Füchse-Trainer Velimir Petkovic winkt ins Publikum. Quelle: imago/pmk
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Video: rbb um6 | 08.06.2019 | 18 Uhr | Torsten Michels | Bild: imago/pmk

Portrait | Füchse-Trainer Velimir Petković - Der Freund an der Seitenlinie

Seit bald vier Jahren ist Velimir Petković Trainer der Füchse Berlin. Er prägt eine durchaus erfolgreiche Zeit der Berliner Handballer. Dabei wirkt er erfolgsbesessen und ehrgeizig. Doch hinter der strengen Fassade versteckt sich ein freundliches Gesicht.

Die Arbeitstage von Velimir Petković, Trainer der Füchse Berlin, sind lang. Bereits um 8 Uhr morgens trifft er in Füchse-Town, dem Trainingszentrum der Berliner, in Hohenschönhausen ein - und tritt nicht selten erst spätabends den Heimweg nach Schöneberg an. Für Petković geht es an solchen Tagen zehn Stunden lang ausschließlich um Handball.

Zum einen lohnt es sich für ihn nicht in der Mittagspause eine Stunde lang durch den schleppenden Berliner Verkehr nach Hause zu fahren. Zum anderen möchte der Trainer jede freie Minute für Videoanalysen und individuelle Spielergespräche nutzen. "Es ist schwer, bei mir einen Tag ohne Handball zu finden", erklärt er mit einem verschmitzten Lächeln.

Emotional an der Seitenlinie

Auf den ersten Eindruck wirkt Velimir Petković ehrgeizig und erfolgsbesessen. "Wenn ein Spiel oder das Training läuft, ist er mit 100 Prozent dabei. Er will alles tun, um erfolgreich zu sein", beschreibt Füchse-Routinier Hans Lindberg seinen Trainer. Lautstark sind Petkovićs Anweisungen am Seitenrand, emotional seine Pausen-Ansprachen.

"Petko appelliert sehr viel an die Ehre und an das Herz", erkennt auch Torwart Silvio Heinevetter. Und ergänzt: "Das macht er sehr gut".

Tatsächlich scheint Petkovićs emotionale Art an der Seitenlinie erfolgreich zu sein. Gleich drei Mal gewann er den EHF-Pokal in seiner Trainerkarriere - 2018 mit den Füchsen. 2005 wurde er zudem als Trainer der Saison ausgezeichnet.

"Normalerweise können wir um die ersten drei Plätze mitspielen"

In dieser Spielzeit muss der gebürtige Jugoslawe, der seit bald vier Jahren bei den Füchsen ist, mit seiner Mannschaft allerdings immer noch um den Einzug in den EHF-Pokal zittern. Zwar befinden sich die Berliner vor dem letzten Spiel am kommenden Sonntag gegen die HSG Wetzlar (15:00 Uhr, Max-Schmeling-Halle) auf dem sechsten und damit auf einem internationalen Tabellenplatz, das Spiel gegen den Tabellenzehnten wird allerdings kein leichtes.

Viele Experten hatten die Berliner in dieser Saison stärker eingeschätzt. Immer wieder sahen sich die Füchse und ihr Trainer daher der Kritik ausgesetzt. "Viele sind kritisch mit uns und dem Verlauf der Saison", weiß auch Petković. "Die Leute vergessen dabei, mit welchen Problemen wir zu kämpfen hatten", findet er. Tatsächlich hatten die Füchse in dieser Saison immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Zeitweise fehlten neun Stammspieler im Aufgebot. Petković schaffte es trotzdem mit Nachwuchsspielern an die Spitzengruppe der Handball-Bundesliga Anschluss zu halten. Doch ein wenig kann auch er die kritischen Stimmen in dieser Saison verstehen: "Mit dem Kader und der Mannschaft, die wir haben, können wir normalerweise um die ersten drei Plätze mitspielen", sagt Petković.

"Ich versuche ein Freund zu sein"

Da kommt er wieder zum Vorschein, der Ehrgeiz, der den seit langem in Deutschland lebenden Petković antreibt. Doch ist der 62-Jährige, der mittlerweile auch in Berlin heimisch geworden ist und nach seinem Karriereende in der Hauptstadt wohnen bleiben will, wirklich so erfolgsbesessen? Auf den zweiten Blick erkennt man, dass sein Ehrgeiz nur selten verbissen ist. Und auch seine Spieler bestätigen diesen Eindruck. "Er ist ganz ruhig, man kann sich mit ihm über alles unterhalten", beschreibt Hans Lindberg seinen Trainer abseits des Feldes. 

Der Coach wirkt entspannt, wenn er nicht an der Seitenlinie steht, scherzt mit seinen Schützlingen. "Ich biete für jedes persönliche Problem der Spieler meine Hilfe an. Ich versuche ein Freund für sie zu sein", erklärt Petković. "Ich glaube, meine Spieler wissen das zu schätzen und geben es mir auf dem Feld zurück". Wenn es nach ihm geht, soll es auch über seine bisherige Vertragslaufzeit hinaus so weitergehen. "Ich will auch 2021 Trainer der Füchse sein. Die Arbeit macht mir Spaß, wir funktionieren gut zusammen", so der Trainer. Sollte Füchse-Manager Bob Hanning diesen Eindruck teilen, dürfte es für Velimir Petković auch weiterhin schwer bleiben, einen Tag ohne Handball zu finden.

Sendung: rbbUM6, 08.06.19, 18:00 Uhr

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