Fans von Hertha BSC im Olympiastadion am 21.1.2018. (Quelle: dpa/Jens Büttner)
Bild: dpa/Jens Büttner

Reaktionen auf Herthas Millionendeal - "Nur ein Fähnchen im Windhorst"

Von dem 125 Millionen Euro schweren Deal mit Investor Lars Windhorst erhofft sich Hertha BSC einen großen Schritt nach vorn. Die Fans des Bundesligisten sind sich nicht einig, wie sie das finden sollen und bewegen sich zwischen Euphorie, Fatalismus und Humor.

Es klingt im Grunde wunderbar für Hertha BSC. Ein Investor erscheint am Horizont und überweist dem im Mittelmaß der Bundesliga gefangenen Klub 125 Millionen Euro. Verbunden mit der Aussicht, dass es alsbald noch etwas mehr werden kann. Die Gegenleistung: Bis zu 49,9 Prozent der Anteile an der Profiabteilung und zwei Sitze im Aufsichtsrat. Aus der grauen Maus soll so ein "Big City Club" werden und ein Stammgast in den internationalen Wettbewerben. Entsprechend euphorisch sind die Verantwortlichen bei Hertha BSC. Sie feiern den Deal einstimmig als "Meilenstein".

Die gemeine Fan-Seele allerdings hadert traditionell mit solchen Geschäften, die wenig Raum für fußballromantische Gedanken lassen. So herrscht auch unter Herthas Anhängern in erster Linie Skepsis über den Deal, der dem Klub ganz neue Möglichkeiten eröffnen soll. 

Einige Fans begrüßen den millionenschweren Einstieg von "Tennor" uneingeschränkt und freuen sich auf eine hohe sportliche Rendite, andere lehnen ihn schlichtweg ab und fürchten einen Pakt mit dem Teufel. Wieder andere fragen sich, welchen Haken es wohl geben mag.

Vor allem stören sich die kritischen Geister unter den Hertha-Fans an der Biographie des Investors. Denn hinter "Tennor" steht mit Lars Windhorst ein Unternehmer mit lädiertem Ruf. In den 90er Jahren galt Windhorst als "Wunderkind" der deutschen Wirtschaft und gehörte als 18-Jähriger sogar zur Delegation, die den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl auf einen Staatsbesuch nach Vietnam begleiten durfte. Danach häuften sich die Probleme, 2003 musste Windhorst sogar Privatinsolvenz anmelden und wurde später zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt, weil er rund eine Million Euro veruntreut hatte.

Ist Herthas Deal der richtige Schritt?

Ein Deal mit dem Investor Lars Windhorst beschert Hertha BSC einen Geldregen. Für knapp die Hälfte der Anteile an Herthas Profiabteilung könnten mehr als 200 Millionen Euro in die Kassen des Bundesligisten fließen. Für die einen ist dieses Geschäft ein Pakt mit dem Teufel, für andere der Grundstein einer vielversprechenden Zukunft. Was meinen Sie?

Welchen Effekt die Finanzspritze tatsächlich haben wird, ist noch völlig unklar. Natürlich wird Hertha auf dem Transfermarkt offensiver als bislang auftreten und sich strukturell weiterentwickeln können.  Andererseits sind die Abstände zwischen den verschiedenen Segmenten in der Bundesliga groß. Schwerreiche Vereine wie der FC Bayern München oder Borussia Dortmund sind Hertha auf absehbare Zeit enteilt. RB Leipzig, der VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen haben riesige Konzerne im Rücken, und auch Borussia Mönchengladbach, die TSG Hoffenheim oder Schalke 04 sind durchaus finanzkräftig unterwegs. 

Da bleibt zu recht die Frage, ob 125 Millionen Euro reichen werden, um im Gefüge der Bundesliga spürbar aufrutschen zu können. 

Sendung: Inforadio, 27.06.2019, 16:15 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Der Investor ist das Hartz 4 der arbeitsscheuen Vereine.

  2. 4.

    Das " frische " Geld ist im neuen Stadion in Ludwigsfelde gut angelegt.

  3. 3.

    "Man darf wohl begründete Zweifel an der Seriosität von Herrn Windhorst haben."
    Wieso und wozu? Um die Situation künstlich negativ aufzuladen? Ein Investor ist ein Investor - ob nun KKR oder Hr. W. spielt nun echt keine Rolle, solange es nicht die Mafia oder eine sonstige Illegale oder moralisch anzuzweifelnde Organisation ist.

    Ich kann nicht viel an den USA leiden, aber zumindest sehen sie auch mal Chancen in Situationen.

    Dieses zwanghafte Berliner Investoren-Bashing geht mir total auf den Sack. Jeder will Geld haben, aber keiner darf es verdienen oder bringen, ist einfach unlogisch. Macht mal Eure Köpfe auf.

  4. 2.

    Was bekommt man denn konkret als Gegenleistung, wenn einem dann fast die Hälfte der Profiabteilung gehört?

    Ist die Zahlung einer Summe etwa in Höhe eines Jahresumsatzes von Hertha BSC dem angemessen?

    Was kann man sich dafür kaufen? Zwei richtig gute Spieler? Ein halbes neues Stadion?

    Wenn ich das richtig sehe, besteht bei Hertha der Aufsichtsrat aus fünf Personen.
    Wenn man nun zwei Aufsichtsratplätze infolge des Deals abgibt, muss die Tennor Holding also nur ein weiteres Aufsichtsratmitglied überzeugen, um eventuelle unliebsame Entscheidungen durchzusetzen.
    Worüber genau entscheidet bei Hertha der Aufsichtsrat denn so im Allgemeinen?

    Gibt es für Hertha bei dieser Liaison eine Ausstiegsklausel?

    Mir stellen sich in dieser Sache so viele Fragen...
    Es würde mich freuen, wenn der rbb da noch weiter recherchiert, was dieser Deal in der Realität dann konkret für beide beteiligten Seiten bedeuten wird.

  5. 1.

    Na hoffen wir mal für Hertha, dass das nicht nach hinten losgeht. Man darf wohl begründete Zweifel an der Seriosität von Herrn Windhorst haben. Vielleicht hätte man zuvor auch mal bei 1860 München nachfragen können, die sind trotz ihres tollen Investors bis in die Regionalliga abgestiegen und werden den einfach nicht mehr los.

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