Trainer Claus-Dieter Wollitz (Energie Cottbus) (Quelle: imago/Werner Scholz)
rbb um6 | 03.06.2019 | 18 Uhr | Torsten Michels | Bild: imago/Werner Scholz

Verein steckt Budget für die Regionalliga ab - Claus-Dieter Wollitz bleibt Energie Cottbus erhalten

Gut zweieinhalb Wochen nach dem Abstieg in die Regionalliga erwacht Energie Cottbus aus der Schockstarre. Der Klub aus der Lausitz hat am Montag erste Entscheidungen getroffen. Doch es bleiben noch viele Fragen. Von Andreas Friebel.

Immerhin, die wichtigste Personalie haben sie unter Dach und Fach gebracht. Claus-Dieter Wollitz bleibt Trainer in Cottbus. Er hatte zwar ohnehin einen Vertrag, bleiben wollte er aber nur, wenn ihm ein Spielerbudget zur Verfügung gestellt wird, mit dem er um den Aufstieg mitspielen kann.

Das hat ihm nun Präsident Werner Fahle versprochen. "Wir haben heute drei Stunden zusammengesessen. Und arbeiten jetzt mit Hochdruck am neuen Kader", sagte Fahle am Montag dem rbb.

Schon am Nachmittag konnte Wollitz deshalb erste Gespräche mit möglichen Neuzugängen führen. Allerdings klafft im Spieleretat noch eine Lücke von mehreren hunderttausend Euro. Diese sollen unter anderem mit deutlichen Sparmaßnahmen geschlossen werden.

Statt 30 Spielern, soll es in der neuen Saison nur noch 22 Profis geben, die unter Vertrag stehen. Klar ist auch, dass nach dem Abstieg alle mit teils deutlichen Gehaltseinbußen leben müssen. Außerdem werden im Trainer- und Betreuerstab Stellen gestrichen. Parallel dazu laufen Gespräche mit Sponsoren, um zumindest ein wenig das Wegbrechen von 1,5 Millionen Euro an Fernsehgeldern auszugleichen. 

Cottbus wird nicht von Lizenzentzug profitieren

Seit Montag steht ebenfalls fest, dass alle Klubs, die sich sportlich für die Drittliga-Saison 2019/20 qualifiziert haben, die Zulassung erhalten. Das gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) per Pressemitteilung bekannt. Somit spielen die Lausitzer nun endgültig in der Regionalliga. 

Cottbus muss also kreativ werden, plant etwa ein Benefizkonzert. "Das wird im August im Spreeauen-Park stattfinden. Da hoffen wir auf viele Besucher und Unterstützer", so Fahle. Eine weitere Unterstützeraktion wurde bereits gut angenommen. Für das virtuelle Benefizspiel im kommenden Jahr sind inzwischen 5.000 Karten verkauft. Dass diese Begegnung nie stattfinden wird, schreckt offenbar nicht ab. "Wenn wir 20.000 Tickets verkaufen würden, hätten wir unsere Lücke schon fast geschlossen“, sagt Werner Fahle.

Archivbild: Werner Fahle, Präsident des FC Energie Cottbus (Quelle: imago/Steffen Beyer)
Energie-Cottbus-Präsident Werner Fahle | Bild: imago/Steffen Beyer

Was passiert mit dem Stadion der Freundschaft?

Und auch das größte Problem, das Energie seit Jahren mit sich herumschleppt, soll jetzt intensiv angegangen werden: Das Stadion der Freundschaft, zu Bundesligazeiten gekauft und umgebaut, ist für Cottbus als Viertligist praktisch nicht mehr finanzierbar.

Über eine Million Euro kostet es pro Jahr. Deshalb soll nun die Stadt helfen. "Wenn ich nach Jena oder Kiel schaue - dass dort mit Hilfe von Land und Kommunen Stadien saniert oder neu gebaut werden - dann muss das auch in Cottbus und Brandenburg möglich sein", sagt Fahle. Sein Wunsch: Die Stadt zahlt jährlich einen Investitions- und Unterhaltszuschuss von 500.000 Euro.

Bis zu einer Entscheidung durch die Stadt Cottbus dürften aber noch Monate vergehen. So lange will Energie mit der Zusammenstellung des Kaders nicht mehr warten. Schon in knapp zwei Wochen soll der Kern der neuen Mannschaft stehen. "Wir wollen auf der Mitgliederversammlung am 14. Juni einen Großteil des Teams unter Vertrag haben", kündigt Fahle an.

Denn um diesen Termin herum soll auch der Trainingsstart in Cottbus sein. Aus dem Abstiegskader haben nur sieben Spieler einen Vertrag für die Regionalliga. Bis auf wenige Ausnahmen dürfte darüber hinaus niemand zu halten sein. Aber Claus-Dieter Wollitz hat ja schon einmal gezeigt, dass er in der Lage ist, eine neue Mannschaft aufzubauen. 2016 war er in einer äußerst ähnlichen Situation und führte Cottbus 2018 dann in die dritte Liga.

Sendung: rbbUM6, 03.06.2019, 18:00 Uhr

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9 Kommentare

  1. 9.

    Das es bei Energie Cottbus ein Loch im geplanten Etat gibt, kann man aus den Medien entnehmen. Nun ja, dann muss halt der Verein einsparen, die Kosten senken und sich mit der Regionalliga abfinden. Die Finanzlage wird garantiert nicht besser werden zumal die Kohleverstromung bald der Vergangenheit angehören wird und die Unternehmen sich umorientieren werden. Wenn das Stadion zu teuer und zu groß ist, dann muss es zurückgebaut werden. Vielleicht sollte sich dieser Verein eingestehen, dass mehr als die Regionalliga auf Dauer nicht mehr möglich sein wird. Auch wenn jetzt noch einige Tausend Karten für ein fiktives Spiel verkauft werden sollten.

    Das hat mit Neid bzw. Hass nichts zu tun. Das sind nun mal die Fakten.

  2. 8.

    Woher kommt dieser Hass? Oder ist es nur Neid?
    Wir stehen wieder auf, ob es ein Aufstieg wird, werden wir sehen.

  3. 7.

    Und jetzt jammert Energie Cottbus rum, weil das Stadion soviel kostet und will 500.000€! von der Stadt Cottbus haben. Pro Jahr! Die spinnen ja, um den Wiederaufstieg spielen wollen, aber kein Geld haben. Jetzt bei der Stadt betteln gehen.

    Vielleicht sollte Energie Cottbus das Stadion zurückbauen und in Zukunft kleinere Brötchen backen. Nämlich Regionalliga, höchstens.

  4. 6.

    Eigentlich hat Pele auf eine Entlassung gehofft. Mit dem weitergezahlten Tantiemen hätte er die Zeit bis zum den nächsten Vertrag locker ausgesessen. Lust auf einen Neuaufbau für die 4. Liga hat er sicher nicht, sonst wäre er in letzten zwei Wochen als sportlich Verantwortlicher nicht tatenlos geblieben. Wir werden uns auf viel Nörgelei in Hinblick auf "fehlenden Rückenhalt und zu wenig Geld" einstellen müssen. Ein neuer Trainer wäre besser gewesen, schließlich haben wir im Verein mit Sebastian Abt auch einen Aufstiegstrainer.

  5. 5.

    Ich ziehe den Hut und verneige mich ganz tief vor ihm für diese Entscheidung.

  6. 4.

    Danke an Pelé.
    Wie kein anderer Trainer vor ihm hat er über mehrere Jahre bewiesen, dass er Cottbus liebt und lebt.
    Viel Kraft für den nächsten Neuanfang.
    Leidenschaft und Treue werden siegen.

  7. 3.

    Eigentlich müsste Energie Cottbus auf Bayern München jetzt einen riesigen Hass haben. Hätten die nicht dieses "Retterspiel" gegen den 1. Fc Kaiserslautern ausgerichtet, wäre der 1. FC Kaiserslautern und nicht Energie Cottbus in die Regionalliga abgestiegen. Des Einen Freud' ist auch hier mal wieder des Anderen Leid.

  8. 2.

    Wo soll denn Wollitz auch hin? Den will bestimmt kein anderer Verein mehr haben.

  9. 1.

    Holt doch endlich den Stasi-Ede wieder und Energie Cottbus spielt in wenigen Jahren wieder in der Bundesliga.

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