Union-Präsident Dirk Zingler
Bild: imago images / Matthias Koch

Zeitungsinterview mit Dirk Zingler - Union-Präsident: Berlin-Derby am 9. November "absurd"

Dirk Zingler, Präsident des Bundesliga-Aufsteigers Union Berlin, hat sich mit deutlichen Worten gegen ein Derby gegen Hertha BSC am 9. November zum 30. Jubiläum des Mauerfalls ausgesprochen - und damit die Ablehnung des Vorschlags durch die Köpenicker erneut bekräftigt. "Ehrlich gesagt, verstehe ich den Wunsch nicht. Für mich ist das ein Derby, das steht für Rivalität, für Abgrenzung. Und für Fußball-Klassenkampf in der Stadt", sagte er einem Interview mit der "Berliner Zeitung", das in der Samstagsausgabe erschien.

Zingler betonte weiter, er finde es absurd, "diesem Spiel eine Art Freundschaftsspielcharakter zu geben, nach dem Motto: Wir spielen jetzt hier einen auf deutsche Einheit." Er wisse nicht, wie man auf so eine Idee komme. Hertha BSC hatte diese Anfang Juli hervorgebracht - und damit für große Diskussionen gesorgt. Zunächst hatte es gehießen, der Club habe die Ansetzung am 9. November bereits bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) als Wunsch hinterlegt. Das bestritten die Charlottenburger  später jedoch wieder.

Union hatte von Beginn an Unverständnis über diesen Vorschlag geäußert. Einen Tag nach dem Bekanntwerden reagierten die Eisernen via Twitter - und verkündeten dort kurz und knapp: "Uns ist der Gedenktag zum #Mauerfall zu wichtig, wir wollen an diesem historischen Tag nicht Fußball spielen."

Umstrittenen Hauptsponsor verteidigt

Zingler äußerte sich in dem Interview auch zu einem zweiten Streitthema - dem in der Fanszene umstrittenen neuen Union-Hauptsponsor Aroundtown SA. "Wir haben unserem Partner Aroundtown nichts vorzuwerfen. Im Gegenteil, wir sind stolz, dass wir sie an unserer Seite haben", sagte er - und: "Das ist ein milliardenschweres MDax-Unternehmen. Vor zehn Jahren hätte sich doch in Berlin noch jeder darüber gefreut, wenn Union so einen Partner gehabt hätte."

Viele Anhänger der Köpenicker hatten die Kooperation mit dem Immobilienunternehmen Aroundtown aus Luxemburg zuletzt scharf kritisiert und - etwa auf dem Union-Blog "Textilvergehen" - als "bemerkenswert instinktlose Entscheidung" bezeichnet. Die Firma, die auch am seit zwei Jahren im Nachwuchsbereich des Clubs als Sponsor auftretenden Unternehmen "Grand City Properties" Anteile hält, ist schwerpunktmäßig im Bereich der Gewerbeimmobilien tätig - in Deutschland und in den Niederlanden. Zweitgrößter Aktionär bei Aroundtown ist der umstrittene Vermögensverwalter Blackrock.

Er habe natürlich erwartet, dass es auch Widerspruch geben werde, sagte Zingler: "Wir sind ja nicht blind." Gleichzeitig stellte er aber auch klar: "Am Ende müssen wir in der Organisation überzeugt davon sein, dass es gut und vertretbar ist für den Verein. Manchmal ist es ja auch so, dass wir Dinge unterlassen, weil wir spüren, dass eine überwältigende negative Reaktion der Gemeinschaft dem Verein Schaden zufügen kann. Das ist hier nicht der Fall."

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11 Kommentare

  1. 11.

    Ich stimme Zingler absolut zu - "Freundschaftsspielcharakter" wäre der zutreffende Begriff - muß ich auch nicht haben! Aber davon mal ganz abgesehen: Glaubt wirklich jemand ernsthaft, daß die DFL an diesem Wochenende (9./10. 11.)so ein Risiko eingehen würde? Die Stadt ist voll von aktiven und ausgemusterten Politikern, dazu die ganzen alten "Widerstandskämpfer" (und die werden komischerweise immer mehr), die halbe Innenstadt wird gesperrt sein, Polizei zuhauf, zugeschweißte Gullydeckel...und dann, in diesem Chaos, läßt man noch 74000 durchgeknallte Fußballfans aufeinander los...?? (Ich darf das so formulieren, ich wäre darunter.) Mit ein bißchen Verantwortungsgefühl geht man so einer Situation aus dem Weg : Hertha Freitagabend auswärts, Union Sonntag zu Hause - und schon entzerrt sich das Chaos in der Stadt ein wenig... Und dann irgendwann ein richtig entspannter Derbytermin...!

  2. 9.

    Hmm ich bin seit 20 Jahren Herthafan und wohne seit 5 Jahren wieder in der Stadt, in Köpenick. Als Herthaner, und ich habe mich für Union und seine Fans gefreut über den Aufstieg. Bin aber auf Herrn Zinglers Seite, auch wenn beide Clubs eine Fanfreundschaft haben , ist ein Derby ein Derby, und das soll es auch sein. Ein emotionales Ringen um einen Sieg. Und nicht ein Freundschaftsspiel. Und am 9.November Fussball zu schauen wird dem Tag auch nicht gerecht. Und gerne füllen wir das Oly mit Herthanern und Unionern, die ihre Mannschaften bis aufs Blut kämpfen sehen wollen, sportlich. Solange das Spiel an irgendeinem Samstag stattfinden kann, ist es cool. Und Herr Zingler sollte trotzdem mal ausbauen, sonst kann ich als Herthaner nur auf Balkon gehen und zuhören, oder das Spiel in der Alten Försterei in Sky sehen, was blöd ist, für ein Derby.

  3. 8.

    Eine gute Idee zum 9. November. Zwei großartige Fußballvereine mit ihren großartigen Fans zum 30. Jahrestags des Mauerfalls gegeneinander spielen zu lassen.
    Und zwar nicht Ost gegen West; sondern wenn überhaupt, Ost mit West!

  4. 7.

    Ich, deswegen finde ich dieses WessiOssi-Gequatsche mehr als unnötig. Man kann Eiserner sein oder Herthaner, aber ein Berliner ist ein Berliner. Wenn die Vereinsführungen da etwas anderes verlauten lassen, dann müssen Fans das nicht mitmachen.

  5. 6.

    Ich kann Ost gegen West auch nicht mehr hören! Ich fand es schön, wie die beiden Stadthälften zusammen wuchsen. Leider nur baulich. Früher sagten viele die " Jammer-ossis". Heute scheint es mehr umgekehrt zu sein. Man braucht hier nur die Kommentare zu lesen. Ich hoffe das ist nur eine Minderheit. Früher zu DDR Zeiten waren die Fans der beiden Vereine mal befreundet! Aber wer kann/will sich daran noch erinnern?

  6. 5.

    Etwas befremdend die Aussagen des Präsidenten, ein Derby stehet also für Abgrenzung und Klassenkampf. Aha. Ich hatte gehofft, es wäre eine sportliche Rivalität auf lokaler Ebene. Aber gut zu wissen. Und der Sponsor ist also okay, weil es ein MDax Unternehmen ist. Das ist die Deutsche Wohnen auch. Offenbar ist der Präsident politisch nicht auf der Höhe. Alles klar ... Funktionäre reden sich ja gerne alles mal schön :-))) Union wird immer normaler, um es mal positiv auszudrücken.

  7. 4.

    "Ist" gegen " West" ,ich kann diesen Mist einfach nicht mehr hören.
    Ich komme selbst aus Sachsen und wohne seit über 10 Jahren in Rudow.
    Ich bin Herthafan, aber deswegen kein Uniongasser.
    Die Leute sollten endlich mal mit dem ganzen abgegrenzte aufhören. Die Mauer gibt es seit fast 30 Jahren nicht mehr, und das ist auch gut so.

  8. 3.

    Die Fans und die Berliner sind noch nicht so weit. Dieses Spiel am 09. November wäre voller Emotionen! Auf der einen Seite die Fans aus dem Ostteil, die ihren ganzen Frust der Einheit ausleben und auf der anderen Seite die ehem. Westberliner die sich heute im geeinten Berlin so unglaublich unwohl fühlen. Das endet ggf. in Fantumulte. Das will niemand. Wie brisant das Thema ist erkennt man ja im Kommentar von " Zobel.. "der den Präsidenten von Union mit MFS vergleicht.

  9. 2.

    Solch ein Ost gegen West als „Demo-Spiel“ am 9. November ist Schwachsinn und unterstreicht mehr die Teilung als dass es eine gemeinsame Fußballstadt unterstreicht. Zumal noch zu bedenken gilt, dass Fußball ein sehr emotionsgeladenes Fanverhalten mitbringt, dass in sich schon einen Klassenkampf birgt, gerade in Berlin. Das sollte man nicht noch fördernd aufbauen.

  10. 1.

    Nein wir spielen nicht auf Deutsche Einheit.Das sehe ich auch so.Hier spielt Ost gegen West und wenn Union gewinnt dann ist das auch ein Sieg der ehemaligen DDR ,oder Herr MFS Kader Zingler.War nur ein Scherz.Die Spieler sind da völlig emotionslos was den 9.November betrifft.Bei den Fans wäre es vor Ihrer Aussage vermutlich auch kein Problem gewesen,Ein Problem haben einzig Sie wie es scheint.

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