Das Ziel von Union Berlin? Gemeinsam zum Klassenerhalt! / imago/Matthias Koch
Bild: imago/Matthias Koch

Teamcheck | 1. FC Union Berlin - Mit Euphorie im Rucksack zum Klassenerhalt

Die emotionalen Bilder des ersten Bundesligaaufstiegs haben Fans und Verantwortliche des 1. FC Union noch vor Augen. Auf die Party folgt das Ziel für die neue Saison: Klassenerhalt. Für den haben die Eisernen den Kader ordentlich aufgestockt. Von Stephanie Baczyk

So lief die vergangene Saison

Neue Spieler, neuer Sportdirektor, neuer Trainer: Der 1. FC Union startete mit einem Facelifting in die zurückliegende Spielzeit - und überzeugte. Die Eisernen blieben die komplette Hinrunde über ungeschlagen - auch dank einer kompakten Defensive. Nach der Hälfte der Partien hatten sie gerade mal zwölf Gegentore kassiert.

In der Rückrunde taten sich die Unioner deutlich schwerer, ließen gerade auswärts immer wieder Punkte liegen. Wichtig, gerade für den Teamgeist, war der 2:0-Erfolg zuhause im Stadion An der Alten Försterei gegen Mit-Aufstiegskonkurrent Hamburg im April. Trotzdem performten andere Teams im Liga-Schlussspurt besser: der SC Paderborn schob sich am 1. FC Union vorbei auf Platz zwei. Das Fernduell am letzten Spieltag entschieden die Ostwestfalen trotz 1:3-Niederlage in Dresden für sich - Union hätte in Bochum gewinnen müssen, schaffte allerdings nur ein 2:2.

Die Köpenicker mussten in die Relegation, lieferten im Hinspiel in Stuttgart eine mutige, leidenschaftliche Performance ab - und erkämpften sich ein hochverdientes 2:2. Das Rückspiel in Berlin war lange Zeit eine Zitterpartie, der zwischenzeitliche Führungstreffer des VfB durch Dennis Aogo wurde zu Recht aufgrund einer Abseitsstellung zurückgenommen. Am Ende reichte Union ein 0:0 für den ersten Bundesligaaufstieg der Vereinsgeschichte - gefolgt von drei Tagen Party.

Wer kommt, wer geht

Wie hat Innenverteidiger Neven Subotic so schön mit einem Grinsen auf dem Gesicht gesagt: "Dem Kader traue ich auch zwei Saisons gleichzeitig zu!" Der zweifache deutsche Meister (kommt von Saint-Étienne) ist neben Christian Gentner vom VfB Stuttgart sicherlich der bekannteste Neuzugang des 1. FC Union. Aktuell stehen 34 Profis bei den Eisernen unter Vertrag, darunter 13 Neue - Union ist locker Transfermeister der Bundesliga.

Einige Positionen, wie die des Torhüters, sind fest vergeben - Rafal Gikiewicz bleibt die Nummer eins im Kasten. Andere sind hart umkämpft. Im Sturm hat Coach Urs Fischer mit Sebastian Andersson, Neuverpflichtung Anthony Ujah (Mainz 05) und Sebastian Polter gleich drei Sturmspitzen zur Auswahl. "Das wird in diesem Jahr sowieso das A und O sein, sich dem Erfolg unterzuordnen", so Polter. "Auch mal zu akzeptieren, dass man nicht spielt."

Auf den Flügeln haben sich gerade Marius Bülter (ausgeliehen vom FC Magdeburg) und Sheraldo Becker (Den Haag) während der Vorbereitung gut präsentiert. Während im defensiven Mittelfeld das Duo Grischa Prömel/Christian Gentner einen starken, eingespielten Eindruck hinterlassen hat, dürfte interessant werden, wer in den Innenverteidigung zum Einsatz kommt. Marvin Friedrich scheint gesetzt. Daneben kommen Neven Subotic, Keven Schlotterbeck (ausgeliehen vom SC Freiburg) und Florian Hübner in Frage. Wobei Letzterer ähnlich wie Subotic einen Großteil der Vorbereitung angeschlagen bestritten hat.

Er kann auch mal laut werden. Manchmal muss man die Ohren zumachen, manchmal muss man hören, was er sagt.

Florian Hübner

Der Trainer

Er kam, trainierte - und stieg umgehend in die Bundesliga auf: Coach Urs Fischer hat einen Traumstart bei seinem neuen Arbeitgeber hingelegt. Seit einem Jahr ist der Schweizer im Amt - Fans, Verantwortliche und Spieler schätzen seine entspannte, ruhige Art. Auf die Frage nach etwas mehr Emotionen im Saisonendspurt von der Seitenlinie aus, winkte Fischer ab. Er sei kein guter Schauspieler, Zitat: "Da wäre ich zu schlecht".

Aber in der Kabine, hinter verschlossenen Türen, kann der 53-Jährige durchaus auch anders. "Er kann auch mal laut werden", verrät Innenverteidiger Florian Hübner und schiebt mit einem Lachen hinterher: "Manchmal muss man die Ohren zumachen, manchmal muss man hören, was er sagt." Der Schweizer hat das Team im Griff, trifft, so scheint es, die richtigen Töne. Und wenn Fischer mal eine Auszeit braucht, geht er - passenderweise - leidenschaftliche gerne Angeln.

Urs Fischer wird mit Bier überschüttet (Quelle: dpa/Carstensen)

Erwartungen an die neue Spielzeit

Das Saisonziel ist klar: der Klassenerhalt. Dafür hat sich der 1. FC Union verstärkt, Coach Urs Fischer setzt auf Flexibilität, hat gerade mit dem erfahrenen Gentner im defensiven Mittelfeld einen wichtigen Mann dazu bekommen. Der Schweizer warnt allerdings auch vor überschnellen Bewertungen, sagt: "Gerade in der Bundesliga musst du lernen, zu adaptieren, dich an neue Gegebenheiten und einen anderen Fußball gewöhnen".

Die Generalprobe zuhause gegen den spanischen Erstligisten Celta Vigo verloren die Eisernen deutlich mit 0:3. Größtes Manko aus Sicht des Trainers: die Chancenverwertung. Eine Baustelle, an der es bis zum Ligastart gegen RB Leipzig am 18. August zu arbeiten gilt. Vorher steht aber noch die erste Runde im DFB-Pokal bei Viertligist Germania Halberstadt an.

Über zu wenig Unterstützung von den Rängen können sich die Profis auf jeden Fall nicht beschweren: sowohl zuhause An der Alten Försterei, als auch auswärts dürften die Unioner regelmäßig ausverkauft melden. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Stimmung 'made in Köpenick' gaben die Fans in den vergangenen Spielzeiten, als ihr Team im Pokal bei Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen ran musste: Zehntausende reisten mit und verwandelten die Gästekurve in eine rote Wand.

Sendung: rbb Inforadio, 09.08.2019, 09:44 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wünschen wir Union alles Gute, dass es mit dem Klassenerhalt klappt.

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