Neuer Coach mit klarem Plan: Ante Covic. / imago/GEPA pictures
Audio: Inforadio | 01.08.2019 | Jakob Rüger | Bild: imago/GEPA pictures

Fazit der ersten Covic-Hertha-Wochen - Das Trainingslager war erst der Anfang

Eine Woche lang hat sich Hertha BSC in Österreich auf die neue Saison vorbereitet. Die Handschrift des neuen Trainers Ante Covic ist sichtbar, doch es wartet weiterhin viel Arbeit bis zum Pflichtspielstart. Von Jakob Rüger

Viereinhalb Jahre lang war Pal Dardai Cheftrainer von Hertha BSC. Viereinhalb Jahre lang prägte der Ungar den Verein mit seiner Vorstellung von Fußball. Die Spieler kannten die Automatismen, taktischen Anweisungen und Laufwege. Trainer Ante Covic will und muss das ändern, um seinen Fußball spielen zu lassen. Es ist ein Lernprozess, der im österreichischen Stegersbach weiter vorangetrieben wurde. Zweimal täglich bat Covic auf den Trainingsplatz und war am Ende ganz zufrieden. "Wir haben all das umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben."

Der Plan? Offensiver und zielstrebiger auftreten!

Covic redete in Österreich viel mit seinen Spielern. Immer wieder schallten die Kommandos über den Platz. Wenn dem Trainer etwas nicht gefiel, dann unterbrach er die Einheit. Davie Selke und Ondrej Duda bekamen in einer Trinkpause noch einmal Szenen aus dem Training gezeigt. Covic redete auf sie ein und erklärte Laufwege.

"Er sagt selber, wir sind die Spieler und müssen auch mit dem Gefühl dabei sein", beschreibt Innenverteidiger Niklas Stark die Beziehung zwischen Spielern und Trainer. "Wir diskutieren die Taktik und er will auch unsere Meinung dazu hören." Es geht mittlerweile kumpelhaft zu bei Hertha BSC, auch wenn Covic Wert auf Disziplin legt.

Covic hat einen klaren Plan. Hertha soll offensiver spielen und zielstrebiger auftreten. Die Mannschaft soll spielerische Lösungen auf dem Platz finden. "Ich möchte Chaos auf dem Platz produzieren", sagt Covic nach einer hektischen Übung. "Im Spiel hat man häufig unübersichtliche Szenen. Ich will sehen, wie meine Spieler damit umgehen. Wir müssen lernen, dann Ruhe zu bewahren und gute Entscheidungen zu treffen." Das ist nicht immer einfach, gelegentlich verfällt die Mannschaft noch in alte Automatismen. Um diese abzubauen, setzt Covic auch auf die Videoanalyse.

Ich möchte Chaos auf dem Platz produzieren. Im Spiel hat man häufig unübersichtliche Szenen. Ich will sehen, wie meine Spieler damit umgehen.

Ante Covic

Dardais System hat ausgedient

Das gewohnte 4-2-3-1 System von Pal Dardai ist Geschichte. Covic will variabler spielen lassen. Sowohl die Dreierkette als auch die Viererklette wurden einstudiert. "Wir haben versucht, den Spielern zu erklären, was die verschiedenen Systeme bedeuten. Es geht darum, dass wir die Schwächen des Gegners besser ausnutzen können. Dazu braucht es taktische Flexibilität."  

Im Testspiel gegen Fenerbahce Istanbul (2:1) brachte die Systemumstellung auf ein 3-5-2 mehr Dominanz. Aggressiv gegen den Ball und tief statt breit im Spielaufbau - das ist Covics Philosophie. Das kann jedoch, wie gegen West Ham United (3:5), auch schief gehen, wenn die Mannschaft nicht fokussiert ist.

Neuer Trainer, neue Chance

Ein neuer Trainer bedeutet für die Spieler auch eine neue Chance. Rechtsverteidiger Lukas Klünter und Mittelfeldspieler Vladimir Darida spielten unter Dardai kaum noch eine Rolle. Im Trainingslager drängten sie sich auf. "Wer weigert sich gegen Leistung?", fragt Trainer Ante Covic deshalb zu Recht mit einem Augenzwinkern.

Der Trainer ist zufrieden mit dem Trainingslager, sagt aber auch: "Wir sind noch nicht am Ende, wir dürfen nach der Vorbereitung jetzt nicht aufhören." Ante Covic weiß, es wird noch einige Trainingseinheiten brauchen, bis Hertha BSC nach seinen Vorstellungen Fußball spielt. Das Trainingslager in Stegersbach war ein erster guter Schritt dahin.

Sendung: Inforadio, 01.08.2019, 07:15 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

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