Der neue Trainer Ante Covic und Ondrej Duda, der Schalke-Held vom Vorjahr. / imago images/Andreas Gora
Audio: Inforadio | 30.08.2019 | Dennis Wiese | Bild: imago images/Andreas Gora

Hertha zu Gast auf Schalke - Das Hoffen auf die Initialzündung

Hertha BSC und Schalke 04 sind mit neuen Trainern in die Saison gestartet. Beide warten noch auf den ersten Sieg in der Bundesliga. Die jüngsten Erinnerungen der Berliner an Gelsenkirchen sind bestens - Wiederholung erwünscht. Von Dennis Wiese

Ondrej Duda erlebte seltene Glücksmomente. An jenem 2. September 2018 zeigte der Slowake der Liga: Seht her, hier bin ich. Duda hatte Hertha zum 2:0 bei Vizemeister Schalke 04 geschossen. Der Mittelfeldspieler hatte beide Tore erzielt. Darunter ein spektakulärer, direkt verwandelter Freistoß. Nach zuvor zwei Jahren, in denen der Slowake als großer Fehleinkauf galt, markierten diese zwei Tore in Gelsenkirchen seinen Wendepunkt.

Ondrej Duda bejubelt sein Tor gegen den FC Schalke 04 (Quelle: imago/Sven Simon)
Ondrej Duda bejubelt sein Tor gegen den FC Schalke 04. | Bild: imago/Sven Simon

Insgesamt sollte Duda auf elf Saisontore kommen. Damit war er Herthas bester Torschütze der Vorsaison, hinzu kamen sieben Vorlagen. Für Hertha BSC war das 2:0 der erste Sieg in Gelsenkirchen seit vierzehn Jahren. Und die Initialzündung für eine starke Hinrunde. "Wir hätten nichts dagegen, wenn das diesmal wieder so läuft", so Manager Michael Preetz auf der Pressekonferenz am Donnerstagmittag. Am Samstag (15.30 Uhr) ist Hertha wieder in Gelsenkirchen gefragt - fast auf den Tag genau ein Jahr nach jenem 2. September.

Neue Trainer, deftige Heimpleiten

Die Ausgangslage weist zwischen Hertha und Schalke durchaus Parallelen auf: Beide Teams haben einen neuen Trainer. Für Herthas Ante Covic und Schalkes David Wagner, der in Berlin auch als Nachfolger für Pal Dardai galt, ist es jeweils der erste Cheftrainerposten in der Bundesliga.

Auch die bisherige Ausbeute ist ähnlich: Einem Unentschieden zum Auftakt (Hertha 2:2 bei den Bayern, Schalke 0:0 in Mönchengladbach) folgte eine deutliche 0:3-Niederlage im ersten Heimspiel. Hertha unterlag Wolfsburg, Schalke am vergangenen Wochenende den Bayern.

"Wenn du nach Gelsenkirchen fährst, bist du nicht unbedingt Favorit", so Hertha-Trainer Ante Covic. "Aber wir haben unser Spiel gegen Wolfsburg genau ausgewertet. Wir haben uns Chancen kreiert. Das werden wir auch auf Schalke tun, wir müssen aber effizienter werden."

Hertha und Gelsenkirchen - die einseitige Rivalität

Für Herthas Fans sind die Königsblauen ein Rotes Tuch. Eine Begebenheit aus der Zeit des Bundesligaskandals vergessen die Berliner wohl nie, im Ruhrpott kennt diese Geschichte kaum jemand: Der Ursprung der einseitigen Rivalität liegt in der Bundesliga-Saison 1970/71. Die abstiegsbedrohten Vereine Kickers Offenbach und Arminia Bielefeld boten der Konkurrenz Geld an, damit sie Spiele zu ihren Gunsten ausgehen ließen. Viele Spieler machten mit und kassierten kofferweise Geld für verschobene Spiele - darunter auch Spieler von Hertha und Schalke.

In der Folge kam der Skandal an die Öffentlichkeit, der DFB ermittelte. Schuldige Spieler von Schalke sagten unter Eid aus, unschuldig zu sein. Unter Herthas Anhängern sollte das später zum Spitznamen "FC Meineid" führen. 

Hertha verliert gegen Schalke im DFB-Pokal, zumindest vor Gericht

In der Folgesaison standen sich Hertha und Schalke in der 1. Runde des DFB-Pokals gegenüber. Der DFB ermittelte zu dieser Zeit auch gegen Herthas Zsoltan Varga. Der Ungar war vom Sportgericht für das Spiel gesperrt, aber noch nicht verurteilt worden. Hertha protestierte gegen die Sperre scheinbar erfolgreich vor einem Berliner Gericht und setzte Varga gegen Schalke ein. Die Berliner gewannen das Spiel, verloren aber später vor dem DFB-Sportgericht. Schalke, das mit später ebenfalls verurteilten Spielern antrat, protestierte - und bekam Recht. 

Michael Sziedat, damals Spieler bei Hertha: "Wir wurden disqualifiziert, Schalke kam an unserer Stelle wieder in den DFB-Pokal-Wettbewerb. Paradoxerweise ist Schalke in dem Jahr Pokalsieger geworden - das vergisst man natürlich nicht." 

Klar, dass man bei Hertha lieber an den 2. September 2018 zurückdenkt. Den Tag, an dem ein seltener Sieg in Gelsenkirchen gelang. Und den Tag, der für Ondrej Duda und Hertha BSC einer Initialzündung gleichkam. 

Sendung: rbb UM6, 29.08.2019, 18 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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3 Kommentare

  1. 3.

    Sollte Hertha auch dieses Spiel vergeigen beginnt sie in diesem Jahr bereits mit der Hinrunde so wie in den Vorjahren die Rückrunde....

  2. 1.

    Wenn Herr Grujic sich mal im Griff hat und keine Elfmeter mehr verursacht, könnte Hertha mal anfangen, Spiele zu gewinnen.

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