Uwe Kliemann im Dress von Eintrach Braunschweig. (Quelle: imago/Rust)
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Interview | Uwe Kliemann wird 70 - "Wenn ich mit meinem Enkel spiele, verliere ich auch gerne"

Die Hertha-Fans liebten ihn, eine Zeitung taufte ihn den "Funkturm" von Berlin. Uwe Kliemann war nicht nur beinharter Verteidiger, sondern ist bis heute meinungsstark und direkt. Über seinen Ehrgeiz, seinen ungewöhnlichen Spitznamen und Trump, "die Pfeife", sprach er mit rbb|24

Uwe Kliemann spielte zwischen 1974 und 1980 sechs Jahre lang für Hertha BSC. Der gebürtige Berliner erlebte in der Hauptstadt die erfolgreichsten Jahre seiner Karriere. In der Saison 1974/1975 wurde er mit den Blau-Weißen deutscher Vizemeister. Weitere Profistationen Kliemanns: Rot-Weiß Oberhausen, Eintracht Frankfurt und Arminia Bielefeld. Aufgrund seiner körperlichen Robustheit und Größe nannte man ihn an der Spree den "Funkturm". Nach Tätigkeiten als Trainer und Scout ist Uwe Kliemann heute glücklicher Rentner.

rbb|24: Herr Kliemann, wie geht es Ihnen? So richtig viel hat man von Ihnen in letzter Zeit ja nicht gehört…

Uwe Kliemann: Na, das ist doch normal. Wenn Fußballer älter werden, dann liest man nicht mehr so viel über sie. Mir geht es soweit  gut. Natürlich habe ich ab und zu mal ein paar Problemchen mit den Knochen. Dafür hat man ja auch lange genug den gesunden Sport Fußball ausgeübt. (lacht)

Sie werden heute 70 Jahre alt: Wie verbringen Sie denn Ihren Geburtstag?

Pläne hab ich eigentlich nicht. Wir werden sicherlich zuhause sein und dann irgendwo Essen gehen. Für mich sind Geburtstage sowieso nicht wirklich etwas zum Feiern. Ich sage mir jetzt auch: Schade, dass ich 70 werde. Das ist ja irgendwie auch ein Schritt näher an den Abgrund. (lacht)

Ihre aktive Zeit bei Hertha war durchaus erfolgreich. Die Vize-Meisterschaft 1975 ist immer noch die beste Bundesliga-Platzierung in der blau-weißen Vereinsgeschichte. Was haben Sie für Erinnerungen an diese Zeit und an die Mannschaft?

Das Jahr 1974/1975 war einfach super. Ich bin aus Frankfurt zurückgekommen, hatte zwei Jahre in Oberhausen Bundesliga gespielt. Und im Anschluss dann in Frankfurt mit Leuten wie Jürgen Grabowsky, Bernd Hölzenbein und Co in einer Mannschaft gekickt. Das waren natürlich großartige Spieler. 1974 bin ich dann nach Berlin gewechselt. Hertha hatte in den Jahren zuvor unter dem großen Wettskandal gelitten. Spieler hatten Geld angenommen, um ein Spiel zu verlieren. Dadurch hatte man sehr viele Zuschauer verjagt, die wir in der Saison 74/75 peu à peu zurückholten. Wir haben ganz lang oben mitgespielt und hatten einen Zuschauerschnitt von 36.000. Das hört sich in heutigen Zeiten jetzt nicht so dramatisch viel an. Aber für damalige Verhältnisse war das gut. Wir hatten eine Bomben-Vorrunde. Aber wie so oft in Berlin war die Rückrunde nicht mehr so gut. Daher sind wir nur Vizemeister geworden, Gladbach eben dann Meister.  

Sie haben die Fans angesprochen, bei denen waren Sie sehr beliebt. Sie hatten damals den Spitznamen "Funkturm". Wie finden Sie den denn?

Als ich als Berliner aus Frankfurt in die Heimat zurückkehrte, da taufte mich irgendeine Zeitung den "Funkturm" aus Berlin. Ich war quasi der zurückkehrende Funkturm. Das hat sich aber nur in der Presse gehalten, bei persönlichen Treffen hat mich niemand "Funkturm" genannt.

Damals erzählte man sich, Sie könnten nur sehr schlecht verlieren. Ist das heute auch noch so?

Na gut, langsam kommt die Altersmilde. Ich glaube jeder gute Fußballer oder Sportler will gewinnen. Der macht keinen Sport, um im 100-Meter-Rennen Letzter zu werden. Der macht ihn, weil er Ehrgeiz hat. Es gibt dann sicherlich Spieler im Fußball, die besonders ehrgeizig sind - da habe ich mit Sicherheit dazugehört. Ich war auch auf dem Platz nie der Ruhigste. Aber das hat sich heute ein bisschen verändert: Wenn ich mit meinem Enkel im Garten spiele, dann verliere ich auch schon mal gerne.  

Verfolgen Sie denn die aktuelle Entwicklung bei Ihrer Hertha?

Ich gehe nicht mehr ins Stadion. Die Ergebnisse schaue ich mir schon an. Aber dass ich da jetzt Fan wäre, kann ich nicht sagen.  

Wie ist denn ihre Meinung zu dem neuesten Investoren-Deal?

In meinen etwas jüngeren Jahren wurde Herr Windhorst hochgejubelt. Da war der 18 Jahre alt. Als er mit Kohl nach Asien geflogen ist beispielsweise, galt er als das Wunderkind der deutschen Wirtschaft. Dann ist er ein paar Mal auf die Schnauze gefallen. Ich sage es mal so: Wenn so eine Pfeife wie Trump Präsident der USA werden kann, der ja auch nicht nur Erfolg hatte, wie er immer allen erzählt, dann kann Windhorst das auch.

Wie verbringt denn der Rentner Uwe Kliemann seinen Alltag, wenn er nicht gerade Geburtstag hat?

Ich wohne in Hohen Neuendorf, an der Stadtgrenze zu Frohnau. Wir haben einen Garten, da ist immer etwas zu tun. Ich gehe auch ab und zu zum Jugendfußball, aber nicht mehr beruflich. Da ist mir der Aufwand zu groß. Jetzt kann ich mir am Wochenende aussuchen, ob ich gehe oder nicht -einfach mal sagen: "Nö, heute ist mir zu warm oder zu kalt. Ich bleibe Zuhause." Ansonsten treffe ich natürlich immer gerne meine Freunde und bin auch ein bisschen am Computer.

Das Interview führte Simon Wenzel.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Den mochte ich, ehrlicher Fußballarbeiter.

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