Archivfoto: Fussball, Herren, Saison 2018/2019, NOFV-Oberliga Nord (27. Sp.), Tennis Borussia - SV Altlüdersdorf (1:3), Vorstandsvorsitzender Jens Redlich (M., TeBe, Tennis Borussia) redete nach der Niederlage motivierend auf die Mannschaft ein, links Tino Schmunck (TeBe, Tennis Borussia), rechts Murat Turhan (TeBe, Tennis Borussia), 10.05.2019 (Quelle: imago / Matthias Koch).
Audio: Radioeins | 31.07.2019 | Gespräch mit Phillip Meinhold | Bild: imago / Matthias Koch

TeBe-Geldgeber Redlich dementiert Rückzug - Meuterei im Mommsenstadion

Tennis Borussia Berlin hat in den letzten Monaten einige Schlagzeilen gemacht: Zahlreiche Mitglieder und Fans lagen im Clinch mit Vorstandschef Jens Redlich. Nun teilte der Klub mit, Redlich sei zurückgetreten - der Geldgeber bestreitet das und spricht von einem Putsch. Von John Hennig

Der Machtkampf beim Berliner Oberligisten Tennis Borussia hat nach der turbulenten Mitgliederversammlung im Januar einen nächsten Höhepunkt erreicht. Der Dienstag wird wohl als "Meuterei im Mommsenstadion" in die Geschichte des um wilde Episoden nicht gerade armen Traditionsvereins eingehen.

Zunächst wurde am Abend eine offiziell anmutende Mitteilung versendet, wonach Günter Brombosch vom Aufsichtsrat als neuer Vorstandsvorsitzender bestellt worden sei, und der ehemals geschasste Geschäftsstellenleiter Steffen Friede zum Vorstand: "Sie komplettieren das Leitungsgremium, das zuletzt mit Jörg Zimmermann nur noch aus einer Person bestand. Die Amtszeit des kommissarischen Vorstands Andreas Voigt hatte mit der Mitgliederversammlung im Januar geendet, Michael Scholich und Jens Redlich waren vorzeitig zurückgetreten."

Redlich weilt in den USA - und weiß von nichts

Doch Redlich, seit drei Jahren Geldgeber, Investor und seit März 2017 auch Vorstandsvorsitzender weiß von nichts - sagt er rbb|24 am Dienstag. Er dementiert, sich bei Tennis Borussia aus den Vereinsgremien zurückgezogen zu haben. "Ich habe nur gehört, dass Menschen die Geschäftsstelle gekapert haben sollen", erzählt Redlich, der zurzeit in den USA weilt. Er bekomme seit dem Morgen zahlreiche Nachrichten, in denen er gefragt werde, was los sei. Er sei aber nicht zurückgetreten, macht Redlich noch einmal deutlich. Später spricht er von einem "Putschversuch".

In der Tat wirkt alles auf den ersten Blick etwas überstürzt. Die Vereinsmitteilung wird von einem Postfach beim Berliner Fußball-Verband gesendet. Der Rückruf erreicht Tobias Schulze, einen der zahlreichen abtrünnigen Fans, die seit einem halben Jahr nicht mehr die Spiele von Tennis Borussias erster Männermannschaft besuchen.

Der offizielle Facebook-Kanal ist plötzlich offline, die offizielle Website [tebe.de] vermeldet lange Zeit noch das aktuelle Mannschaftsfoto und die Spielerporträts. Am Abend dann geht kurzzeitig* eine Erwiderung online: "Die Mehrheit des Aufsichtsrates, der komplette Vorstand und der Ältestenrat" schreiben darin von einem "Putschversuch" der beiden Aufsichtsratsmitglieder Christian Gäbler und Franziska Hoffmann. Diese hätten "wenige Tage vor dem wichtigen Saisonauftakt der 1. Männermannschaft" zusammen mit Steffen Friede "im Handstreich und ohne jede Rücksprache mit den Vereinsgremien" versucht, Redlich ab- und einen neuen Vorstand einzusetzen.

Vereinsregister führt Redlich nicht mehr als Vorstand

Das Amtsgericht weist Redlich tatsächlich nicht mehr als Vorstandsvorsitzenden aus. Die letzte Änderung im Vereinsregister datiert vom 24. Juli. Dort steht stattdessen nun Bromboschs Name, auch der von Friede. Und auch die Polizei soll behilflich gewesen sein, als am Dienstag die Geschäftsstelle quasi eingenommen wurde. Die Schlösser wurden bereits ausgetauscht.

Darauf, dass die ganze Aktion zumindest im Hintergrund schon länger geplant wurde, weist ein Satz in der Mitteilung hin: "Nach intensiven juristischen Prüfungen und vielen Gesprächen im Verein haben wir uns zu dieser Nachbesetzung entschlossen." Auch im Gespräch mit rbb|24 erklärt Tobias Schulze, der den neuen Vorstand in Pressefragen berät, dass alles seine Richtigkeit habe.

Es gebe gerade noch viel zu klären und sichten und der neue Vorstand habe noch keinen Zugriff auf die Kanäle. Deshalb die etwas inoffiziell anmutende Kommunikation.

Entscheidung vor Gericht?

Redlich, Geschäftsführer einer Fitnessstudiokette, war seit seinem Einstieg vor drei Jahren umstritten: Er investierte unter anderem mindestens 2,5 Millionen Euro in den Verein und wollte den ehemaligen Bundesligisten zumindest zurück in die Regionalliga führen. Bislang allerdings misslang das.

Abseits des ausbleibenden sportlichen Erfolgs verscherzte es sich der Geldgeber auch mit zahlreichen Fans, die schließlich ihre Unterstützung aussetzten - und damit mehr positive Presse bekamen als die Mannschaft. So wurde die "Caravan of Love"-Tour gerade erst vom Fachmagazin "11Freunde" zur Fanaktion der Saison gekürt. Und sie steht auch hinter dem neu eingesetzten Vorstand, das zeigen die Personalien Friede und Brombosch, der dem Verein seit einem halben Jahrhundert als Aktiver und Anhänger verbunden ist. "Wir freuen uns auf unsere neue Aufgabe, haben aber auch großen Respekt vor dem Amt", wird Brombosch zitiert. "Auf uns wartet eine Menge Arbeit: Als erstes müssen wir die Situation im Verein sondieren, Gespräche führen und Unterlagen sichten. Alles weitere wollen wir danach so schnell wie möglich kommunizieren."

Auf der offiziellen Website bat die Gegenseite "alle Vereinsmitglieder, Spieler und Mitarbeiter in der jetzigen Situation die Ruhe zu bewahren und die Mitteilungen und Entscheidung des kompletten Aufsichtsrates, des Vorstandes um Jens Redlich und des Ältestenrates abzuwarten". Die dürften Donnerstag folgen, wenn Redlich zurück in Berlin ist. Um die "Meuterei im Mommsenstadion" anzufechten, bleibt ihm aber wohl nur der juristische Weg.

*Anmerkung der Redaktion: Die Meldung der ehemaligen Vereinsführung auf der Website ist seit Mittwoch wieder offline. Dafür ist dort jetzt die offizielle Vereinsmitteilung über den neu besetzten Vorstand [tebe.de] zu lesen.

Beitrag von John Hennig, rbb|24

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1 Kommentar

  1. 1.

    Traurig! Als Stepke in den 70ern mit TeBe Fahne im Zimmer. Rosenthal und Gruner verdrücken da oben bestimmt auch Tränen. Ende der 90er hätte mit dem seinerzeit super teuren Kader was drin sein müssen. Aber statt dessen ging es richtig abwärts. Hatte Schäfer entscheidenen Anteil dran.

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