Union-Coach Urs Fischer im Trainingslager im Gespräch mit Christopher Trimmel und Michael Parensen. / imago/GEPA Pictures
Audio: Inforadio | 18.07.2019 | Jakob Rüger | Bild: imago/GEPA Pictures

Bilanz des Trainingslagers von Union Berlin - Auf der Suche nach Mut und Präzision

Der 1. FC Union hat sein Trainingslager in Österreich beendet. Trainer und Mannschaft versuchen sich auf die Bedingungen der Bundesliga vorzubereiten. Die Startelf von Urs Fischer nimmt langsam Formen an. Von Jakob Rüger

Locker und entspannt schlendert Trainer Urs Fischer in Windischgarsten über den Platz. Seine Mannschaft hat gerade die letzte anstrengende Übungseinheit des Trainingslagers absolviert. Mit einem Lächeln begrüßt der Schweizer die mitgereisten Journalisten. Es wirkt, als sei da jemand sehr zufrieden mit der Vorbereitung. "Das war ein gutes Beispiel heute", zieht Fischer eine positive Bilanz. "Die Jungs waren mit Spaß dabei, die Intensität war da und auch die Qualität. Alle haben funktioniert."

Mal was Neues ausprobieren

Zehn schweißtreibende Tage liegen hinter der Mannschaft. Zwölf Neuzugängen musste Fischer seine Spielidee näher bringen. Auch für die Aufstiegshelden gab es neue Trainingsinhalte. "Du darfst nicht verschlossen für neue Inhalte sein, du darfst aber auch nicht zu viel ändern", erklärt Fischer den schweren Spagat eines Trainers. "Die Mannschaft braucht ein Korsett, in dem sie sich wohlfühlt und dann kannst du Neues versuchen." In der Bundesliga warten eben ganz andere Anforderungen auf die Köpenicker. "Das ganze Spiel ist schneller, du kannst nicht lange überlegen", analysiert Mittelfeldspieler Grischa Prömel. "Du musst einfach schon vorher im Kopf wissen, was du vorhast, sonst wird es schwer."

Die Zauberworte heißen "Schnelligkeit" und "Präzision". Immer wieder brüllt Fischer sie in Windischgarsten über den Platz. Er ließ seine Spieler schnelle Torabschlüsse in Kontersituationen üben. Trieb die Kicker bei frühem überfallartigen Pressing an. Das Aufbauspiel wurde aus einer Vierer- und einer Dreierkette geübt. Mal schaute Fischer konzentriert zu, mal griff er ein und gab lautstarke Kommandos. Dabei wurde deutlich, dass sein Team agieren statt reagieren soll. Auch das Wort "Mut" schallte häufig über den Platz.  Alles Inhalte, die Fischer auch schon in der zweiten Liga vermittelt hat. "Uns muss bewusst sein, das wir eine andere Rolle haben als in der letzten Saison. Da haben wir uns nach vorne orientiert und jetzt heißt das Ziel Klassenerhalt."

Respekt vor der Bundesliga

Dem muss sich alles und jeder unterordnen, nur dann hat Union eine Chance. Ob es in der 1. Liga nun etwas leichter wird, weil Union nicht das Spiel machen muss, wurde Fischer in Windischgarsten gefragt. Der ruhige Schweizer nestelte an seiner Brille und ließ sich viel Zeit bei der Antwort auf diese Frage. "Von der Spielvorbereitung wird es das gleiche sein", sagte Fischer und blickte in Richtung Berge. "Ich glaube aber, dass die Ausgangslage eine andere wird. Es ist das erste Mal für den Club in der 1. Liga. Es braucht Respekt vor der Aufgabe, aber auch nicht zu viel." Zwei Spieler, die die Bundesliga mit all ihren Facetten kennen, sind Christian Gentner und Neven Subotic. Letzterer trainierte noch sehr dosiert im Trainingslager.

Der Kader ist mit 33 Spielern ungewöhnlich groß. Da fällt es auch einem Trainer nicht immer leicht, alle im Blick zu haben. Doch Fischer nahm sich Zeit, sprach viel mit den Spielern beim Gang vom Trainingsplatz zum Hotel. "Ich habe die Jungs neben dem Platz besser kennengelernt, aber auch auf dem Platz. Es ist immer etwas anderes, wenn du einen neuen Spieler beim Training beobachtest, in einer neuen Umgebung. Daher habe ich viele Eindrücke gesammelt."

Langsam entsteht eine Startelf

Mittelfeldspieler Grischa Prömel und Innenverteidiger Marvin Friedrich zählen zu den Gewinnern von Windischgarsten. So langsam entsteht im Kopf des Trainers eine mögliche Aufstellung für den Bundesligaauftakt gegen RB Leipzig. "Es geht in eine Richtung, die konkreter wird beim Herrn Fischer", grinste der Trainer und ahnte die drohende Nachfrage. "Aber nein, Herr Fischer wird nichts verraten", lachte der Schweizer mit dem grauen Vollbart lautstark. Noch hat er drei Wochen Zeit. Die Ruhe und Gelassenheit könnten ein gutes Zeichen dafür sein, dass mit Abschluss des Trainingslagers alles nach Plan läuft.

Sendung: Inforadio, 18.07.2019, 10:15 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

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