Fans von Union Berlin empfangen vor dem Relegationsrückspiel im Stadion An der Alten Försterei den Union-Mannschaftsbus. (Quelle: imago/Eberhard Thonfeld)
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Audio: Inforadio | 12.07.2019 | Sebastian Schöbel | Bild: imago/Eberhard Thonfeld

Verkehrskonzept Alte Försterei - Union Berlin muss noch sieben Saisons improvisieren

Eigentlich wollte Union Berlin das Stadion an der Alten Försterei bis Sommer 2020 ausbauen. Dass daraus nichts wird, hat auch mit dem fehlenden Verkehrskonzept zu tun. Das ist noch immer nicht fertig - und wird auch so bald nicht fertig werden. Von Sebastian Schöbel

Fünf Heimspiele hat Union Berlin in der vergangenen Saison ausverkauft, im Schnitt kamen 21.200 Zuschauer - eine Auslastung von über 90 Prozent. Bald beginnt das "Abenteuer 1. Liga", und wenn die Begeisterung der Fans nach dem Aufstieg nicht trügt, wird das Stadion An der Alten Försterei wohl bald bei jedem Heimspiel der "Eisernen" bis auf den letzten Platz gefüllt sein.

Die Straßen rund ums Stadion, die S-Bahnen und die Trams in Köpenick werden also an den Spieltagen noch öfter voll sein als bisher. Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) sieht trotzdem keinen dringenden Handlungsbedarf. "Es werden zukünftig ja nicht sofort Tausende Menschen mehr in dem Stadion sein", sagte Günther jüngst im Abgeordnetenhaus.

Ohne Verkehrskonzept kein Bebauungsplan

Rein rechnerisch stimmt das: Der Stadionausbau auf gut 37.000 Plätze wurde schließlich verschoben, der Bebauungsplan wird noch immer in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bearbeitet. Und es geht nur schleppend voran, weil das endgültige Verkehrskonzept fehlt, stellte Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) klar: "So lange wir ihn nicht haben, haben wir keine Chance, den Bebauungsplan rechtssicher festzusetzen."

Eine Arbeitsgruppe von Senat, Bezirk und Verein soll klären, wie die Zuschauerströme der ausgebauten Alten Försterei gemeistert werden sollen. Am Donnerstag saß die AG zusammen, neben Union-Präsident Dirk Zingler waren auch Verkehrsstaatsekretär Ingmar Streese und der Baustadtrat von Treptow-Köpenick, Rainer Hölmer, dabei. Eine schnelle Einigung ist allerdings nicht in Sicht. "Ich denke, dieses Jahr wird schon noch vergehen", sagte Hölmer nach dem Treffen dem rbb.

Zeithorizont: 2026

Zwar hat Union Berlin Ende 2018 bereits einen ersten Entwurf für ein Verkehrskonzept vorgelegt. Darin enthalten: Bessere Fußwege, mehr S-Bahn-Züge, mehr Trams, mehr Fahrradstellplätze, mehr Auto-Parkplätze. Der Bezirk kann das unterstützen, so Hölmer. Bis auf einen Punkt: "Es hilft dem Bezirk nicht, mehr motorisierten Individualverkehr reinzubringen, also mehr Pkw. Wir brauchen S-Bahn-Verstärkung, Straßenbahnverstärkung, bessere Radverkehrsverbindungen. Das ist aus bezirklicher Sicht der Schwerpunkt."

Große Hoffnung wird auf den Ausbau des Bahnhofs Köpenick zum Regionalbahnhof gelegt. Die Sache hat nur einen Haken, räumt Hölmer ein: Bis zur Eröffnung werden noch mindestens sieben Bundesligasaisons vergehen. "Vor 2026 ist vieles schwierig. Das ist der Hauptknackpunkt, weil wir natürlich Übergangslösungen brauchen. Aber da arbeiten wir dran."

Möglichkeiten der Bahn und BVG begrenzt

Der Spielraum für diese Übergangslösungen ist allerdings nicht besonders groß. So teilte die BVG auf Nachfrage des rbb mit: Zusätzliche Trams würden an Spieltagen schon eingesetzt, müssten aber wegen fehlender Abstellgleise an weit entfernten Haltestellen warten, was Verstärkerfahrten "erheblich" einschränke. Stattdessen könne man doch am Bahnhof Köpenick ein zusätzliches S-Bahngleis bauen, schlägt die BVG vor.

Die Bahn geht darauf allerdings nicht ein. Stattdessen verweist sie lediglich auf die Möglichkeit, mehr Fahrten auf der S3 und längere Züge mit acht Wagen auf der S47 anbieten zu können. Gebe es mehr Bedarf, müsse das Land Berlin das entsprechend anmelden.

Bezirksstadtrat Rainer Hölmer gibt sich dennoch optimistisch: Zumindest bei Union Berlin sei derzeit noch keine Resignation zu spüren. "Der Verein ist konstruktiv in das Verfahren eingebunden und es läuft eigentlich recht gut." In drei Monaten sei das nächste Treffen geplant, so Hölmer.

Oder wie es die "Eisernen" im Kalender eintragen können: Zwischen Wolfsburg auswärts und Freiburg daheim.

Kommentar

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22 Kommentare

  1. 22.

    Das ist echt typisch Köpenick....Gibts dort keine Leute, die worst case Szenarien entwerfen können?
    Bsp: Sperrung Allendebrücke, Ausarbeitung Verkehrskonzept 3 Tage, Stromkabel (redundante Wegeführung, Bohrkrone erwischt 2 Kabel - die Krone möchte ich sehen, die nach Trennung von 10 kV noch weiterbohren kann..., 31 h Reperatur, Info in Medien, die ohne Strom an Sendemasten, in DSLAMs u.a. Technischen Einrichtungen nicht sehr lange weiter funktionieren) und nun: Überraschung, Union spielt erstklassig und keiner kommt hin......
    Upps, wie konnte das passieren? War eigentlich doch erst am Santnimmerleinstag vorgesehen, und auch die Expertenstudie zum Stadionausbau ist erst seit einer Stunde bekannt. Wer will hier eigentlich wen auf den Arm nehmen? Der Bürger hat die Schnauze voll vom PingPong Spiel zwischen Bezirk und Senat, bzw. deren Verwaltungen. An wem oder was liegt es, dass in diesem Jahr keine Lösung gefunden wird? Muss alles erst Chefsache werden, um zueinander zu kommen?

  2. 21.

    Da reden die Grünen immer übers Klima, aber in Berlin versauen sie es. Regionalbahnhof Köpenick, Strassenbahnwendeschleife, höhere Taktung S-Bahn
    Strassenbahn, Bus nichts bekommt die grüne Verkehrsenatorin hin. Nur aus den benannten Gründen erhöht sich der Individualverkehr, also höhere Schadstoffausstoß. Die Grünen können nur reden und fordern, ihr Handeln entspricht nicht ihren Aussagen.
    Und nein im Umfeld des Stadion sind keine 15000 Fahrradparkplätze.

  3. 20.

    Wen wundert es denn da noch das nichts geht. Bei der Allende Brücke wurde solange gewartet bis nichts mehr ging. Ein richtiges Verkehrskonzept zur Umfahrung gab es nicht. Köpenick hat noch eine Brücke wo vor vielen Jahren eine Behelfsbrücke angebaut wurde. Eigentlich sollte die wieder verschwinden......
    Der Güterbahnhof in Köpenick sollte auch schon mal zum Regionalbahnhof umgebaut werden.
    Oder der Müggelturm könnte umgebaut werden.
    In der Wendenschlossstr. und Regatta Str. werden sehr viele Wohnungen gebaut. An den schmalen Strassen wurde nichts verändert. Wie auch. Parkplätze sind rar. Verkehrstechnisch müsste insgesamt sehr viel verändert werden.
    Denn auch Union macht Köpenick über seine Bezirksgrenzen bekannt.

  4. 19.

    alles was mit bauen oder errichten zu tun hat, geht in Berlin nicht mehr(zu normalen Zeitabläufen).....ein gleis an die alte Försterei....komme aus dem lachen nicht mehr raus,
    die können sowas doch gar nicht mehr...ich will die Beispiele nicht alle anführen....es ist einfach peinlich und auch traurig....

  5. 18.

    Senatorin Günther hat vor Wochen den Auftrag vom Regierenden Bürgermeister erhalten ein Verkehrskonzept für das Stadion zu entwickeln, da das konzeptionelles Denken und Handeln ihr und ihrer Behörde völlig fremd zu seinen scheint, wird kein Handlungsbedarf gesehen. Das sie dies so frei äußert, zeigt ihre Inkompetenz und die Führungsschwäche des Herrn Müller. Es ist ein Trauerspiel ...

  6. 17.

    Es ist vielleicht nicht so einfach aber vor und nach dem Spiel zusätzlich S-Bahnen und Trams. Ein großen kostenlosen Parkplatz etwas außerhalb und kostenlose Busshuttle zum Stadion.

  7. 16.

    Nebst nie wieder CDU für Artikel 13 gibt es jetzt noch Nie wieder Die Grünen.
    Köpenick braucht auch dringend Brücken und ein ganz neue Mitte Wendenschlossalle aberdank Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) passiert nichts.

  8. 15.

    Hallo hallo hurra wir leben in der Hauptstadt von .??? Es wird darüber geredet. Ein schneles gleis der tramm kurtz in die Försterei( wende Schleife). Ok Probleme für die Umwelt oder die Entscheidung vieler Tausend bürokratisch entscheidungen. Es giebt Länder & Städte die es viel besser hant haben .

  9. 14.

    Ich weiß gar nicht was ihr hier alle habt, das sind Politiker die nur an ihrem Schreibtisch sitzen und auf ihre Pension warten. Man sollte diese Posten mit Ingenieuren besetzt, die aber auch schon gearbeitet haben und nicht nur studiert. Sie werden es schon hinbekommen, dass das Stadion erst 2050 ausgebaut werden kann. Nur wenn es um die Belange im öffentlichen Dienst geht, wird ganz schnell entschieden. Man bekommt ja dann ab dem Jahr 2020, 150 € mehr im Monat, Ballungsgebiet Zulage, da alles teurer geworden ist, nur für die arbeitende Bevölkerung nicht die die Steuern bezahlt. Leider sind die Politiker unfähig und haben keine Lust zu helfen. Sie haben davon keinen Vorteil. Sie werden unsere Stadt schon runter wirtschaften und zu einem richtigen Dorf machen

  10. 13.

    Wie war das, Regine Günther sieht keinen dringenden Handlungsbedarf. "Es werden zukünftig ja nicht sofort Tausende Menschen mehr in dem Stadion sein" (wie auch wenn man es nicht ausbauen kann?). Da kann man mal sehen wir realitätsfern unsere Verkehrssenatorin ist. Immer nur den Ball an andere weiter schieben und nur keine Verantwortung übernehmen, das ist Berliner Politik. Mit einer solchen Einstellung hätte der 1.FC Union Berlin den Aufstieg nie geschafft!
    Das Konzept zum Ausbau des Stadions einschließlich verkehrstechnischer Vorschläge lag 2018 im Köpenicker Rathaus aus und konnte eingesehen werden. Das was ich da gesehen habe war schon beachtlich und durchaus auch kurzfristig umsetzbar, so z.B. die Kehrschleife der Straßenbahn zur Verstärkung des ÖPNV. Mir scheint hier fehlt einfach der politische Wille. Bei sportlichen Erfolgen sind Politiker immer gern vor Ort, jetzt muss aber auch mal unterstützend gehandelt werden.

  11. 12.

    Union will schon länger das Stadion ausbauen. Die haben oft die Hütte voll. Laut einem Bericht des RBB klemmt es dabei aber am Bebauungsplan, weil es keine Verkehrskonzept gibt.

  12. 11.

    Naja, bis dahin spielen die eh wieder in der unteren Liga. Also, warum jetzt hier ein riesen Aufwind machen, erstmal abwarten wie sich die Saison entwickelt.

  13. 10.

    Na Jukius dann muss man sich halt mal erkundigen. Der Senat und Brandenburg meinten das der Flughafen BER viel günstiger mit eigner Planungsgesellschaft gebaut werden kann ( Vergessen )Deshalb wollte man das Angebot über 2,5 Mrd. Euro nicht annehmen. Der Bund ist nur an den Kosten beteiligt. Es war ja auch nur ein Unternehmen das Flughäfen schon Weltweit gebaut hatte. Das hat nichts mit gegen den Senat pöbeln zu tun zeigt nur die Selbsüberschätzung unserer Poltiker. Wenn das Problem der Verkehrsanbindung schon Jahrelang bekannt ist dann spricht dieses auch nicht gerade für diese Politiker sondern eher von einem bürokratischem Moloch Berlin.

  14. 9.

    Ich wusste nicht, dass das Land Berlin einen Flughafen, gemeint ist wohl der BER, errichtet. Bisher ging ich davon aus, dass der Bund, das Land Brandenburg und das Land Berlin in gemeinsamer Verantwortung bauen. Aber, Hauptsache, mal gegen den Senat gepöbelt.

    Die Verkehrsprobleme rund um die Alte Försterei sind seit vielen Jahren bekannt. Eine einfache Lösung gibt es eben nicht. Und auch unter anderer Senatsvetantwortung sah es nicht anders aus.

    Was wäre denn Ihr Vorschlag, wie man das Stadion an der Spree in kürzester Zeit verkehrlich besser anbinden kann?

  15. 8.

    Dieses plumpe Politik/Politiker*innen-Bashing. Bei manchen Leuten ist doch egal worum es geht, es ist einfach nur ein Aufhänger.
    Vor allem vermute ich, dass es Leute sind, die bei jedem Spatenstich vor der eigenen Haustür Zeter und Mordio schreien.
    Ich bezweifle außerdem, dass eine*r von denen, die hier rum tönen, die Situation vor Ort kennen und/oder Ahnung von Bau- sowie Verkehrsplanung haben.

  16. 7.

    Macht mal aus der 7 eine 12, oder so,dann wird’s vielleicht klappen.
    Träumt weiter. 7 Saisons wäre schon ein Witz. Wo leben wir denn.
    Was ist da so schwer dran, (Zeitlich) was auf die Beine zu bekommen. Na, ja Berlin. Arm aber sexy. ...

  17. 6.

    Komisch, am Ostbahnhof, an der Stralauer Allee und in Friedrichshain bauen sie. Überall. Selbst die BVG verlagert die Buskapazitäten dorthin um. Mehr Nachfrage für Personenbeförderung versteht sich. Woran mag das liegen?
    Herr Müller sah aber auch sowas von gut aus beim Eintragen der Mannschaft ins Goldene Buch. Und erst bei der Finanzministerkonferenz im Stadion an der alten Försterei. Hach.

  18. 5.

    Was hat man denn von Berlin erwartet. Hier kann doch nichts entstehen. Bürokratisch bis zum geht nicht mehr. Können keinen Flughafen, keinen Wohnungsbau aber Schafe ansiedeln. Sozialismus pur, hatten wir aber schon und ein vergammeltes Ost-Berlin. Leider haben es die meisten schon vergessen.

  19. 4.

    Oh Mann Leute, was haben "wir" da bloß gewählt. Die kriegen doch nix auf die Reihe. Die sind dabei Hertha zu vertreiben und wie man sieht wird auch Union die Hilfe verweigert weil die eine Senatsverwaltung der Anderen sein Teufel ist. In was für traurigen Zeiten leben wir.

  20. 3.

    Das ist nicht typisch Berlin. Das ist typisch überall.

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