Union-Neuzugang Florian Hübner im Training (Quelle: imago/Matthias Koch)
Bild: imago/Matthias Koch

Interview | Union-Verteidiger Florian Hübner - "Mehr Konkurrenz heißt mehr Qualität"

Unions Kader ist riesig, jeder will sich für die Bundesliga empfehlen. Der Innenverteidiger Florian Hübner kann wegen einer Verletzung gerade nicht um einen Stammplatz kämpfen. Wie er damit umgeht und wie er die Union-DNA weitervermittelt, erklärt er im Interview.

Eigentlich wollte der Innenverteidiger Florian Hübner um einen Stammplatz im neuen Union-Kader kämpfen. Doch eine Kapselverletzung im Knie zwingt den Aufstiegshelden im Trainingslager in Österreich zum Zuschauen. Während seine Teamkollegen jeden Tag auf dem Platz schuften, heißt es für den 28-Jährigen: Geduld haben im Kraftraum und beim Fahrradfahren.

rbb|24: Herr Hübner, auf dem Platz kann man Sie hier in Windischgarsten nicht beobachten. Wie schwer fällt es, ausgerechnet im Trainingslager nur zuzuschauen?

Florian Hübner: Ich würde natürlich lieber trainieren. Es gibt für mich gerade nichts Schlimmeres, als im Kraftraum zu stehen und die Jungs auf dem Platz trainieren zu sehen. Das ist natürlich bitter, aber was soll ich machen. Wir wollen, dass ich zu 100 Prozent fit bin, denn es bringt keinem was, wenn ich nur 80 Prozent geben kann in der Vorbereitung.

Die Verletzung ist sicherlich auch bitter für Sie, weil der Konkurrenzkampf in Vorbereitung auf die Bundesligasaison extrem hart ist. Gleich zwölf neue Spieler sind gekommen, der Kader umfasst 33 Spieler. Hat da überhaupt jeder einen Sitzplatz in der Kabine?

(grinst) Wir müssen auf jeden Fall eng zusammenrücken, damit jeder einen Sitzplatz hat. Natürlich ist es ein großer Kader, aber ich denke, es wird eine sehr lange Saison, da braucht man jeden Spieler. Ob es jetzt noch Abgänge oder sogar Zugänge gibt, das muss uns erst einmal nicht interessieren. Wir als Team müssen schauen, dass wir die neuen Spieler schnell integrieren, schnell als Truppe zusammenwachsen, so dass wir zum Bundesligastart direkt erfolgreich sein können.

Wie hat sich denn die Vorbereitung im Vergleich zum Sommer 2018 verändert?

Du hast natürlich viele neue Gesichter im Training. Du musst dich auf die neuen Spielstile einstellen, was haben die neuen Jungs für Stärken aber auch für Schwächen. Dann ist die Trainingsgruppe natürlich größer, da muss das Trainerteam schauen, wie sie die Übungseinheiten gut steuern. Für uns Spieler ist das eher kein Problem, dass da jetzt mehr Spieler im Training sind.

Allein auf Ihrer Position in der Innenverteidigung gibt es mit Keven Schlotterbeck und dem erfahrenen Neven Subotic gleich zwei neue Spieler. Spürt man diesen gewachsenen Konkurrenzkampf?

Man merkt natürlich, dass die Konkurrenz größer geworden ist. Ein solcher Konkurrenzkampf fördert aus meiner Sicht aber nur die eigene Qualität. Da muss sich jeder im Training reinhauen. Das Niveau ist natürlich auch noch mal deutlich höher durch die vielen Neuzugänge. Ich glaube, das wird uns aber ganz gut tun. Wir müssen uns auf die 1. Bundesliga einstellen, da warten viele schwere Spiele auf uns. Wir müssen unterschiedliche Spielsysteme spielen können und darauf bereiten wir uns gerade vor. Dieser tägliche Konkurrenzkampf hilft uns dabei.

Sie sind 2017 mit Hannover 96 schon einmal in die 1. Bundesliga aufgestiegen, waren fester Bestandteil des Teams. Und dann hat man den gefeierten Aufstiegshelden plötzlich neue Spieler vor die Nase gesetzt. Wie geht man als Spieler damit um?

Du musst natürlich deine Leistung immer bestätigen. Ich denke, dass ich mir einen bestimmten Stellenwert in der letzten Saison beim 1. FC Union erarbeiten habe. Da musst du jetzt in der Vorbereitung einfach Leistung zeigen, dich durchbeißen und dann wird sich am ersten Spieltag zeigen, wer spielt.

Wie steuert Trainer Urs Fischer den großen Kader im Training und worauf legt er Wert hier in Windischgarsten?

Ihm ist wichtig, dass wir als Mannschaft zusammenwachsen. Wir haben ja trotz des Aufstiegs nie jeden Gegner an die Wand gespielt, sondern sind eher über das Kollektiv gekommen. Jeder war für den anderen da. Und genau da gilt es anzusetzen. Der Trainer versucht, den neuen Spielern schnell zu vermitteln, wie wir spielen wollen und was wir vorhaben.

Diese Union-DNA der letzten Saison - jeder ist für den anderen da: Wie vermittelt man die an die neuen Spieler? 

Also, ich habe dem einen oder anderen Spieler auch schon mal die Aufstiegsbilder gezeigt. Wir reden darüber, was uns als Team auszeichnet und wie die Fans hinter uns stehen - auch wenn es mal nicht so gut läuft. Das ist natürlich auch beeindruckend für die neuen Spieler und ich glaube, es wird nicht lange dauern bis sie das verinnerlicht haben.

Weil Sie die Aufstiegsfeierlichkeiten gerade angesprochen haben. Viele Spieler und Fans haben bei der riesigen Party Ende Mai in Köpenick gesagt, sie können es noch gar nicht fassen, dass Union jetzt 1. Bundesliga spielt. Haben sie das schon realisiert?

Ich weiß gar nicht, ob man das selber alles schon verarbeitet hat. Man realisiert das wahrscheinlich wirklich erst in dem Moment, wenn man das erste Mal auf dem Platz steht. Beim ersten Spiel gegen RB Leipzig wird man das merken. Aber was wir da geschafft haben, das war was ganz Großes. Ich denke, jeder Spieler hat sich im Urlaub die ganzen Bilder und Videos von der Aufstiegsparty noch einmal angeguckt, weil es tolle Bilder und eine super Feier waren. Aber jetzt sind wir alle heiß darauf, dass es losgeht. 

Das Gespräch führte Jakob Rüger

Sendung: Inforadio, 14.07.2019, 15.30 Uhr

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