Hertha-Fans im Berliner Olympiastadion. / imago/Nordphoto
Audio: Inforadio | 14.07.2019 | Johannes Mohren | Bild: imago/Nordphoto

Neuheit bei Hertha BSC - Wenn ein Bot die Tickets verkauft

Die Saison hat noch nicht begonnen - eine Sache hat Hertha BSC den anderen Teams jetzt schon voraus: einen "TicketBot". Als erster Bundesligist verkauft der Klub Tickets über den Facebook-Messenger. Aber das soll erst der digitale Anfang sein. Von Johannes Mohren

"Ha ho he Johannes! Willkommen im Hertha BSC TicketBot!": Es ist die erste Kontaktaufnahme - und die Begrüßung im Chat mit Hertha BSC ist scheinbar persönlich. Der Nutzer wird im Facebook-Messenger mit Vornamen angesprochen. Menschliche Bedienung braucht es dafür nicht. Der Chatpartner, der im Namen des Bundesligisten schreibt, ist ein Bot.

Wer nun auf "Los geht's!"  klickt, startet den Kommunikationsprozess. Es werden Karten angeboten, der Nutzer kann Plätze wählen, den Blick aufs Spielfeld anwählen. Alles im Austausch mit dem Bot, der regelmäßig schreibt. Besteht am Ende Interesse an den Karten, geht es direkt aus dem Messenger in den Hertha Shop. Dort können die Tickets dann bezahlt werden - und sie landen als mobile Eintrittskarte direkt auf dem Smartphone.

Konzipiert für die Generation Z

"Das alles passiert in ziemlich genau unter zwei Minuten. Das ist flott", sagt Maurice Sonneveld. Er ist der Leiter Digitale Medien bei Hertha BSC. Bei einem Testlauf vor dem letzten Spiel der vergangenen Saison gegen Leverkusen hatten bereits 600 ausgewählte Facebook-Nutzer die Chance, auf diesem Wege Tickets zu kaufen. 30 von ihnen taten das am Ende. Aktuell wird an der Ausarbeitung gefeilt. Zum Start der neuen Saison hofft der Verein, "eine richtig coole Anwendung" zu haben.

Sonneveld war es, der die Idee des Bots Anfang des Jahres auf dem Sportbusiness-Kongress Spobis vorstellte. Es war einer von mehreren Vorschlägen, die er für das Stadion der Zukunft entwickelt hatte. Das Tempo ist dabei einer der Trümpfe, die der Klub mit der neuen Anwendung ausspielen will - in Zeiten, in denen Aufmerksamkeit gerade in der digitalen Welt ein hohes Gut ist.

Konzipiert hat der Verein den Bot gemeinsam mit den Experten des Berliner Startups spectrm. Im Blick hatte er dabei vor allem die Generation Z - sprich: eine junge Zielgruppe, die zwischen 1994 und 2010 geboren wurde und damit heute maximal 25 Jahre alt ist. "Ihr Nutzungsverhalten ist schon komplett auf digitale Anwendungen ausgelegt. Wenn die in der Grundschule sind, geht es nicht mehr darum, ob sie ein Handy bekommen, sondern nur darum, ob es Modell A oder B ist. Sie sind also komplett sozialisiert mit digitalen Anwendungen", sagt Sonneveld. 

"Keinen Menschen ersetzen"

Und genau dort - in der Welt der Apps - will sie der Verein nun erreichen. "So wie ich mich momentan mit meiner Freundin bei Facebook oder bei WhatsApp austausche, so soll ich mich in Zukunft dann da auch mit Hertha BSC austauschen können. Über künstliche Intelligenz." Bei Facebook gab es besagten Test - bei WhatsApp bestehen aktuell noch technische Hürden.

Maurice Sonneveld, Leiter Digitale Medien bei Hertha BSC. / imago/ Schwörer Pressefoto
Maurice Sonneveld, Leiter Digitale Medien bei Hertha BSC. | Bild: imago/ Schwörer Pressefoto

Insgesamt bestärken die ersten Erfahrungen Hertha BSC in seinem Weg. Sie wollen die Chancen nutzen - ohne jemanden zu verprellen: "Der Bot soll keinen Menschen ersetzen. Das wäre ja absurd. Wer das Bedürfnis hat, am Ticketschalter sein Ticket kaufen zu wollen, kann das gerne machen", sagt Sonneveld. "Aber wir haben neue Zielgruppen, neue Anspruchsgruppen. Dementsprechend brauchen wir auch neue Ideen, um ihnen Service bieten zu können."

Viel mehr als nur Kartenkauf

Service bedeutet dabei längst nicht nur Kartenkauf. Momentan ist aus dem TicketBot ein TrikotBot geworden. Der Messenger wird also auch für die Kampagne rund um das neue Leibchen des Clubs genutzt. Und wer sich mit Sonneveld unterhält, merkt schnell, dass erst der Anfang und nicht das Ende der Entwicklung sein soll." Wann ist das nächste Training und das nächste Spiel? Aber es geht auch um ganz triviale Fragen: Wie komme ich an Autogrammkarten? Wie groß ist Vedad Ibisevic und wie viele Tore hat der überhaupt letzte Saison gemacht? Alle das, was die Fans bewegt, soll in Zukunft durch den Bot beantwortet werden können."

So eine Maschine lernt mit. Wir müssen sie weiter füttern.

Maurice Sonneveld

Bis dahin muss er noch einiges lernen. Denn noch sind es vorgegebene Klick-Pfade, auf denen der Nutzer durch die smarte Anwendung navigiert wird. Künftig soll der Bot dann auch auf offene Fragen Antworten geben zu können - ganz so, wie es ein Mensch täte. "So eine Maschine lernt mit. Wir müssen sie weiter füttern", sagt Sonneveld. Fanservice und Co. waren im Vorfeld mit im Boot, um die wichtigsten Wünsche der Anhänger auszumachen. Es ist ein mittelfristiges Projekt. Die Zielmarke? 2025. Das Jahr, in dem - wenn es nach Hertha BSC geht - auch die eigene Arena fertig werden soll. Ein Stadion der Zukunft, in das der Bot perfekt passen würde.

Sendung: Inforadio, 14.07.2019, 14:32 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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3 Kommentare

  1. 3.

    Hertha tut mir leid. Es vergeht kaum eine Woche ohne Datenskandal, aber man setzt voll auf Facebook. Wie ignorant kann man sein. Aber es machen ja alle mit, sämtliche Medien, auch die öffentlich-rechtlichen, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, sich kritisch mit den Datenkraken auseinanderzusetzen, pushen fleißig mit. Schon mal überlegt, warum Facebook und auch Google milliardenschwer sind, ihre Dienste aber "kostenlos" anbieten?

  2. 2.

    ... und dann noch die Spieler gegen digitale Klone ersetzen, die durch das Fifa Spielprogramm gesteuert werden und keine Fehler machen sowie persönliche Befindlichkeiten eliminieren. Dann kann nichts mehr schief gehen in der Bundesliga, DFB Pokal und sonstwas für Leaquen. Fußball 2.0 sozusagen... ;-))

  3. 1.

    Super Sache und Idee. Jetzt noch ein neues modernes Stadion dann passt es.

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