Die Hertha - aufgenommen Ende 2017. / imago/Matthias Koch
Bild: imago/Matthias Koch

Interview | Gründungsschiff von Hertha BSC - "Der Umbau kann ein richtig schönes Fanprojekt werden"

Die Hertha, Gründungsschiff des Bundesligisten, steht in der Werft, statt über die Gewässer zu schippern. Es geht weiter nur schleppend voran mit der Sanierung. rbb|24 hat am Tag der Seefahrer bei Hertha-Präsidiumsmitglied Ingmar Pering nach dem neuesten Stand gefragt.

rbb|24: Vielen Fans von Hertha BSC wird die Geschichte der Hertha, des Gründungsschiffs des Vereins, bekannt sein. Vielleicht können Sie die komplexe Historie für alle anderen nochmal kurz zusammenfassen.

Ingmar Pering: (lacht) Kurz ist bei einer so langen Geschichte natürlich schwierig. Das Schiff soll die beiden Gründungsväter von Hertha BSC im Jahr 1892 zur Namensgebung ihres Vereins angeregt haben - es hieß auch damals schon Hertha. Demnach haben die beiden auf dem Schiff eine nette Dampferfahrt gemacht und ihnen ist der Gedanke gekommen, ihren Fußballverein Hertha zu nennen. Danach hat die Hertha eine sehr bewegte Geschichte gehabt, durch die DDR-Zeit hindurch, ist mehrfach umgebaut worden - teilweise nicht ideal. Zwischendurch war das Schiff auch unter den Namen "Seebär" und "Seid Bereit" unterwegs. Dann haben Schiffshistoriker herausgefunden, dass dieses Schiff die besagte Hertha ist und deshalb wurde es wieder nach seinem Ursprungsnamen benannt.

Ingmar Pering winkt von der Hertha. Quelle: imago/Matthias Koch
Ingmar Pering grüßt von der Hertha. | Bild: imago/Matthias Koch

In den letzten aktiven Jahren war das Schiff hauptsächlich auf der Kyritzer Seenkette in Brandenburg unterwegs. 2016 wurde die Hertha dann mit Ihrer Hilfe gekauft, 2017 nach Berlin geholt. Wie geht es mit der Hertha weiter?

Wir haben das Schiff vor Kurzem in die Malz-Werft nach Oranienburg geholt, um es wieder betriebsbereit zu machen. Man soll dann ganz normal mit der Hertha fahren können - das ist der Plan und das Ziel.

Gibt es dabei einen genaueren Zeitrahmen?

Für dieses Jahr gibt es den nicht. Das ist dem Umstand geschuldet, dass wir nur verspätet nach Oranienburg fahren konnten. Eigentlich wollten wir schon Ende März aufbrechen, jetzt ist es bereits Juni. Dadurch ist unser ganzes Zeitgefüge für dieses Jahr erneut durcheinander gebracht worden. Wir müssen jetzt abwarten und sehen, wie die Kapazitäten in der Werft sind. Wann dort an der Hertha gearbeitet werden kann und wann wir Termine für beispielsweise eine Vermessung des Schiffs oder eine Rumpfuntersuchung finden können. Durch die Verspätungen kann dem einen Schritt nicht immer zeitgleich der nächste folgen.

Zur Rückholung der Hertha haben Sie damals Aktien an die Fans verkauft. Wie wird die Restaurierung jetzt finanziert - reicht das Geld auch für die Instandsetzung?

Wir werden sicherlich für den Umbau noch ein paar Euro mehr brauchen. Wir hatten damals vor, 1892 Aktien zu verkaufen - das ist uns leider nicht gelungen. Damals war das ganze vielleicht ein bisschen zu abstraktes Thema. Heute ist Hertha BSC viel anschaubarer und präsenter. Wir werden noch über Werbung am Schiff einiges an Geld akquirieren. Im Moment gehen wir außerdem davon aus, dass die Kosten nicht allzu hoch sein werden. Wir können gut beurteilen, was das Schiff schon kann und wo noch Handlungsbedarf besteht. Wenn Sie an einem alten Schiff arbeiten, können Sie aber nie genau prognostizieren, wie lange Maßnahmen dauern.

Sie haben bereits angesprochen, dass Sie immer wieder mit Verzögerungen zu kämpfen hatten. Was ist dennoch Ihre persönliche Motivation, das Projekt weiterhin voranzutreiben?

Uns hält am Ball, dass die Hertha ja ein sehr schönes Projekt ist, das es uns sehr viel Freude macht und wir auch sehr viel positives Feedback von Fans und unseren Gesellschaftern bekommen. Da brauche ich gar nicht so viel Außenmotivation. Viele Fans wollen mit Hand anlegen, das Projekt weiter vorantreiben. Es wird also bald auch Projekte geben, bei den Fans aktiv mithelfen können. Wir wollen zeigen, dass der Umbau ein richtig schönes Fanprojekt werden kann.

Ihr Stadtrivale Union Berlin hat den Bundesliga-Aufstieg vor Kurzem im heimischen Bezirk Köpenick auf der Spree gefeiert. Wo soll die Hertha heimisch werden?

Wir werden dahin fahren, wo unsere Aktionäre hinwollen. Wir beschränken uns da nicht nur auf ein Gewässer, sondern die Hertha wird auf diversen Flüssen und Kanälen in Berlin und Brandenburg zum Einsatz kommen. Uns limitiert allerdings unsere Höhe des Schiffs, unter einigen Brücken können wir nicht herfahren. An dieser Stelle auch nochmal herzlichen Glückwunsch nach Köpenick. Vielleicht hat Union ja eines Tages auch mal ein historisches Schiff, so wie es die Hertha hat. (schmunzelt)

Werden denn auch Fans anderer Vereine auf dem Schiff willkommen sein?

Erstmal ist es so, dass vor allem die Fans auf dem Schiff fahren sollen, die dafür gesorgt haben, dass es überhaupt wieder fährt. Ich bin - wie bereits gesagt - immer vorsichtig, den zweiten Schritt vor dem ersten zu gehen. Es gilt, jetzt erstmal die Hertha zum Fahren zu bringen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jonas Bürgener für rbb|24.

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Apropos Schiff:
    Schon seit 14 Jahren in Berlin unterwegs, wenn auch "nur"von 1935, dafür aber kontinuierlich gepflegt:
    https://www.eddyline.de/images/victoria_gr.jpg

  2. 10.

    Mal bei Lars Windhorst abklopfen! Der hat bestimmt noch ein paar Euro übrig.

  3. 9.

    Ich schiebe mal Ihr Geschwurbel auf die Hitze. Ansonsten, wenn Sie nichts mit Fußball am Hut haben, dann ignorieren Sie doch Berichte zu Fußballvereinen. Ich als bekennender Musicalbanause lese ja auch nicht im Kulturteil die Kritik zu einer Inszenierung, die ich eh nicht anschauen werde und rege mich darüber auf, dass der rbb darüber berichtet.

  4. 8.

    Wozu benötigt Union ein eigenes Schiff?
    Seit Jahren gibt es eine innige Zusammenarbeit mit der Eddyline, des leider viel zu früh verstorbenen eiseren Urgesteins Eddy. Die "Victoria" und die "Helgard" fahren seit 2005 in rot-weiß mit dem Union-Logo über die Gewässer der berliner Innenstadt und Umgebung. Alle wichtigen Fahrten mit Fans und sogar Gästefanprojekten sowie Fahrten mit Sponsoren oder den Spielern zur Aufstiegsparty, aber auch Präsentationen zu neuen Union-Musik-Videos, finden Jahr für Jahr auf diesen Schiffen statt. Regelmäßig gibt es gesellige Touren aus der Innenstadt zu den Punktspielen nach Köpenick statt. Was will mann mehr?
    Wieder einmal war Union Vorreiter. Ein hoch auf Uns!
    u.n.v.e.u.

  5. 7.

    @Marcus2 stimmt, ist war...darum scheinst da nicht richtig gelesen zu haben!

    Yenz, auch du hast das wohl eher falsch verstanden! Denn ich habe mit Fußball so rein gar nix am Hut! Mich nervt nur einfach dieses Gemache vom Verein...das ständige ich will das, ich will dies...Aber bitte andere dafür "bluten" lassen. Verstehe auch nicht, wieso ihr ständig auf Union herumtrampel. Der Hinweis mit den Steinen und den Fans die für den Verein da waren, sind Fakten! Und wenn man Bildern trauen darf, war ja selber nicht dabei, waren es nicht nur 2...oder 3.

    Aber ich habe schon beim schreiben gedacht, das wird sicher wieder miss verstanden...und tara, wurde promt bestätigt.

    Und jaaa der RBB ist oft und viel in Sachen Sport unterwegs. Das bestreitet auch keiner!

    Für mich ist das eben nichts weiter als eine völlig sinnfreie "Nachricht". Und wenn es darum geht, gibt es wichtigeres in Berlin UND Brandenburg.

    Ach und Andre, das ist das Problem (aber ein generelles), denn nicht die Marke muss oder sollte glänzen, sondern der gesamte Verein.

  6. 6.

    Wo wird denn gejammert? Der Kommentar von "Berliner" war lediglich eine Reaktion auf das Gejammer vom ersten Kommentar, in welchem darüber gejammert wird, dass dieser Artikel existiert.
    Und wenn du nicht merkst, dass sich die alte Dame verändert - genauso wie die Stadt an sich - dann hast du es nur nicht mitbekommen.
    Verschwörungstheorien sind es eher, hier dem rbb eine Hertha-Werbeaktion vorzuwerfen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass in den letzten Wochen sehr breit über Union berichtet wurde.

  7. 5.

    Was tatsächlich nervt, sind eure Verschwörungstheorien.
    Diese große Stadt wächst und verändert sich ständig. Nur die alte Dame nicht. Nehmt euer Schicksal in die eigenen Hände. Sorgt dafür, daß die Marke wieder attraktiver wird und wieder mehr Menschen kommen.
    Aber hört endlich auf zu Jammern !!!

  8. 4.

    Ohhhh, der rbb erinnert mal aus versehen an Hertha BSC und berichtet über den Verein....
    Was dieses "Union ist heilig - Hertha ist Mist" Gesülze wieder soll verstehe ich echt nicht - immer und immer wieder solche Attacken. Was hat man Euch nur angetan?! Es nervt echt langsam........

  9. 3.

    Schon ziemlich peinlich, wenn Frau Pering als Präsidiumsmitglied nicht mal die Gründungsgeschichte vom Verein wahrheitsgemäß wiedergeben kann.

  10. 2.

    Was wollen Sie uns sagen? Der rbb hat über Union und die Eisbären ausreichend berichtet. Und Hertha gehört (noch) ins Olympiastadion; bestreitet doch keiner. In dem Artikel geht es allerdings um das Schiff Hertha. Soll das Ihrer Meinung nach im Olympiastadion schwimmen?
    Na ja, es ist eben heiß...

  11. 1.

    Hmm...was ist das jetzt wieder für ne RBB-Werbeaktion??? Füllt der RBB jetzt schon das Sommerloch mit sowas?

    Mal ehrlich, ohne Fußballfan zu sein, kann ich mich noch dunkel daran erinnern, dass die Unioner Fan's selber Hand angelegt haben in ihr Stadion zu verbessern! Und wo bitte ist es abstrakt? Soweit ich weiß, wurden in Köpenick Steine verkauft und siehe da, die wahren Fan's kauften diese wohl auch in Massen. Das nenne ich Fankultur oder einfacher gesagt, wahre Fans!

    Ebenso wie kürzlich bei den Eisbären und deren Fanbogen...wieder nur Fans da gewesen... der RBB soweit ich weiß mal wieder nicht...

    So und nun...Wer hat die wahren Fan's an seiner Seite??? Mal ehrlich, RBB man kann es auch übertreiben. Die Hertha gehört zum und ins Olympiastadion-Punkt

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