Henrik Rödl gestikuliert am Spielfeldrand. (Quelle: imago/Camera 4)
Audio: Inforadio | 21.07.2019 | 14:30 Uhr | Nikolaus Hillmann | Bild: imago/Camera 4

Interview | Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl - "Wir haben eine sehr vielversprechende Generation"

In knapp sechs Wochen steigt die Basketball-Weltmeisterschaft in China. Alba-Legende und Bundestrainer Henrik Rödl spricht im Interview über Ziele, die Entwicklung des deutschen Basketballs, die EM 2021 in Deutschland - und ein Berliner Talent.

rbb: Herr Rödl, Deutschland richtet die Basketball-EM 2021 aus - Berlin und Köln werden die Austragungsorte sein. Ist es ein Vorteil für die deutsche Nationalmannschaft, dass man sich als Gastgeber nicht qualifizieren muss und sich daher auf andere Weise vorbereiten kann?

Henrik Rödl: Das ist natürlich etwas ganz Besonderes für den deutschen Basketball - eine EM mit Vor- und Endrunde im eigenen Land haben wir lange nicht gehabt  Das ist auch eine Wertschätzung der FIBA (Weltbasketballverband, Anm. d. Red.) und letztendlich des Weltbasketballs, dass man so ein Event in Deutschland ausrichtet. Das zeigt auch, dass man glaubt, dass diese Mannschaft da erfolgreich abschneiden kann.

Das letzte Mal fand eine EM-Endrunde 1993 in Deutschland statt. Damals gewannen die Deutschen im Finale in München gegen die UdSSR. Mit dabei waren auch Sie. 1993 war es ein Überraschungserfolg. Es folgten gute und  weniger gute Phasen für den deutschen Basketball. Wie kann man den Weg in den vergangenen 26 Jahren beschreiben?

Das sind Zyklen. Man muss die Mannschaft immer wieder neu zusammenbauen und hoffen, dass sie zusammenbleibt und sich entwickelt. Ich glaube, da sind wir momentan auf einem ganz guten Weg. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die bei der Europameisterschaft 2017 sogar noch die jüngste war. Wir wollen bei der Weltmeisterschaft in China in sechs Wochen dann einen Schritt weiter sein. Wir sind immer noch, wie ich finde, am Anfang. Ich denke, dass wir eine sehr vielversprechende Generation haben, die dann in zwei Jahren Zuhause die Chance hat, etwas zu reißen. Wie weit es dann geht, ist schwer zu sagen. In Europa ist die Konkurrenz sehr hoch. Das gibt es auf keinem anderen Kontinent so. im eigenen Land traut man sich aber natürlich einiges zu.

In den vergangenen 15 oder 20 Jahren gab es eigentlich nur einen Namen: Dirk Nowitzki. Das hat sich ein wenig geändert. Nowitzki ist zurückgetreten und momentan spielen so viele Deutsche wie noch nie in der NBA, der stärksten Basketballliga der Welt. Was hat sich denn in der deutschen Nachwuchsarbeit in den letzten zehn Jahren getan, dass so viele gute Spieler dabei herauskommen?

Die Tiefe, die wir momentan im deutschen Basketball haben, ist stark. Viele Jungs spielen auf höchstem Niveau, nicht nur in der NBA, sondern auch in den europäischen Top-Ligen. Insgesamt hat sich im deutschen Basketball unfassbar viel getan. Bayern München und Alba Berlin spielen in der  kommenden Saison in der Euroleague. Auch die Spieler, die in  der Bundesliga aktiv sind, zeigen also eine ganz andere Entwicklung als damals rund um 1993 – da waren wir mit zwölf Spielern am Start und danach war dann nicht mehr viel. Da hat sich die Jugendarbeit der letzten Jahre wirklich ausgezahlt. Die Standards in der Basketball Bundesliga (BBL) wurden erhöht, Ligen gegründet. Die deutsche Nationalmannschaft kann sich auch in den Jugendbereichen wieder sehen lassen. Das macht sehr viel Spaß und gibt Hoffnung.

Den Zuschauern, speziell in Berlin, haben die jungen Spieler von Alba in den vergangenen zwei  Saisons sehr viel Spaß gemacht. Jetzt ist der 17-jährige Franz Wagner, genau wie sein Bruder Moritz, ans College nach Michigan gewechselt. Beide stammen aus der Jugend von Alba Berlin. Auch Sie haben erfolgreich am College gespielt – konnten die Meisterschaft gewinnen. Ist es denn besser woanders hinzugehen und etwas anderes kennenzulernen, wie in den USA, oder den Weg über Europa zu gehen und dort als richtiger Profi mit gestandenen Spielern in der Euroleague oder im Eurocup zu spielen?

Zunächst muss man festhalten, dass alle deutschen Spieler in der NBA, außer Moritz Wagner, den Weg über Europa gewählt haben. Es gibt verschiedene Wege, ganz oben anzukommen. Ich glaube, das muss ganz individuell entschieden werden. Da gibt es für mich nicht den einen Weg. Da sind so viele Situationen so unterschiedlich, das sollte nicht pauschal bewertet werden.

In knapp sechs Wochen beginnt die Weltmeisterschaft in China. Wie ist da der Stand der Dinge?

Die Aufregung ist mittlerweile sehr groß. Wir haben viel Kontakt zu den Spielern. Es herrscht eine großartige Atmosphäre. Ich freue mich sehr, dass es bald losgeht. Maik Zirbes, der in China unter Vertrag steht, wird wahrscheinlich nicht zur Verfügung stehen. Ansonsten haben alle mit Begeisterung zugesagt und freuen sich drauf.

Können Sie denn schon sagen, ob Franz Wagner den Sprung in die Mannschaft schaffen könnte?

Der junge Mann spielt gerade bei der U18-EM. Man muss bei so jungen Spielern mit der Belastung etwas vorsichtig sein. Er hat eine unglaublich große Zukunft vor sich. Aber was den Kader für die WM angeht: Das hängt natürlich auch viel von der Gesundheit und der Situation der Spieler ab. Wir werden da jetzt noch keine Hochrechnung geben. Den 16er-Kader, der dann das Trainingslager in Trier (ab dem 5. August) bestreiten wird, geben wir am 1. August bekannt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Nikolaus Hillmann, rbb Sport. Bei diesem Text handelt es sich um eine redigierte Fassung. Das Originalinterview in voller Länge können Sie mit einem Klick auf das Abspielsymbol im Artikelbild hören.

Sendung: Inforadio, 21.07.2019, 14:30 Uhr

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