Voller Einsatz: Tobias Eisenhuth im Duell mit Bayerns Renato Sanches. / imago/Matthias Koch
Video: rbb24 | 13 Uhr | Simon Wenzel | Bild: imago/Matthias Koch

DFB-Pokal | 1:3-Niederlage gegen Bayern München - Energie Cottbus scheidet nach leidenschaftlichem Kampf aus

Es war ein intensives Duell, das Energie Cottbus dem deutschen Meister in der ersten Runde des DFB-Pokals lieferte. Vor mehr als 20.000 frenetischen Zuschauern war Bayern München zwar überlegen. Das Ergebnis blieb aber lange knapp - und die Sensation in Reichweite.

Sie hatten verloren - und konnten trotzdem stolz auf sich sein. Energie Cottbus gab in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Bayern München alles, hielt die Partie lange offen - und unterlag dem deutschen Meister am Ende mit 1:3 (0:1). Von dem gab es viel Lob für einen Abend, den sie in der Lausitz wohl lange nicht vergessen werden. "Das ist eine Fußballstadt. Bei Energie Cottbus ist es für uns nie einfach gewesen", sagte etwa Bayern-Keeper Manuel Neuer - und setzte sein weltmeisterliches Lob fort: "Sie haben es toll gemacht. Alle waren mit dem Herzen dabei. Das hat man gesehen. Für einen Viertligisten war das richtig gut heute."

Das Stadion? Ohrenbetäubend!

Auch die Zuschauer waren gekommen, um alles zu geben - an diesem Flutlicht-Abend, der an die großen Zeiten erinnerte: bedingungslos, für ihr Energie Cottbus. Und so war es eine ohrenbetäubende Emotionalität, die von den rot-weißen Rängen auf den Rasen schwappte. Bejubelt wurde jeder noch so kleine Erfolg gegen den übermächtigen Gegner. Ein Einwurf - herausgeholt in der gegnerischen Hälfte - reichte, um dem Dauer-Gesang noch eine begeisterte Spitze zu geben.

Es war eine Atmosphäre, die dem jungen Team - gespickt mit Spielern, die noch nie vor so vielen Zuschauern gespielt hatten - spürbar Kraft gab. Sie kämpften mit so viel Mut, wie ihn ein Regionalliga-Team gegen den deutschen Meister nur zeigen kann. Natürlich waren sie spielerisch unterlegen. Natürlich wurden sie zunehmend in die eigene Hälfte gedrängt. Und natürlich kam Bayern auch zu Chancen. Doch das Team von Claus-Dieter Wollitz hielt dagegen.

Lennart Moser wächst über sich hinaus

Alle diejenigen unter den Zuschauern, die ein schnelles Bayern-Torfestival befürchtet hatten, mögen nach einer halben Stunde mit freudigem Erstaunen auf die Anzeigetafel geschaut haben: Zwei Nullen standen dort. Das lag auch an Lennart Moser. Der erst 19-jährige Keeper der Cottbuser hatte in den ersten Spielen der Regionalliga-Saison nicht nur glücklich ausgesehen - gegen die Weltklasse-Offensive der Münchner erwischte er einen Glanztag.

So wie in der 14. Minute, als Kingsley Coman flankte, Robert Lewandowski fand und der Top-Stürmer des deutschen Oberhauses aus neun Metern abschloss. Moser - Leihgabe von Union Berlin - flog vor der Cottbuser Fankurve. Und er lenkte den Ball an die Latte. "In dem Moment hat es sich ganz normal angefühlt", sagte er nach dem Spiel. "Man probiert einfach, den Ball zu halten. Da habe ich jetzt nicht drauf geachtet, wer ihn schießt." Und: "Im Nachhinein ist es natürlich eine coole Erfahrung. Es freut mich, dass ich schon in so jungen Jahren schon gegen Bayern spielen konnte."

Lewandowski verwertet Abpraller

Auch in der 32. Minute glänzte Moser im ersten Anlauf. Joshua Kimmich brachte den Ball in den Strafraum, Coman köpfte - und er reagierte mit einem Wahnsinns-Reflex. Doch Lewandowski verwertete den Abpraller. Und da war es dann doch - das 1:0.

Moser blieb danach weiter im Mittelpunkt. Unmittelbar nach der Bayern-Führung klärte der 19-Jährige - wieder einmal - gegen Lewandowski, ehe ihm in der 39. Minute die Latte half: Corentin Tolisso hatte Coman den Ball zielgenau serviert. Dessen Kopfball flog im Bogen über Moser hinweg und klatschte ans Aluminium.

Das ist eine Fußballstadt. Bei Energie Cottbus ist es für uns nie einfach gewesen. Sie haben es toll gemacht. Alle waren mit dem Herzen dabei. Das hat man gesehen. Für einen Viertligisten war das richtig gut heute.

Manuel Neuer

Brügmann hat die Chance zum Ausgleich

So blieb Cottbus im Spiel. Ab und an hatten sie bereits in Ansätzen gezeigt, dass sie gefährlich werden können. Und in der 41. Minute folgte der erste richtige Torabschluss. Felix Brügmann kam im Strafraum an den Ball. Der Neuzugang aus Jena  - in der Regionalliga bereits dreifach erfolgreich - drehte sich. Doch am Ende zielte er deutlich über Bayern-Keeper Manuel Neuer in den Cottbuser Nachthimmel. Die Botschaft war dennoch klar: Eine Szene kann reichen - und die Sensation für den Underdog ist auf einmal wieder ganz nahe.

Das änderte sich auch nach der Pause nicht. Im Gegenteil: Cottbus traute sich ein wenig häufiger und konsequenter aus der eigenen Hälfte - und auch, wenn es keine Top-Möglichkeiten gab, so schien ein Torerfolg des Teams von Claus-Dieter Wollitz keinesfalls unmöglich. Der Regionalligist forderte den Meister. So wie in der 63. Minute Felix Geisler den französischen Weltmeister Benjamin Pavard, der gerade noch zur Ecke klären konnte.

Coman und Goretzka entscheiden die Partie

Wenig später war der Cottbuser Traum dann jedoch ausgeträumt. Kingsley Coman zog - ziemlich alleingelassen - aus knapp 20 Metern ab, traf den Ball mit voller Wucht und überwand den so starken Moser zum 2:0 (65.). An der Stimmung im Stadion der Freundschaft änderte das nichts. Das Publikum feierte weiter seine jungen Helden.

Und nicht viel hätte gefehlt, dann wäre es noch einmal spannend geworden: Moritz Broschinski schloss ab - und Manuel Neuer musste sich gehörig strecken (82.). Kurz darauf war die Partie schließlich entschieden. Leon Goretzka erzielte das 3:0 für die Münchener (85.), ehe Berkan Taz per Elfmeter zum 1:3-Endstand traf - und Manuel Neuer schlussendlich bezwang.

Sendung: rbb24, 12.08.2019, 21:45 Uhr

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2 Kommentare

  1. 1.

    Könntet ihr nicht den ARD-Hörfunk- Bericht (vom rbb) zum Nachhören reinstellen?

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