Matthias Rudolph, Trainer von Frauen-Bundesligist 1. FFC Turbine Potsdam (Quelle:imago images / foto2press)
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Interview | Turbine-Trainer Matthias Rudolph - "Frauen haben mehr Ausdauer als Männer"

Turbine Potsdam gehört zu den erfolgreichsten Frauen-Fußballvereinen in Deutschland. Vor dem Start der neuen Saison hat Potsdam gegen viele Männermannschaften getestet. Trainer Matthias Rudolph über die Vorteile der Frauen und die Reaktion der Männer.

rbb|24: Herr Rudolph, Sie haben in dieser Vorbereitung, wie auch in den letzten Jahren, viele Testspiele gegen Männermannschaften gemacht. Warum?

Das hat viele Gründe. Zunächst einen ganz praktischen: Es gibt in der Gegend um Potsdam viele Männermannschaften, aber keine Frauenteams, mit denen wir uns messen können. Im Trainingslager in Österreich testen wir auch gegen Frauen-Mannschaften aus der österreichischen Bundesliga. Testspiele hier in der Region haben noch einen Vorteil: Wir können uns als Turbine Potsdam präsentieren und vielen Fans und den gegnerischen Männermannschaften zeigen: Der Frauenfußball hat sich toll entwickelt.

Gegen die U15-Mannschaft von Hertha BSC haben Sie mit Ihrer Mannschaft 2:4 verloren.

Wir suchen unsere Gegner natürlich nach gewissen Aspekten aus. Bei Herthas U15 ging es um Schnelligkeit. 14-jährige Jungs sind flink, handlungsschnell, da passiert alles in sehr hohem Tempo. Das wollten wir in dem Spiel trainieren. Wenn wir gegen ältere, unterklassige Männermannschaften spielen, können wir viele taktische Systeme ausprobieren. Vor allem in der Offensive, weil die Abwehr unserer Gegner uns viele Lücken lässt.

Was ist anders im Spiel gegen Männermannschaften?

Wir versuchen, unser System durchzuziehen, deshalb gibt es keinen großen Unterschied. Wobei: Solche Spiele finden unter dem Motto statt: Die Männer sollen nicht grätschen, sonst wäre die Verletzungsgefahr zu groß. Bei Spielen gegen andere Frauenteams aber ist die Aggressivität deutlich höher.

Gerade in unterklassigen Männermannschaften geht es recht derb zu. Kassieren Ihre Spielerinnen mal einen Spruch?

Ich bin jetzt seit drei Jahren Trainer bei Turbine Potsdam. Vorurteile gegenüber unseren Spielerinnen sind mir nicht begegnet. Im Gegenteil. Die Anerkennung, vor allen Dingen nach dem Spiel, ist groß. Alle merken: Die können richtig gut Fußball spielen.

Was können Ihre Bundesliga-Spielerinnen besser als manche Männerteams?

Frauen können mehr trainieren als Männer - sie haben viel Ausdauer. Und sie sind technisch stark. Gerade in den letzten drei, vier Jahren hat sich der Frauenfußball sehr entwickelt. Das hat man im Sommer auch bei der Weltmeisterschaft gesehen: Spielerinnen aus England oder den USA sind sehr athletisch, in den Vereinen wird sehr professionell gearbeitet – das ist mit dem Fußball vor zehn Jahren nicht zu vergleichen.

Auch in Deutschland gibt es immer mehr Vereine, die mit Männerteams in der Bundesliga stehen und im Frauenfußball angreifen wollen: Wolfsburg, Bayern, Hoffenheim und Freiburg. Was kann Turbine Potsdam dem entgegensetzen?

Wir haben eine tolle Infrastruktur. Wir haben die Sportschule auf dem Gelände und können viel auf eigene Talente setzen. Nur die Qualität unserer Trainingsplätze könnte noch etwas besser sein. Die Politik und Wirtschaft in Brandenburg sollte auf die Karte Frauenfußball setzen. Turbine Potsdam spielt in der 1. Liga, danach kommt lange nichts. Die erste Männermannschaft spielt in der vierten Liga. Da würden wir uns etwas mehr Unterstützung wünschen.  

Mit welchen Zielen gehen Sie in die neue Saison?

Wir wollen nach den Abgängen vieler Stammspielerinnen [die Nationalspielerinnen Svenja Huth, Felicitas Rauch und Amanda Ilestedt haben Potsdam verlassen, Anm. d. Redaktion] wieder eine schlagkräftige Mannschaft aufstellen. Wir geben den jungen Spielerinnen Zeit, sich zu entwickeln. Wir haben gute Testspiele gemacht und der Einsatz im Training ist gut, ich bin sehr zuversichtlich.  

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Dennis Wiese.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Geht mir genauso. Ich gehe mittlerweile auch lieber zum Frauenfußball. Da geht es tatsächlich noch um den Sport und nicht um das ganze Gedöns drumrum.

  2. 1.

    "Frauen haben mehr Ausdauer als Männer"
    Stimmt, wenn sich meine Holde was in den Kopf gesetzt hat, sehe ich meistens alt aus ... ;-) .

    "Frauenfussball" (diese Bezeichnung und die damit verbundenen Ansichten sind echt unterirdisch).

    Da wird "geholzt", "gerempelt" - oft ohne Ende. Aber keine spielt den Ronaldo oder macht den Zidane. Hart aber fair!
    Sehe ich lieber wie die "Mans-Games".

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