Die Hertha-Spieler im Trainingslager in Neurrupin (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: Inforadio | 10.07.2019 | Dennis Wiese | Bild: dpa

Hertha-Trainingslager in Neuruppin - "Ich sehe viele Spieler in der Pflicht"

75 Kilometer nordwestlich von Berlin bereitet sich Hertha BSC auf die neue Saison vor. Manager Michael Preetz gefällt, was er dort sieht. Bis er weitere Neuverpflichtungen präsentiert, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Von Dennis Wiese

Michael Preetz wirkt entspannt. Die Haut: gebräunt. Die Augen: strahlend. Von einem Manager, der im Dauerstress an Neuverpflichtungen arbeitet – keine Spur. Preetz hat die Berliner Medienrunde am Dienstagmittag zu einer Bootstour eingeladen. 30 Minuten auf dem Ruppiner See - mit Blumenkohlsuppe, Schnittchen und einem ersten Zwischenfazit: "Ante Covic macht einen sehr positiven Eindruck. Im Training korrigiert er viel. Er fordert und fördert. Und die Spieler wollen sich mit viel Einsatz anbieten."

"Entscheidungen im zweiten Trainingslager"

Herthas Trainingscamp in Neuruppin, das am Mittwoch nach einer Woche zu Ende geht, hat etwas vom ersten Urlaub mit der neuen Flamme. Es geht ums Abtasten. Welche Gewohnheiten hat der andere, welche Vorstellungen? Klar, Ante Covic hatte als Trainer der U23 und Karrierecoach für Herthas junge Talente schon länger direkten Kontakt zur Bundesligamannschaft. Seine Kabine lag bisher neben dem Raum der Profis. Regelmäßig traf sich Covic mit Manager Michael Preetz. Aber die beiden Co-Trainer Mirko Dickhaut und Harry Gämperle sind neu.

Zudem wird den Spielern in Neuruppin nur vormittags der offensivere Covic-Fußball eingeimpft, der Nachmittag gehört Athletiktrainer Henrik Kuchno, der die konditionellen Grundlagen für die lange Bundesligasaison erarbeiten soll. Manager Preetz glaubt, dass konkrete Entscheidungen zur Aufsstellung der Mannschaft erst später getroffen werden. Bisher stehe noch nicht fest, wer Chancen auf die Startelf hat oder wer wird den Verein verlassen wird. "Das wird beim zweiten Trainingslager der Fall sein", so der Manager. Vom 24. Juli bis 1. August bereitet sich Hertha im österreichischen Stegersbach vor. Eines steht jetzt schon fest: Hertha will dann die beiden Trainer-Söhne Maurice Covic und Palko Dardai verleihen.

"Mit viel Geld kann man viele Fehler machen"

Wer die Köpfe des Hertha-Jahrgangs 2019/20 sind, hat auch damit zu tun, wen Manager Preetz noch nach Berlin lockt. Durch Herthas neuen Investor hat er dafür immerhin 125 Millionen Euro zur Verfügung. Durch die neuen Millionen gebe es viele Nachfragen zu Herthas Plänen, sicher auch von Spielerberatern und anderen Vereinen. Die Antwort aber sei immer dieselbe: Hertha wolle auch weiterhin auf junge, entwicklungsfähige Spieler setzen.

Bislang haben die Berliner den Innenverteidiger Dedryck Boyata (ablösefrei von Celtic Glasgow) und Mittelfeldspieler Eduard Löwen (für rund sieben Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg) fest verpflichtet. Marko Grujic wurde für ein weiteres Jahr für eine Gebühr von rund zwei Millionen Euro vom FC Liverpool ausgeliehen.

Einen Transfer in der Größenordnung von 30 Millionen Euro hält Preetz für wenig sinnvoll: "Ich glaube nicht, dass man eine Mannschaft mit so einem Transfer signifikant weiterentwickeln kann. Man kann mit wenig Geld Fehler machen. Mit viel Geld kann man viele Fehler machen." Der Transfermarkt sei ohnehin gerade sehr unruhig, die Preise überzogen. "Wir schauen intensiv hin, haben aber noch relativ viel Zeit", so Preetz. Bis zum 2. September sind Zu- und Abgänge möglich.

Vorläufiges Saisonziel: Besser als Platz 11

Große fußballerische Erkenntnisse gibt es in Herthas Trainingslager sechs Wochen vor Saisonstart logischerweise noch nicht. Und bevor Transfers feststehen, konzentriert sich Preetz vor allen Dingen auf die Weiterentwicklung des bestehenden Kaders. Er "sehe viele Spieler in der Pflicht: Arne Maier hat große offensive Qualitäten. Die haben wir bisher noch nicht gesehen, da müssen wir ihn hinbringen. Jordan Torunarigha soll auch den Schritt zum unverzichtbaren Stammspieler schaffen. Auch Maximilian Mittelstädt ist mit seiner Entwicklung noch nicht am Ende." Preetz nennt auch Davie Selke und Javairo Dilrosun. Viele Kicker wollten sich mehr und konstanter zeigen als in der vergangenen Saison.

Den Rekord-Abgang von Rechtsverteidiger Valentino Lazaro (für 22 Millionen Euro zu Inter Mailand) will Herthas Manager unter anderem durch eigenes Personal auffangen: "Lukas Klünter und Mathew Leckie sind mögliche Kandidaten."

Hertha ist in der Kennenlernphase. Ein klares Saisonziel wird der Bundesligist erst kurz vor Saisonbeginn ausgeben. Eins gab der entspannt wirkende Manager Preetz dann aber doch preis: Besser als Platz 11 in der letzten Saison dürfe es schon sein.

Sendung: rbb 88,8, 9.7.2019, 17 Uhr  

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