Jetzt wird's ernst - auch für den neuen Cheftrainer Ante Covic. / imago/Metodi Popow
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Hertha-Trainer Covic vor Profi-Premiere - "Wie vorm ersten Schultag in der Oberschule"

Mit dem DFB-Pokalspiel beim VfB Eichstätt beginnt am Sonntag Herthas Pflichtspielsaison. Für Ante Covic ist es das erste Spiel als Trainer der Profis. Er hat seine Mannschaft gewissenhaft vorbereitet. Seine Startelf bleibt ein großes Geheimnis. Von Dennis Wiese

Ante Covic hat die Haare schön. Bei der Pressekonferenz vor seinem ersten Pflichtspiel als Trainer der Profi-Mannschaft in der ersten Runde des DFB-Pokals beim bayrischen Regionalligisten VfB Eichstätt in Ingolstadt (Sonntag, 15:30 Uhr) ist das immer perfekt gegelte Haar auch noch frisch getrimmt. Ein neuer Haarschnitt zum neuen Lebensabschnitt. Denn, so sagte Covic dieser Tage, er fühle sich wie vor dem ersten Tag in der Oberschule.

"Ich war zehn Jahre Trainer im Nachwuchs, meine Einschulung liegt also lange zurück, ich habe Erfahrung. Aber bei so einer neuen Aufgabe ist etwas Aufregung dabei". Um im Bild zu bleiben: In den knapp sechs Wochen der Vorbereitung haben Covic und seine Mannschaft ihre Hausaufgaben gemacht.

Viel Detailkritik

Covic hat den akribischen Fußballlehrer gegeben. Er hat im Training das Stellungsspiel korrigiert, die Körperhaltung und Fußstellung. Basics auf dem Weg zu seinem Wunsch-Fußball: mutiger, offensiver und flexibler. "Ich habe auf der Bank keinen Joystick in der Hand. Ich kann nicht auf den Kreis drücken und der Spieler schießt den Ball ins Tor. Das muss der Spieler alleine machen. Ich will den Jungs nur ein gutes Gefühl geben, damit sie ihre Automatismen auf dem Platz haben", so Covic zu seiner Detailkritik in jeder Trainingseinheit.  

Michael Preetz, der in seine elfte Saison als Hertha-Manager geht, ist mit den vergangenen Wochen zufrieden: "Wir haben eine gute, intensive Vorbereitung gespielt, die Stimmung nehme ich als sehr positiv wahr. Jetzt freuen wir uns auf die Wettkämpfe."

Ich habe auf der Bank keinen Joystick in der Hand. Ich kann nicht auf den Kreis drücken und der Spieler schießt den Ball ins Tor. Das muss der Spieler alleine machen. Ich will den Jungs nur ein gutes Gefühl geben, damit sie ihre Automatismen auf dem Platz haben.

Ante Covic

Acht Testspiele, fünf Siege

Die vergangenen Wochen waren intensiv. Nicht nur, weil Herthas Spieler das vorbereitungstypische Konditionsprogramm absolvieren und die Ideen des neuen Trainers verinnerlichen mussten. Auch acht Testspiele standen auf dem Programm. Einen Ausschlag nach unten stellte das schwache 1:4 bei Zweitligist Erzgebirge Aue dar, umso stärker war der letzte Eindruck: Das überzeugende 4:0 beim englischen Premier League-Club Crystal Palace am vergangenen Sonnabend.  

Maximilian Mittelstädt, Covic-Zögling aus Zeiten in der Hertha-Jugend, sieht seine Mannschaft gewappnet: "Wir haben in dem Spiel gegen Crystal Palace gezeigt, dass wir mit dem Ball einige Ideen haben. Und dass wir unsere Torchancen nutzen. Wenn wir das mit in die nächsten Spiele reinnehmen, sieht es gut aus."

Rekordtransfer Lukebakio drängt in die Startelf

Welche elf Spieler Covic in seinem Premierenspiel auf den Platz schicken wird, ist ein gut gehütetes Geheimnis. In den Trainingsspielen mischt der Coach seine Formationen derart oft durch, dass viel mehr als Kaffeesatz lesen bislang kaum möglich ist. "Die meisten Spieler wissen aber Bescheid", so Covic bei der Pressekonferenz am Freitag.  

Gut möglich, dass auch 20 Millionen-Mann Dodi Lukebakio schon beim Spiel gegen den VfB Eichstätt zum Einsatz kommen wird. Der schnelle Außenbahnspieler habe in der Woche nach seiner Verpflichtung positive Signale gesendet. "Das auf dem Trainingsplatz war sehr flüssig, Dodi hat die hohe Belastung gut verkraftet."

Mit Lukebakio oder nicht, Covic will in dieser Saison eine Art Hertha-Rotation einführen: "Wir werden immer die Spieler einsetzen, die zum Gegner passen. Meine Frage ist: 'Wo kann ich dem Gegner am meisten wehtun?'", so Covic. Dass Lukebakio dem FC Bayern München wehtun kann, hat er in der vergangenen Saison eindrucksvoll bewiesen. Drei Tore erzielte der Belgier für Fortuna Düsseldorf in München, ein weiteres im Rückspiel. Die Bayern sind Herthas erster Gegner der neuen Bundesligasaison (16.8., 20.30 Uhr).

"Wollen nicht Deutschlands Deppen sein" 

Vor dem Rekordmeister Bayern München aber steht die Aufgabe beim VfB Eichstätt an. Zwei Heimspiele hat der in der aktuellen Regionalligasaison absolviert - eins mit 7:0, eins mit 5:0 gewonnen. Am Dienstagabend aber erlebte Eichstätt die Pokal-Blamage: Der Titelverteidiger des Landespokals musste sich beim Siebtligisten TV Aiglsbach mit 1:2 geschlagen geben.  

Hertha-Trainer Covic weiß, was ihn und seine Mannschaft in Oberbayern erwartet: "Unsere Scouts haben Eichstätt drei Mal vor Ort beobachtet. Wir wissen genau Bescheid. Aber zu viel wollen wir nicht verraten". Nur so viel: "Die erste Runde des DFB-Pokals ist immer 'Deutschland sucht den Doofen oder den Deppen': Welcher Favorit stolpert? Das wollen wir definitiv nicht sein."

Sendung: rbb24, 09.08.2019, 21:45 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

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