat um mich herum gespielt. Und am Ende habe ich trotzdem getroffen, weil ich einfach richtig gestanden habe.

Bei Ihnen in der ersten Mannschaft spielt Torsten Mattuschka. Eine echte Legende - und bekanntlich nicht auf den Mund gefallen. Hat der Ihre Torquote mal kommentiert?

Ja, mit Tusche habe ich sehr engen Kontakt. Wir treffen uns auch privat. Er hat mich immer ausgelacht. Wenn ich in Spielen fünf Buden gemacht habe, hat er gefragt, warum es nicht mehr waren - oder, warum ich nur 75 und nicht 80 geschafft habe. Da ist er halt so, wie man ihn kennt. Locker, fluffig - ganz cool.

Patrick Kroll (links) mit Torsten Mattuschka (Mitte). (Quelle: imago/Matthias Koch)
Patrick Kroll (li.) feiert unter anderem mit Torsten Mattuschka (M). | Bild: imago/Matthias Koch

Wenn Torsten Mattuschka schon mit den kritischen Nachfragen begonnen hat, setzen wir das natürlich fort. In drei Liga-Spielen haben Sie gar nicht getroffen. Im Ernst, Herr Kroll: Was war da los?

(zögert kurz) Ja. Es gibt in jeder Phase des Fußballs in der ganzen Saison auch Spiele, in denen man mal nicht trifft. In denen man einen schlechten Tag hat. Oder die anderen eben mal besser sind und man gut im Zaum gehalten wurde. Aber da habe ich Erfahrung genug und lasse mich nicht unterkriegen. In der Zeit treffen halt andere aus meiner Mannschaft und wir haben trotzdem gewonnen.

Wir haben uns auch die deutschlandweite Statistik angeschaut. Sie sind auf Platz neun der torgefährlichsten Amateurfußballer. Was können Sie noch besser machen, um in dieser Statistik weiter nach vorne zu rücken?

Ich wusste lange Zeit überhaupt nicht, dass es so eine Statistik gibt - und wo ich so etwas überhaupt nachgucken soll. Das war für mich nicht interessant. Dann haben mich auch andere darauf angesprochen und wollten wissen, ob ich darauf schaue. Für mich war es auch nie wichtig, Deutschlands bester Torjäger zu werden. Man darf ja auch nicht vergessen, dass ich Bezirksliga spiele und im vergangenen Jahr noch in der Regionalliga unterwegs war [Anm. d. Red.: in der ersten Mannschaft von Altglienicke]. Da sollte schon ein Unterschied zu erkennen sein.

Nun steht am Montag noch ein großes Spiel an. Das Berliner Pokalfinale der zweiten Herren-Mannschaften gegen Staaken II. Auf wie viele Gegentore durch Sie müssen die sich einstellen?

Ich wünsche mir natürlich mindestens eins - und dass wir das Spiel so gewinnen. Aber das wird ein schweres Stück Arbeit. Am Ende ist mir egal, wer da die Tore schießt. Am schönsten wäre es, wenn wir den Pokal gewinnen. Das ist etwas, das dir keiner nehmen kann. So viele echte Titel kann man im Amateurfußball nicht gewinnen. Das ist einer davon.

Nun sind Sie 31 Jahre alt und - von außen betrachtet - eigentlich offensichtlich zu gut für Bezirksliga-Fußball. Wie ist es eigentlich gekommen, dass sie dort spielen und wollen Sie noch einmal höher hinaus?

Höher hinaus will ich schon. Wir spielen nächstes Jahr Landesliga und ich bleibe in Altglienicke - da geht es also eine Liga weiter. Mein Ziel ist es, die Jugend ein wenig voranzutreiben: die 18- und 19-Jährigen, die aus dem Jugendfußball kommen, im Männerbereich entgegenzunehmen. Ihnen zu helfen, sich zu etablieren. Ich bin ja auch Kapitän der Mannschaft. Ich habe in dieser Saison auch mit dem Trainerteam ganz eng zusammengearbeitet, habe in die Mannschaft gehorcht und vermittelt. Ich mache also auch ein paar Dinge im Hintergrund. Das war für mich auch wichtig. Ich werde ja nicht mehr ewig Fußball spielen können. Da kann ich schon einmal ein bisschen hineinschnuppern. Und es macht Spaß, mit den ganzen Jungschen zu arbeiten.

Wie ist da das Verhältnis zwischen den Jungspunden und Ihnen als 75-Tore-Mann und Kapitän?

Das ist ganz gut. Die akzeptieren mich als Führungsspieler und freuen sich - denke ich - auch darüber, dass da einer ein bisschen aufpasst und sich kümmert. Ich versuche sich ja dahin zu bringen, dass sie selbst mal alle Führungsspieler werden. Und ich musste schon diverse Kisten Bier ausgeben in diesem Jahr. Da freuen die sich natürlich auch.

Ich musste in diesem Jahr schon diverse Kisten Bier ausgeben. Da freuen sich die Jungs natürlich auch.

Patrick Kroll

Aber warum müssen Sie etwas ausgeben - müsste das nicht eher andersherum sein?

Es ist eine Truppe, die zusammenhält. Da werden vor der Saison gewisse Dinge ausgemacht. Wenn man in der Elf des Spieltages steht, muss man natürlich eine Kiste springen lassen. Ich bin ja nicht als einzelner Spieler so gut.

Wie oft waren Sie in der Elf des Spieltags?

Puh, das kann ich nicht sagen. Aber oft genug für viele Kisten. (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Johannes Mohren für rbb|24.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Respekt!¥

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