Fußball und Geldscheine (Bild: imago)
Audio: Inforadio | 16.08.2019 | Thomas Kroh | Bild: imago

Interview | Sportökonom zu Bundesliga - "Schafft die 50+1-Regel ab"

Mit dem Freitagsspiel FC Bayern München gegen Hertha BSC startet die Bundesliga-Saison 2019/20. Was vor dem Ligastart auffällt: Die besten Spieler suchen ihr Glück in anderen Ligen. Das muss nicht sein, sagt der Berliner Sportökonom Stefan Chatrath.

Die Deutsche Bundesliga ist finanziell von den Topligen in England, Spanien und Frankreich abgehängt. Die Weltstarts des Fußballs spielen nicht mehr beim FC Bayern München, sondern in Manchester, Liverpool, London, Barcelona, Madrid oder Paris. Mit einer Gehaltsobergrenze für Fußballer könnte das Kräfteverhältnis in Europa wieder ausgeglichen werden, argumentierte UEFA-Chef Aleksander Ceferin vor ein paar Wochen.

Im Interview mit dem rbb spricht sich der Berliner Sportökonom Stefan Chatrath gegen mögliche Gehaltsobergrenzen in der Bundesliga aus und fordert stattdessen eine Reform. Außerdem sollten die Vereine aus dem unteren Tabellendrittel finaziell gefördert werden. Das sei mit der Abschaffung der sogenannten "50+1-Regel" möglich, nach der Investoren nicht die Stimm-Mehrheit in Fußballclubs übernehmen können.

rbb: Was würde eine Gehaltsobergrenze in der Bundesliga bringen?

Stefan Chatrath: Ganz klar eine verminderte Qualität, denn dann müssten zum Beispiel die Bayern ihre Spielergehälter um zwei Drittel senken und dann würden die besten Spieler wie Robert Lewandowski, Thiago Alcantara und David Alaba nicht mehr in Deutschland  spielen. Die gesamte Bundesliga würde also ihre Topstars verlieren.

Sie plädieren dafür, diese Gehaltsobergrenzen nicht einzuführen, weil sie mit dem Leistungsprinzip nicht zu vereinbaren seien. In den USA gelten aber diese Grenzen in allen vier großen Profiligen.

Das sind ja in Wirklichkeit keine Gehaltsobergrenzen. In der NBA (Basketball-Profiliga, d.Red.) zum Beispiel liegen die Gehaltsobergrenzen aktuell bei 109 Millionen US Dollar. Und das ist ja mit Abstand die höchste Summe, die weltweit gezahlt wird. Wenn wir von Gehaltsobergrenzen reden, bezieht sich das nicht auf einen einzelnen Spieler, sondern auf das komplette Team. Im europäischen Basketball geben die Top-Teams ungefähr 20 Millionen Euro für ihre Mannschaften aus und das ist ja ein gewaltiger Unterschied. Und deswegen spielen die besten Basketballer trotz Gehaltsobergrenzen eben in der NBA.

Deswegen sind Sie für Gehaltsuntergrenzen. Warum?

Dadurch würden wir das Niveau der kleineren Vereine anheben und eventuell die finanzielle Dominanz vom FC Bayern München oder von Borussia Dortmund  durchbrechen. Man kann die Gehälterproblematik ja auch von unten angehen und die Vereine aus dem unteren Drittel der Bundesliga stärken. In der NBA gibt es übrigens schon Gehaltsuntergrenzen.

Was wären denn Ihre Umsetzungsvorschläge für die von Ihnen geforderten Untergrenzen?

Eine Lösung wäre, die 50+1-Regel abzuschaffen. Denn das würde kleineren Vereinen die Möglichkeit geben, sich einen großen Investor zu holen und eben damit eine eigene Wirtschaftskraft über sinnvolle Investitionen zu entwickeln. Eine andere Möglichkeit wäre eine Umsatzumverteilung. Die größeren Vereine geben Teile ihres Umsatzes an die Kleinen ab

Was sagen Sie dazu, dass die Vereine nicht ihre eigene Konkurrenz finanzieren wollen und die traditionell gesonnenen Fans niemals einer Abschaffung der "50+1-Regel" zustimmen würden?
 
Zum einen ist es im Interesse der großen Vereine, dass der Ligabetrieb spannend und damit attraktiv bleibt. Und die Umsatzverteilung gibt es ja schon im Prinzip bei der TV-Rechte-Vergabe. Da verzichten die Bayern schon auf Teile ihrer Einnahmen, weil sie eben den Rest der Bundesliga doch subventionieren wollen. Und die "50+1-Regel" muss definitiv abgeschafft werden. Wer schafft es denn in die europäische Spitze? Das sind doch zum großen Teil Vereine oder sogar Unternehmen, die Investoren an Bord haben, wie zum Beispiel Paris Saint-Germain.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas Kroh, rbb-Inforadio Sport.

Diese Version ist eine redigierte Fassung. Das komplette Interview hören Sie beim Klick auf den Play-Button im Titelfoto.

Sendung: Inforadio, 16.08.2019, 20:44 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Immer die gleichen Scheinargumente, nein die Stadionpreise werden nicht erhöht, warum auch, der Investor ist erstens von den Peanuts nicht abhängig und zweitens will man ja weiterhin Leute im Stadion haben.
    In England wurden die hauptsächlich wegen den ganzen Hools erhöht, damit eben nur noch "gutes" Publikum zum Fussball geht, auch keine schlechte Idee.
    Außerdem finde ich die Stimmung in England super, im Gegensatz z.B. bei Union wo ein paar "Ultras" die ganze Stimmung negativ beeinflussen.

  2. 2.

    50+1 muss bleiben. Aber der Herr Sportökonom kann sich ja beispielsweise mal bei englischen Fans erkundigen, warum die immer öfter lieber für ein Spiel nach Deutschland fliegen statt im eigenen Land Fußball zu gucken. Stichwort: Ticketpreise. Gern geschehen.

  3. 1.

    Ne danke, lass mal. Nur weil es in England, Spanien, Italien und seit eingier zeit auch Frankreich höchst pervers zugeht müssen wir hier in Deutschland nicht Tür und Tor öffnen um es auch hier noch perverser werden zu lassen als es so schon ist. 50+1 bleibt. Dazu europäische Gehalts-Obergrenze und Förderung von Amateurfußball. Dann geht es um Attraktivität, nicht mehr darum welcher Verein sich für welchen gelangweilten Milliardär bückt.

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