Ab der kommenden Saison gelten diverse Regeländerungen im Fußball. Quelle: imago/ActionPictures
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Video: rbb|24 | 24.07.2019 | rbb|24 | Bild: Mitya Churikov

Auswechslung, Elfmeter, Handspiel - Das sind die neuen Regeln im Fußball

Langsam aber sicher starten die Amateur- und Profifußballer wieder in den Spielbetrieb. Für die neue Saison gelten dabei diverse neue Regeln. Bei Auswechslungen beispielsweise bietet sich den Zuschauern bald ein ungewohntes Bild.

Wir schreiben den 21. Juni 2018. Im russischen Jekaterinburg läuft die 75. Spielminute in der WM-Vorrundenpartie zwischen Frankreich und Peru. Es steht 1:0. Der Schiedsrichter unterbricht die Partie, um Frankreich eine Auswechslung zu ermöglichen. Frankreichs Ousmane Dembélé soll für Kylian Mbappé ins Spiel kommen. Nachdem der vierte Offizielle die Tafel mit den Rückennummen in die Höhe reckt, vergehen sage und schreibe 63 Sekunden, bis Mbappé an der Seitenauslinie seinen Kollegen abklatscht und vom Feld geht. Zeitspiel, klare Nummer.

Feldspieler müssen direktesten Weg vom Spielfeld nehmen

Dies ist nur ein Beispiel, bei dem ein Spieler seine Auswechslung nutzte, um Zeit zu schinden. In der Bundesliga findet man wohl an jedem Wochenende mindestens ein solches Zeitspiel. Dem soll nun entgegengewirkt werden. Das International Football Association Board (IFAB) hat einen neuen Regelkatalog beschlossen, der verschiedene Änderungen im Fußball vorsieht. So muss ein ausgewechselter Spieler das Feld ab sofort über die nächste Begrenzungslinie des Spielfelds verlassen. Er darf also nicht mehr wie Mbappé gemächlich bis zur Seitenauslinie laufen und den Einwechselspieler abklatschen, sondern soll den direktesten Weg vom Spielfeld nehmen.

Das IFAB belässt es aber nicht nur bei dieser Änderung. Jörg Wehling, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses beim Berliner Fußball-Verband, begrüßt die Regeländerungen, sagt aber auch, dass "sich viele Regeln erstmal auf dem Platz beweisen müssen".

Der Spieler muss die nahegelegndste Platzbegrenzung zum Verlassen des Spielfeldes nutzen. (Quelle: rbb)
| Bild: rbb

Änderungen auch für Torhüter

Das gilt zum Beispiel für eine Regel, die in Zukunft für Torhüter gilt. So müssen die Keeper bei Elfmetern zum Zeitpunkt des Schusses nur noch mit mindestens einem Fuß die Torlinie berühren. Bislang mussten die Torhüter mit beiden Füßen auf der Linie stehen. Weiterhin ist ihnen allerdings untersagt, vor oder hinter der Linie zu stehen. Da es für den Schiedsrichter bislang schwer zu erkennen war, ob der Torwart zum Zeitpunkt des Schusses wirklich vollständig auf der Linie stand, und die Regel so nur selten eingehalten wurde, wird sie nun angepasst.

Ab sofort sollen Vergehen stärker geahndet, der Elfmeter wiederholt und eine gelbe Karte gezeigt werden. Hierzu kann auch der Videobeweis herangezogen werden. Einzig im Elfmeterschießen soll bei Regelbrüchen auf eine gelbe Karte verzichtet werden. So soll verhindert werden, dass ein Torhüter möglicherweise im Elfmeterschießen mit Gelb-Rot vom Platz fliegt.

Für Jörg Wehling entstehen durch die beschlossenen Regeln aber auch Probleme: "Regelveränderungen, die mit Blick auf professionelle internationale Spiele getroffen wurden, sind für den Amateurbereich manchmal schwer umzusetzen", sagt er. Technische Hilfsmittel wie den Videobeweis gibt es im Amateurfußball nicht, die Schiedsrichter werden bei ihren Entscheidungen noch stärker gefordert.

Torwart darf Linie nicht verlassen. (Quelle: rbb)
| Bild: rbb

Angreifer dürfen nicht mehr in Freistoßmauer

Eine weitere Änderung bei Elfmetern verbietet es den Keepern jetzt, den Schützen durch das Anschlagen des Tores zu iritieren. Das Tor darf vor einem Strafstoß nicht vibrieren, das Tornetz sich nicht mehr bewegen. 

Das Ablenken des Schützens soll auch bei Freistößen eingedämmt werden. So darf sich ein Spieler der ausführenden Mannschaft nicht mehr in die Mauer des verteidigenden Teams stellen. Die Regel gilt, sobald mindestens drei Spieler in der Mauer versuchen, den Ball abzuwehren. So soll verhindert werden, dass ein Angreifer die Verteidiger in der Mauer behindert. Die Stürmer müssen ab sofort mindestens einen Meter Abstand zur Freistoßmauer halten.

Auch im laufenden Spiel gibt es Regeländerungen. "Der Schiedsrichter ist Luft", hieß es bislang in den großen Fußballstadien und auf den regionalen Sportplätzen. So wurde das Spiel bislang nach der Berührung des Balls durch den Schiedsrichter nicht unterbrochen, auch wenn ein Ballbesitz- oder Richtungswechsel stattfand. Dies soll sich nun ändern. Berührt der Schiedsrichter den Ball und dieser geht im Anschluss ins Tor, der Ballbesitz wechselt oder ein Angriff wird verhindert, gibt es nach den neuen Regeln einen Schiedsrichterball. Für Jörg Wehling ist das eine der wichtigsten Regeländerungen des ausführlichen Katalogs: "Schiedsrichter werden in Zukunft einen höheren Stellenwert im Spiel haben. Diese Regeländerung gefällt mir sehr gut", sagt er.

Der eigene Mann darf sich nicht mehr näher als einen Meter neben der Mauer befinden. (Quelle: rbb) Q
| Bild: rbb

Klarheit bei der Handregelung?

Auch beim Thema Handspiel hat das IFAB Regeländerungen verabschiedet. Gerade in der vergangenen Saison sorgten Handspiel-Entscheidungen weltweit für reichlich Gesprächsstoff bei Fußballfans. Durch die neue Regelung soll ein Handspiel nun einheitlicher und deutlicher bewertet werden. So soll ein Tor immer aberkannt werden, wenn es mit dem Arm oder der Hand erzielt wurde. Dabei ist es egal, ob dies absichtlich oder unabsichtlich geschehen ist.

Als Handspiel soll auch die sogenannte "unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche", beispielsweise durch das Abspreizen des Arms, und ein anschließendes Spielen des Balls mit der Hand gewertet werden. Kein Handspiel ist es hingegen, wenn der Ball vom eigenen oder dem Körper eines anderen Spielers an die Hand oder den Arm springt. Wenn der Spieler den Ball im Fallen mit der Hand berührt, soll der Schiedsrichter ebenfalls nicht auf Handspiel entscheiden.

"Oberstes Ziel bei der Handregelung ist zu sagen: Es kann keine Schwarz-Weiß-Entscheidung geben. Handspiel ist nie eine Schwarz-Weiß-Entscheidung. Beim Handspiel handelt es sich immer um eine Bewertungsfrage", erklärt Jörg Wehling. Er glaube, dass es auch in Zukunft zu strittigen Entscheidungen kommen werde, sei aber froh, dass es jetzt "klarere Linien gibt" als noch in der vergangenen Saison.

Schulungen für alle Schiedsrichter

Im Berliner Fußballverband wie auch bundesweit laufen seit Wochen Schulungen für die Schiedsrichter und Vereine, um sie vor dem Beginn des Spielbetriebs auf die neuen Regeln vorzubereiten. "Jeder Verein hat ein Anrecht darauf geschult zu werden. Jeder Klub hat Schiedsrichter in seinen Reihen, die angesprochen werden können", sagt Jörg Wehling. Er zeigt sich aber auch sicher, dass es bei der einen oder anderen Regel gerade in der Anfangsphase noch zu Unklarheiten kommen wird: "Das vielleicht größte Problem der Regeländerungen ist, dass sie so vielfältig sind. Und das kann man einfach nicht alles am ersten Spieltag im Kopf haben", sagt er.

Es bleibt also abzuwarten, wie die Regeln in der Praxis übernommen werden. Fest steht: Lästiges Zeitspiel, wie das von Kylian Mbappé, wird in Zukunft hoffentlich nicht mehr vorkommen.

Weitere Regeländerungen:

  • Strafen für Trainer und Offizielle

  • "Kühlpause" vs. "Trinkpause"

  • Gefoulter Spieler darf immer den Elfmeter ausführen

  • Der Münzwurf

  • Schiedsrichterball nur noch für einen Spieler

  • Torwart kann durch Abwurf kein Tor erzielen

  • Tritt gegen Eckfahne verboten

  • Ball muss Strafraum beim Abstoß nicht mehr verlassen

  • Abstand beim Einwurf

  • Rückpass-Regel bei technischem Fehler aufgehoben

  • Gelb und Rot können verspätet gezeigt werden

  • Verwarnung bei unangemessenem Torjubel auch bei aberkanntem Tor

  • Farbige Unterhemden erlaubt

  • Schiedsrichterentscheidungen dürfen nicht korrigiert werden

  • Verbale Vergehen werden mit indirektem Freistoß geahndet

  • Indirekter Freistoß wird kürzer angezeigt

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