Hertha-Ultras greifen Polizei mit abgebrochenen Fahnenstangen an. / imago/osnapix
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Ausschreitungen in der Vorsaison - BVB verhängt Stadionverbote gegen 46 Hertha-Fans

Es waren chaotische Szenen, die sich beim Bundesligaspiel von Hertha BSC bei Borussia Dortmund im vergangenen Jahr abspielten. Im Gästeblock kam es zu heftigen Ausschreitungen. Nun hat der Revierclub 46 Stadionverbote gegen Berliner Anhänger ausgesprochen - neun davon auf Bewährung. Das teilte der Verein am Montag mit.

12 bis 36 Monate

Insgesamt hatten die Behörden 51 Täter namentlich ermittelt und diese Daten Borussia Dortmund zur Verfügung gestellt. In fünf Fällen wurde von einem Stadionverbot abgesehen und in neun weiteren auf Bewährung beschieden. Die restlichen 37 Stadionverbote sind bundesweit wirksam und gelten für eine Dauer zwischen zwölf und 36 Monaten.

"Gemeinsam mit den ermittelnden Behörden sowie mit Hertha BSC wurden in einem transparenten Verfahren auf Basis der DFB-Richtlinien die Untersuchungen, die Bewertung der Fälle im Einzelnen und das Verhängen der Sanktionen durchgeführt", erklärte Borussias Direktor für Organisation, Christian Hockenjos, auf der Homepage des Clubs.

Der Stadionverbotsbeauftragte des BVB sowie ein Vertreter der Fanbetreuung waren nach Informationen des Fußball-Bundesligisten im Zuge des Verfahrens eigens nach Berlin gereist, um an der angebotenen Anhörung teilzunehmen.

Auseinandersetzung mit der Polizei

Die Hertha-Anhänger hatten sich Ende Oktober 2018 beim Gastspiel in Dortmund im Gästeblock auf der Nordtribüne eine Auseinandersetzung mit der Polizei geliefert. Dabei griffen sie die Einsatzkräfte auch mit abgebrochenen Stangen an. Zuvor waren diese eingeschritten und hatten - nach eigener Darstellung zur Verhinderung von Straftaten - ein Banner der Fanszene entfernt. Diese werden - ebenso wie Fahnen - in Fanblöcken immer wieder zum Sichtschutz umfunktioniert. So kann von den Stadionkameras unerkannt etwa Pyro-Technik abgebrannt werden.

Sechs Polizisten und 45 Stadionbesucher aus Berlin wurden damals nach Behördenangaben verletzt. Zudem wurden die sanitären Einrichtungen im Gästebereich fast vollständig von Berliner Zuschauern zerstört. In der Folge wurde Hertha BSC bereits zur Kasse gebeten. Der Hauptstadtclub musste eine Strafe von 100.000 Euro zahlen. Darüber hinaus wurde dem Verein auferlegt, einen Geldbetrag in Höhe von 35.000 Euro an die Polizeistiftung Nordrhein-Westfalen zu überweisen.

Heftige Diskussion

Unmittelbar nach den Ausschreitungen begann eine heftige Diskussion - mit den Berliner Anhängern auf dem Prüfstand, aber auch der Polizei. "Der Verlust einer Fahne ist ein extremer Ehrverlust für eine Fangruppe", erklärte damals Sig Zelt, Sprecher der Vereinigung "Pro Fans", im Gespräch mit rbb|24. "Die ganze Identifikation hängt an der Symbolik, die man zeigt und trägt. Insofern ist ein Versuch der Polizei, solche Statussymbole wegzunehmen, mit heftigen teils gewalttätigen Reaktionen verbunden. Es sind unschöne Reaktionen, aber sie waren vorhersehbar."

Hertha-Manager Michael Preetz hatte die Krawalle direkt verurteilt - und das mit großer Schärfe. "Ich finde es abenteuerlich. Einen möglicherweise unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei mit Gewalt zu rechtfertigen, das muss mir mal einer erklären."

Sendung: rbb24, 26.08.2019, 21:45 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Solch ein Verhalten seitens der jeweiligen Fans - ganz gleichgültig, um welchen Verein es sich handelt! - ist nicht zu akzeptieren; das hat rein gar nichts mit Fußball bzw. Sport zu tun!

  2. 2.

    Zwar Spät, aber überlegt und völlig zurecht. Ich hätte nicht damit gerechnet, das man das jemals durchsetzt. Man sollte auch gleich noch die 100000 Euro Strafe und die Wiederherstellungskosten des Auswärtsblocks auf die Chaoten umlegen, dann tut's noch mehr weh.
    Wie kontrolliert man eigentlich gerade Auswärts, wer da alles vom Verbot betroffen ist? Hängen da jetzt deutschlandweit Fotos am Stadion mit, du kommst hier net rein? ...

  3. 1.

    Dann wird die Ostkurve wohl recht ruhig in nächster Zeit.

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