NBA-Star Donovan Mitchell trainiert mit dem Nachwuchs von Alba Berlin. / Bild: Wendt
Audio: Inforadio | 20.07.2019 | Johannes Mohren | Bild: Wendt

Donovan Mitchell bei Alba Berlin - Ein NBA-Star, der einfach Spaß haben will

Es war ein besonderer Gast beim Nachwuchs von Alba Berlin. Einer, der das geschafft hat, wovon viele der jungen Basketballer träumen. NBA-Star Donovan Mitchell von den Utah Jazz trainierte mit den Jugendlichen - und war durchaus beeindruckt. Von Johannes Mohren

Da stehen sie auf dem Parkett. Eins gegen Eins. Es ist ein Duell, das ungleicher kaum sein könnte. Eigentlich nicht zu lösen für Nicolas. Denn zwischen dem kleinen, schmächtigen Nachwuchsspieler von Alba Berlin und dem Korb steht wie eine Wand Donovan Mitchell von den Utah Jazz. Viel größer, viel breiter - und ein Star in der NBA. Nicolas dribbelt kurz und wirft. Der Ball fliegt durch die Luft. Treffer. Der 13-Jährige lächelt fast ein wenig ungläubig. Er hat es geschafft. Rund zwanzig Spieler aus der Jugend von Alba Berlin jubeln lautstark.

Ein Star ohne Tamtam

Gut eine halbe Stunde vorher ist Mitchell in die Trainingshalle der Albatrosse in Berlin-Mitte gekommen. Ganz ohne Tamtam. Plötzlich ist er einfach da. Und genauso plötzlich mittendrin im Trainingsgeschehen. Mit seinem weißen Shirt und schwarzen Shorts wirkt er schon äußerlich ziemlich locker. Es macht ihm sichtlich Spaß, mit den Jugendlichen zu trainieren. Ganz ohne den Star raushängen zu lassen. Als einer von ihnen. "Das Verrückte ist, dass einige nur fünf Jahre jünger sind als ich. Ich will ihnen etwas zurückgeben. Ich wollte früher immer mit den Idolen aus der NBA spielen. Jetzt bin ich in der Position. Und es ist wichtig, das zu tun", sagt er.

22 Jahre ist Mitchell alt, 1,91 Meter groß und spielt seit zwei Jahren in der besten Basketball-Liga der Welt. Gerade in der ersten Saison hat er für Aufsehen gesorgt. Er wurde zum zweitbesten NBA-Neuling gewählt - und zeigte beim Slam Dunk Contest derart spektakuläre Flüge, dass er ihn gleich gewann. Es macht ihn auch als Werbefigur interessant. Der Besuch bei Alba Berlin ist Teil einer Promo-Tour für seinen Schuh-Ausrüster. Ein eigenes Modell hat der US-Amerikaner designt. In den vergangenen Wochen war er damit weltweit unterwegs.

Vorbild für den Nachwuchs

Für die Alba-Nachwuchsspieler ist er ein Vorbild. Einer derer, die sie auf Instagram und Co. verfolgen, weil sie ihr Spiel bewundern. 2,4 Millionen Leute haben Mitchell in dem sozialen Netzwerk abonniert. Er ist da angekommen, wo viele der Jugendlichen hinwollen. Und der Star macht ihnen durchaus Mut. Ihn beeindruckt das, was er sieht. "Ich habe eine ganze Menge Talent ausgemacht", sagt er - und das keinesfalls nur aus Höflichkeit. Denn die Qualität erlebt er hautnah. Im Eins gegen Eins gegen Nicolas. Aber auch in vielen anderen Momenten. Wurf um Wurf rauscht durch die Körbe. Teils aus großer Distanz. 

Gruppenbild mit dem NBA-Star: Alba-Nachwuchsspieler mit Donovan Mitchell. / Bild: WendtGruppenbild mit dem NBA-Star: Die Nachwuchsspieler von Alba Berlin mit Donovan Mitchell. Direkt links neben dem Gast aus den USA: Nicolas - Trikotnummer 5.

Dass Talent alleine noch nicht reicht, weiß Mitchell. Er hat selbst erlebt, wie hart der Weg nach oben sein kann. Es gab Momente, in denen er ans Aufhören dachte. Noch vor wenigen Jahren, als es auf dem College zunächst gar nicht gut für ihn lief. Es war die Zeit, in der er auch Bekanntschaft mit einem gemacht, den sie bei den Albatrossen bestens kennen: Moritz Wagner. "Ich habe gegen Moe im College gespielt. Sie haben uns geschlagen. Also kann ich ihn nicht leiden", sagt er. Und muss lachen. "Nein, das ist nur Spaß. Er ist ein Freund von mir." Und einmal angefangen, gerät er so richtig ins Schwärmen über den Mann, der es aus der Jugend von Alba Berlin in die NBA schaffte. Erst bei den Los Angeles Lakers, nun bei den Washington Wizards. "Moe ist ein Wettkampftyp. Er macht viel Trash Talk. Er ist ein Typ, den ich wirklich respektiere. Er hat eine große Zukunft."

Das Verrückte ist, dass einige nur fünf Jahre jünger sind als ich. Ich will ihnen etwas zurückgeben. Ich wollte das früher immer mit den NBA-Idolen spielen. Jetzt bin ich jetzt in der Position. Und es ist wichtig, das zu tun.

Donovan Mitchell

"Er ist mein Liebling"

Wagner ist einer von gleich mehreren Deutschen, die in der NBA die Generation nach Dirk Nowitzki prägen. Wie Daniel Theis, Maxi Kleber - oder allen voran Dennis Schröder. "Ich wusste bei zwei von dreien bisher nicht, dass sie aus Deutschland kommen", sagt Mitchell. Aber es wundert ihn auch nicht. Er sieht es als Teil eines allgemeinen Trends. "Ich denke, Basketball wird insgesamt internationaler. Dennis Schröder ist ein Typ, den ich mir wirklich gerne anschaue. Er ist sehr schnell. Die NBA liebt gute Werfer. Und die internationalen Spieler haben das drauf. Sie haben sich wirklich entwickelt.“ 

Vielleicht kann sich ja Nicolas in einigen Jahren einreihen. Ob er von der NBA träume? "Ja, schon", sagt er. Selbst wenn er weiß, dass es bis dahin noch ein gutes Stück ist. Von Mitchell gibt es jedenfalls schon einmal einen echten Ritterschlag. "Ich finde ihn großartig. Er ist mein Liebling. Ich habe ihm ein paar Dinge beigebracht. Er nimmt das sehr schnell auf", sagt er. Es sind Worte, die die Träume des Alba-Nachwuchsspielers beflügeln dürften - in der Hoffnung, irgendwann in den ganz großen Hallen ins Eins gegen Eins zu gehen. Und natürlich zu treffen. Wie an diesem Nachmittag, als der kleine Junge den großen NBA-Star überwand.

Sendung: Inforadio, 20.07.2019, 17:32 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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