08.04.2019, Schleswig-Holstein, Flensburg: Der Mehrheitsgesellschafter der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG), Lars Windhorst, spricht mit Journalisten (Quelle: dpa/ Molter)
Audio: Inforadio | 28.06.2019 | Guido Ringel | Bild: dpa/ Molter

Kommentar | Hertha-Deal - Von Lars Windhorst? Dem Lars Windhorst?

Bis zu 250 Millionen Euro. Kann Hertha mit so viel Geld auf einem Haufen überhaupt umgehen? Und was wenn das schief geht wie dereinst bei Tennis Borussia? Guido Ringel ringt spürbar nach Luft. Ein Kommentar

Hertha BSC verkauft fast die Hälfte seiner Anteile an den Finanzinvestor Lars Windhorst. Der Deal soll zunächst 125 Millionen Euro in die Kassen des Klubs bringen. Möglich ist eventuell sogar noch mehr, vielleicht sogar das Doppelte.

Seit ich denken kann, bin ich Hertha-Fan. Und genauso lange macht der Verein es mir verdammt schwer.

Jetzt wieder so ein "Ding", von dem ich gar nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Es ist auf jeden Fall – puh – schwer zu verdauen.

125 Millionen Euro, die gegebenfalls sogar auf 250 Millionen aufgestockt werden. Wow! Aber das Geld kommt von Lars Windhorst? Dem Lars Windhorst?

Der Mann steht nach x-Höhenflügen, aber fast genauso vielen Pleiten nicht gerade in der A-Liga des internationalen Finanz-Ratings.

Und abgesehen davon: Kann Hertha mit so viel Geld auf einem Haufen überhaupt umgehen? Ich wäre schon mit einem Lottogewinn komplett überfordert und würde viele Fehler machen. Wer sagt mir, dass das bei Hertha nicht ähnlich ablaufen wird?

Geld ist mittlerweile alles im Fußball, ja. Aber diese Abhängigkeit nervt.

Die Union-Fans sind neulich ausgeflippt, als der Verein eine Immobilien-Firma als Hauptsponsor ins Boot holte. Das habe ich verstanden. Jetzt verstehe ich es umso mehr, da genau diese Immobilien-Firma auch ein guter Partner von Windhorst gewesen ist. Das riecht alles nach Kungelei und unseriösen Geschäften.

Tennis Borussia und die Göttinger Gruppe: Das war auch mal so ein Gau in Berlin, der implodierte und den Verein beinahe ausradierte.

Hertha glaubt aber nicht nur an das Gute in einem Lars Windhorst, sondern auch an das Gute im Geld. Um jeden Preis - im wahren Sinne des Wortes. Das Geld verheißt vor allem eines: weg mit dem Stillstand. Schon lange wirbt Blau-Weiß ja mit dem Slogan "Die Zukunft gehört Berlin". Das soll jetzt auf solide Füße gestellt werden.

Kein Leo Messi oder Neymar logischerweise, aber Spieler mit Klasse sollen schon her. Doch auch hier ist ein Feingefühl gefragt, das man im Umgang mit so viel Geld eigentlich erstmal lernen muss.

Ein langsamer Weg bergauf wäre mir lieber gewesen. Der Geld-Regen macht mir Angst. Denn ist er zu stark, kann einen die Masse auch leicht erschlagen.

Beitrag von Guido Ringel

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5 Kommentare

  1. 5.

    gut, dass wir jetzt einen weiteren Erstligisten haben - da kann dann Hertha Pleite gehen wie Hertie, mit oder ohne Wind, oder Lars, oder so. Dann haben wir immer noch einen in der ersten Liga. Aber schade drum ist es allemal. Mensch, war das denn nötig? Aber das frage ich mich bei dem Stadion-Neubau ja auch, und bei jeder komischen Meldung dazu, wo auch immer der selbige entstehen soll...

  2. 4.

    Danke für die Anwort ,ja es ist jammerschade für viele Fans und leider ist eine Chance vertan die schmucke, geschichtsträchtige, geliebte Dame Hertha ohne diese neuen Luden den weg der Tugend gehen zu lassen.Sprich Nachwuchs integrieren, einen Trainer wie Dardai mit seinem Wissen-Können und seinen Tugenden wertzuschätzen,seriös mit Herzblut und Phantasie zu wachsen und eben ein Verein mit Tradition und Grundsätzen zu sein.

  3. 3.

    Ausgerechnet Windhorst! Warum nicht gleich Alexander Falk? ;-)

    Ich schlage als neuen Vereinsnamen „Hertha Windbeutel“ vor.

  4. 2.

    Ich gebe beiden Recht. Als langjähriger Anhänger bleibt einem erstmal die Spucke weg. Ja, es ist verlockend und ja, ohne viel Geld wird es auf absehbare Zeit nichts mit einem Platz unter den ersten Vieren der Liga. Dennoch war Hertha mit seinen Talenten auf einem guten Weg. Endlich kamen und kommen sie als wichtiger Teil der Mannschaft an und sind mehr als nur Mitläufer, wie in den vergangenen Jahren. Maier, Mittelstädt, Torunarigha, Palko Dardai etc. sollten das Fundament der Zukunft sein. Jetzt sehe ich diesen Weg in Frage gestellt. Kommen teure, fertige Spieler ist es erstmal aus mit der Integration der Jungen. Die werden dann schnell den Verein verlassen. Schade, ich hätte, wie so viele andere Fans in der Ostkurve, die Jungen beim zusammenwachsen zu einer erfolgreichen Truppe beobachtet. Man hätte ihnen Rückschläge und Formtiefs verziehen. Aber dazu kommt es wahrscheinlich jetzt nicht mehr. Quo vadis, BSC? Hahohe

  5. 1.

    Ich habe bereits im ersten Bericht(Windhorst) meine Meinung dazu geschrieben.Wie der Kommentator und langjährige treue Herthanhänger schrieb hatt er doch immer Sorgen mit der Hertha.Ich bin bzw.War ein grosser Anhänger von dem einzigartigen, grundsoliden, anständigen Arbeiter,Stratege mit viel Fussballverstand und loyaler Herthamensch auch als Spieler Pal Dardai.Hertha über jahre mit jungen Talenten und dem einen oder anderen Zukauf der gepasst hätte wäre mir sehr recht gewesen.Ziel Platz 2 bis 8 vorläufig.Jetzt wird mit Geld gewunken und wenn sie Pech haben kommen dann die Nomaden und die ziehen weiter.125 Millionen sind schnell verbraten, wenn man wie es sich gehört zuerst die Schulden bezahlt.Das Stadion das entstehen soll sehe ich noch nicht unbedingt als neues Mekka.Bescheiden mit dem Senat eine Lösung finden und mit an Bord nehmen kann nur richtig sein.Vor allem wenn alles nicht so läuft mit den hochtrabenden Plänen,dann bettelt man wieder bei der Politik.Aber vermutlich andere.

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