Global Champions Tour in Berlin; Archivbild vom 29.07.2018 (Quelle: imago/Camera 4)
Audio: Inforadio | 25.07.2019 | Philipp Laberenz | Bild: imago/Camera 4

Global Champions Tour in Berlin - Der große Sprung

Die Global Champions Tour macht an diesem Wochenende wieder Halt in der Hauptstadt - Springreiten der Extraklasse am Fuße des Messeturms. Im Gegensatz zu vielen anderen Großevents spielt hier der Nachwuchs eine große Rolle. Von Philipp Laberenz

Berlin und Springreiten: Das klingt noch reichlich ungewohnt. Aber aus der Hauptstadt wird allmählich doch ein Ort der Ochser und Wassergräben. Bereits zum dritten Mal lädt die Global Champions Tour in den Sommergarten der Berliner Messe.

Berlin ist die 13. Station der globalen Serie an Springreitturnieren, die höchstdotierte der Welt, heißt es. In 20 mehr oder minder mondänen Städten, von Doha (Katar) bis New York City misst sich die Elite der Springreiter. Allein an der Spree wird insgesamt eine Million Euro Preisgeld ausgezahlt. Dennoch bleibt Berlin ein Turnier mit besonderer Note.

Christian Ahlmann
Mit dabei in Berlin: Christian Ahlmann | Bild: imago/Sven Simon

Spitzensportler und Nachwuchs vereint

"Berliner Mischung", fasst der Veranstalter Volker Wulff das Rezept des Reitevents zusammen. Für ihn sei das Global Jumping aus zwei Gründen reizvoll. "Wir holen auf der einen Seite die absolute Spitze des Springsports nach Berlin", sagt er. 22 der besten 50 Reiter der Weltrangliste seien am Start. Wulff scheut dabei auch nicht den Vergleich mit dem Weihetempel des internationalen Springsports: "Beim Weltfest des Pferdes vergangenes Wochenende in Aachen waren auch nicht mehr aus diesem oberen Bereich der Weltrangliste."

Auf der anderen Seite darf beim Global Jumping auch der lokale Nachwuchs internationale Turniererfahrung sammeln. Der Springprüfung mit einem Stern sei Dank: Die sportliche Anforderungen des sogenannten CSI 1* (Conours de Saut International) liegen deutlich unter denen der Global Champions Tour. Das erlaubt es den Veranstaltern, einen regionalen Akzent bei den Einladungen zu setzen. "Kinder und jugendliche Reiter hier aus der Region haben bei diesem CSI1* die Möglichkeit, mit den ganz Großen des Springsports unter Wettbewerbsbedingungen praktizieren zu können", sagt Wulff. Es sei ein Anreiz für Mädchen und Jungen, ihren Idolen zu folgen. "Und dann haben sie sogar die Möglichkeit, neben Christian Ahlmann zu stehen, wenn der den Parcours abgeht – das schafft sehr viel Motivation und macht so eine Veranstaltung zu einer Leuchtturmveranstaltung für die Region."

Reiten im ländlichen Raum keine Randerscheinung

Die Großen und die Kleinen, Seite an Seite in der Arena im Sommergarten. Auch der Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg (LPBB) erkennt eigenen Angaben zufolge die Strahlkraft des Events in der Region. "Wir hoffen natürlich, dass es dadurch viele Menschen zum Pferdesport zieht", sagt Peter Fröhlich, der Geschäftsführer des LPBB. Der Verband schickt seine Trainer aus dem Nachwuchsbereich zum Global Jumping. Netzwerken und Nachwuchsgewinnung lauten die Stichworte. "Wir nutzen diese Plattform gerne, um den Pferdesport weiter bekannt zu machen und die Kinder ans Pferd zu führen", sagt Fröhlich.

Dabei ist Reiten gerade im ländlichen Raum gewiss keine Randerscheinung. Über das Land Brandenburg hinweg sind die Pferdefans verteilt, der Verband zählt etwa 16.000 Sportler in mehr als 460 Pferdesportvereinen. In Neustadt (Dosse) kombiniert eine Spezialklasse Reiten schulisches Lernen mit sportlicher Förderung. Damit sieht sich der LPBB bundesweit als Pionier. Folgerichtig startet bei der Prüfung CSI1* auch ein hoffnungsvolles Reittalent aus Neustadt: Maren Hoffmann gewann vergangenes Wochenende die Landesmeisterschaft der jungen Reiter.

Für Frauen tut sich eine andere Entwicklung auf. Der Familiengedanke reift für sie eher als für Männer.

Peter Fröhlich, der Geschäftsführer des LPBB

Im Profi-Reitsport dominieren die Männer

Ob sie auch mal zur Elite des Springsports zählen wird, ist ungewiss. Talent ist das eine. Wer den großen Sprung schaffen will, muss viele Hindernisse überwinden. Geld etwa: Pferdesport ist teuer. Ein weiterer Faktor: das Geschlecht. Im professionellen Reitsport dominieren die Männer. Eine Entwicklung, konträr im Vergleich zum Freizeit- und Breitensport.

"Selbst in der unteren Kategorie der Turnierebene sind mindestens 75 Prozent der Teilnehmer weiblich", sagt der LPBB-Geschäftsführer Fröhlich. Trotz gleichwertiger Ausbildung drehen sich diese Verhältnisse im professionellen Reitsport um. Unter den ersten 34 Reitern im Ranking der Global Champions Tour etwa finden sich nur sechs Starterinnen.

"Für Frauen tut sich eine andere Entwicklung auf. Der Familiengedanke reift für sie eher als für Männer", sagt Fröhlich. Während Frauen die Entscheidung zwischen Reiten, Ausbildung und Familie treffen müssten, verfolgten ihre männlichen Kollegen die sportliche Karriere, so stellt es Fröhlich dar. Im Profi-Bereich zähle zudem die Komposition aus Pferd, Bedingungen und Reiter. "Und das muss über Jahre gut zusammen gefügt werden", ergänzt er.

Turniere wichtig für den Nachwuchs

Dass solche Turniere für den Nachwuchs sehr wichtig seien, sagt auch die Topreiterin Mathilde Karlsson. "Das bringt sehr viele Erfahrungen und Eindrücke, wenn man die Möglichkeit bekommt, bei so einem Turnier zu reiten", sagt Karlsson. Davon könne man während der späteren Karriere noch lange zehren. Die Schwedin ist zum dritten Mal beim Global Jumping in Berlin. Kinder hat sie keine, wenngleich sie an die Vereinbarkeit von Profession und Familie glaube, sagt sie. Als Beispiele nennt sie Meredith Michaels-Beerbaum oder Edwina Tops-Alexander.

Ihre Basis hat die 34-jährige Karlsson bei Hamburg. Das Springen in Berlin sei ein Glücksfall, nach Stationen wie Miami und Mexiko muss sie ihre Tiere nicht wieder weit verschiffen. "Meine Pferde stehen ja nicht so weit entfernt. Das ist ja fast ein Hausturnier für mich", sagt sie und lacht. "Ich bin froh, dass Berlin endlich ein 5-Sterne-Turnier hat und dann noch auf so einem schönen Platz wie dem Sommergarten – das ist nochmal extra schön." Immerhin: Berlin und Springreiten – längst mehr als ein Sommerflirt bei fast 40 Grad Hitze.

Sendung: Inforadio, 25.07.2019, 12:10 Uhr

Beitrag von Philipp Laberenz

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Augen zu und durch: Simon Ernst im intensiven Duell mit der Leipziger Abwehr. / imago images/Hartmut Bösener
imago images/Hartmut Bösener

23:24 in Leipzig - Füchse Berlin unterliegen trotz furiosem Start

Bitterer Saisonauftakt für die Füchse Berlin: In Leipzig verlor der Handball-Bundesligist am Ende mit 23:24 (14:10) - und das, obwohl das Team von Velimir Petkovic einen perfekten Start in die Partie erwischt hatte. Die Entscheidung fiel drei Sekunden vor Schluss.