Laura Vargas Koch
Bild: imago/Camera 4

Judoka Laura Vargas Koch vor WM - "Mein Ziel ist eine Medaille. Ich weiß, dass ich das kann"

Laura Vargas Koch bereitet sich zur Zeit auf die Judo-WM in Tokio vor. Die Olympia-Dritte von 2016 will nach überstandener Verletzung wieder eine Medaille gewinnen. Wir haben die Kreuzbergerin in ihrem Kiez getroffen.

Laura Vargas Koch begrüßt uns mit einem Ritsu Rei, einem traditionellen japanischen Judo-Gruß, auf einer Brücke am Görlitzer Ufer. In der Umgebung des Landwehrkanals in Kreuzberg hat sie schon als Kind gespielt: "Wir sind hier in der Gegend viel Skateboard gefahren und vor allem rumgeklettert. Überall, wo man hochklettern konnte, waren wir drauf." Heute kehrt die 29-Jährige immer wieder gerne zurück. Wenn sie Zeit hat.

Denn die dreifache Deutsche Meisterin hat einen vollgepackten Terminplan. Nicht nur, weil sie immer noch zu den besten deutschen Judokas des Landes zählt und dafür jeden Tag hart in ihrer Wahlheimat Köln trainiert. Sondern auch, weil sie neben ihrer Karriere in Mathematik promoviert.

Immer, wenn sie Zeit hat, schreibt sie für ihre Arbeit, sagt sie. So selbstverständlich wie ein weißer Kampfanzug beim Judo.

Von Judo im Kinder-Hort zu Bronze bei Olympia

Ihre Nachmittage verbrachte die Tochter eines Chilenen und einer Deutschen nach Schulschluss im Kreuzberger Schülerladen, einem selbstverwalteten Hort in der Lausitzer Straße.

Dort entdeckte sie schon früh ihre Leidenschaft für Kampfkunst: "Da oben, das war der Toberaum", erzählt sie im Hof des alten Industriegebäudes. "Wir haben Matten auf den Boden gelegt und dann immer Judo gespielt. Einer war Kämpfer, der andere Trainer oder Schiedrichter", sagt sie und lächelt.

Ab ihrem achten Lebensjahr gings dann mehrmals in der Woche vom Toberaum in die Turnhalle. Zum richtigen Judotraining beim TSV Lurich 02.

Laura Vargas Koch gewinnt Bronze-Medaille in Rio
Laura Vargas Koch wird in Rio de Janeiro 2016 mit der Bronzemedaille ausgezeichnet.Bild: imago/Rene Schulz

Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio

Es folgte eine beispiellose Karriere mit dutzenden Erfolgen und Medaillen bei nationalen und internationalen Turnieren. Als Mitglied des Berliner Judo Clubs tritt sie in der Judo-Bundesliga für den TSV Großhadern an.

Ihren größten Triumph feierte die Kreuzbergerin bei den Olympischen Spielen in Rio 2016. Im Kampf um Platz 3 bezwang sie die Spanierin Maria Bernabeu und gewann die Bronze-Medaille.

Nach Olympia-Glück folgt Verletztungs-Pech

Von dort an ging es bergab: "Ich hab mir gleich danach im Bundesliga-Finale das Kreuzband gerissen." Nach einem Jahr Verletztungspause und der Rückkehr überdehnte sie es sich kurze Zeit später wieder und riss sich das Syndesmoseband im Sprunggelenk. "Danach habe ich erstmal eine längere Reha gemacht, um wieder volles Vertrauen in meinen Körper zu gewinnen. Jetzt ist wieder alles gut."

Gemeinsam mit der Nationalmannschaft trainiert die 29-jährige gerade noch im Bundesleistungszentrum in Kienbaum. Ein letzter Feinschliff vor der WM: "Da geht's vor allem um Taktik und wie ich was richtig umsetze." Am 21. August fliegt sie dann nach Japan.

Laura Vargas Koch
Laura Vargas Koch ringt eine Gegnerin zu Boden.Bild: imago/Lackovic

"Mein Ziel ist auf jeden Fall, eine Medaille zu gewinnen"

Die Kreuzbergerin will auf der großen Bühne der Judo-WM in Tokio wieder angreifen und wissen, ob sie nach ihren Verletzungspausen und durchwachsenen letzten Turnieren noch zur Weltspitze gehört: "Mein Ziel ist es auf jeden Fall, eine Medaille zu gewinnen. Ich weiß, dass ich das kann."

Der Erwartungsdruck ist hoch: denn es geht auch darum, sich für die nächsten Olympischen Spiele 2020 zu empfehlen. In der gleichen Stadt, in der jetzt die WM stattfindet.

Die Olympischen Spiele sollen dann der Schlusspunkt ihrer einzigartigen Karriere sein.

"Es gibt neben Judo noch viele andere Sachen im Leben, die mir Spaß machen. Ich kann auch ganz gut rechnen."

Sendung: rbbum6, 19.08.2019, 18 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Deutschlands Volleyballerinnen jubeln (Quelle: imago/Conny Kurth)
imago/Conny Kurth

Interview | Volleyball-EM der Frauen - "Wir haben alle riesig Bock"

Erstmals findet die Volleyball-Europameisterschaft der Frauen in vier Ländern statt: Polen, Slowakei, Türkei und Ungarn. Lisa Gründing vom SC Potsdam berichtet im Interview vor dem Start am Freitag über Reiseplanung, Ziele und ihr Rezept gegen Lagerkoller.

Berlin: Handball: Bundesliga, Füchse Berlin - HSG Wetzlar, 34. Spieltag. Berlins Trainer Velimir Petkovic steht gestikulierend am Spielfeldrand. (Quelle: dpa/Gora)
Video: rbb um6 | 21.08.2019 | Jörg Hellwig

Füchse Berlin vor Bundesligaauftakt - "Am Sonntag geht es um alles"

Die vergangene Bundesligasaison war hart für die Füchse Berlin - viele Verletzte und noch mehr Niederlagen brachten Unmut. Das soll in der neuen Spielzeit anders werden. Doch schon vor dem Start am Sonntag plagen den Coach Verletzungssorgen.