Patrick Hausding. / imago/Insidefoto
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Audio: Inforadio | 12.07.2019 | Lars Becker | Bild: imago/Insidefoto

Schwimm-WM in Südkorea - Zwischen Finalträumen und Verletzungssorgen

14 Berliner Sportler und einer aus Brandenburg. Wenn am Freitag die Schwimm-Weltmeisterschaften in Südkorea beginnen, ist die Region stark vertreten. Besonders gilt das für Wasserpringen und Wasserball. Im Becken hingegen gibt es nur eine Hoffnung. 

Die Augen der Schwimm-Welt richten sich ab Freitag auf Gwangju. 330 Kilometer südlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul werden dort vom 12. bis zum 28. Juli die Weltmeisterschaften ausgetragen. Über 2.600 Sportler treten im vorolympischen Jahr an. Das deutsche Team ist mit 64 Athleten vor Ort - 15 Sportler kommen aus Berlin und Brandenburg. Sie sind - mal wieder - gefordert, einen Neuanfang einzuleiten. Oberste Priorität: Das nächste Frusterlebnis vermeiden. Denn davon gab es zuletzt eine Menge im deutschen Schwimmsport, in dem es auch auf Verbandsebene reichlich turbulent zuging. Der große Medaillenregen ist also beim Messen mit den Besten der Besten wahrlich nicht zu erwarten. Ein regionaler Überblick.

Wasserspringen

Zehn Wasserspringer sind bei der WM für Deutschland dabei. Und gleich sieben von ihnen - drei Frauen und vier Männer - haben ihre sportliche Heimat beim Berliner TSC. Eigentlich wären es sogar acht gewesen. Doch Pauline Pfeif musste kurzfristig wegen Rückenproblemen passen. Das teilte Wilhelm Kopatz, Fachwart für Wasserspringen in Berlin, rbb|24 auf Nachfrage mit. 

Mit Podiumsplätzen dürfte es schwierig werden. Selbst für Deutschlands besten Wasserspringer, der im Team als absoluter Edelmetall-Garant gilt. Eigentlich. Doch bei Patrick Hausding kam gewaltiges Verletzungspech dazwischen. Chronische Knieschmerzen plagen ihn ohnehin. Zum Verhängnis wurde dem 30-Jährigen aber ein Trainingssprung auf dem Trampolin Anfang des Jahres. Er landete nicht auf den Füßen, sondern auf Kopf und Nacken. Die Folge? Ein Nervenschaden an zwei Fingern, ein Bündelriss im Rückenmuskel und ein geprellter Nackenwirbel.

Bei der WM wird er zwar wieder auf dem 1- und 3-m-Brett stehen - auf letzterem sogar gleich zweifach, weil er auch im Synchronspringen mit Partner Lars Rüdiger antritt. Aber nach der Vorgeschichte noch lange nicht da, wo er mal war. Die Ziele sind deshalb für seine Verhältnisse eher niedrig gesteckt. Mit dem Finale soll es vom 3-m-Brett klappen. Das ist wichtig, weil Hausding damit einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2020 sichern würde. Der Stimmung tut die schwierige sportliche Lage keinen Abbruch: "Die Leute hier sind sehr höflich und sehr hilfsbereit, mein Eindruck ist erstmal durchweg positiv", sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Die weiteren regionalen Starter:

Lena Hentschel / 1-m-Brett (Einzel) und 3-m-Brett (Einzel und synchron); Maria Kurjo / 10-m-Turm (Einzel und Mixed); Lou Massenberg / 3- und 10-m-Turm, jeweils als Synchronpaar mit Timo Barthel; Lars Rüdiger / 3-m-Brett (synchron/Mixed); Frithjof Seidel / 1-m-Brett; Christina Wassen / 10-m-Turm (Einzel und synchron mit Tina Punzel)

Christian Diener bei der Kurzbahn-WM in China. Quelle: imago/GEPA Pictures
Christian Diener. | Bild: imago/GEPA Pictures

Schwimmen

Christian Diener. Punkt. Das war's. Der 26-jährige Schwimmer ist der einzige Sportler aus der Region, der in den Beckenwettbewerben ins Rennen geht. Über 200 Meter ist für den Rückenspezialisten das Finale drin - wenn alles gut läuft. Seine Zeit als Schwimmer begann in Kindertagen beim PSV Cottbus 90. 2005 wechselte er dann in die brandenburgische Landeshauptstadt. Er schwimmt für den Potsdamer SV im OSC. Der Sportsoldat, der von Jörg Hoffmann trainiert wird, ist mehrfacher deutscher Meister und schaffte es auch bei Europameisterschaften bereits in die Medaillenränge. Zuletzt holte er auf europäischer Bühne 2018 in Glasgow Bronze mit der Lagenstaffel über 4 mal 100 Meter.

Mit Isabel Gose ist zudem noch eine gebürtige Berlinerin bei der WM dabei, die dem Stützpunkt in Potsdam jedoch Anfang 2018 den Rücken gekehrt hat - und seitdem in Heidelberg zuhause ist. Es war ein Abgang im Streit, der sich an der Trainerposition entzündete. Die erst 17-Jährige konnte zuletzt bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Kasan gleich mehrere Titel abräumen. 

Wasserball

Die Wasserball-Nationalmannschaft ohne Power von Spandau 04? Undenkbar! Gleich sieben Spieler des deutschen Meisters gehören zum Aufgebot. Sie machen somit mehr als die Hälfte des 13-köpfigen Kaders aus. Marko Stamm führt das Team als Kapitän an. Und der Mann am Beckenrand ist nicht nur sein Vater, sondern auch Spandauer durch und durch. Hagen Stamm - Spitzname: "Mr. Wasserball" - ist seit mehr als zwei Jahren wieder Bundestrainer.

Und das auf Bitten seines Sohnes. "Marko hat gesagt: Papa, mach's noch mal! Ich will die Chance haben, nach Tokio [Anm. d. Red.: Dort finden 2020 die Olympischen Spiele statt] zu fliegen. Da konnte ich nicht nein sagen", erzählte der 59-Jährige jüngst im Interview mit dem Sport-Informationsdienst (SID). Doch zunächst steht nun die WM an. Für diese sind die deutschen Wasserballer zum ersten Mal seit 2013 wieder qualifiziert.

Das Ziel in Gwangju lautet Top acht. Die Gegner in der Vorrunde heißen Japan, Brasilien und Italien. Eine durchaus dankbare Konstallation. "Der Wasserballgott hatte bei der Auslosung eine deutsche Badehose an", sagte Stamm dem SID. Am Montag geht es für sein Team los. Übrigens: Auch ein Potsdamer hat noch Chancen, zur Mannschaft zu stoßen. Hannes Schulz vom OSC ist ist einer von zwei Nachrückern, der im Falle von Verletzungen zum Einsatz kommen könnten.

Die Spandauer im Trikot der Nationalmannschaft:

Mateo Cuk, Maurice Jüngling, Ben Reibel, Marin Restovic, Marko Stamm, Denis Strelezkij, Lucas Gielen

Sendung: Inforadio, 12.07.2019, 11:15 Uhr

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