Die Füchse Berlin wollen in der Bundesliga wieder höher hinaus. / imago images/Camera 4
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Teamcheck | Füchse Berlin - Mit Blick nach oben

Bei den Füchsen Berlin ist klar: Eine Saison wie die vergangene darf es nicht nochmal geben. Nur mit Mühe konnten sie sich auf Platz sechs und in den EHF-Cup retten. Nun wurde am Kader geschraubt - und der Trainer macht eine selbstbewusste Ansage. Von Johannes Mohren

So lief die vergangene Saison

Es war eine Spielzeit, in der die Füchse Berlin ihren eigenen Ansprüchen hinterherhinkten - und zwar gewaltig. In 15 von 34 Bundesliga-Partien gingen sie als Verlierer von der Platte. Damit waren sie dem Mittelmaß näher als der Spitze. Und das, obwohl sich der Verein nach Platz drei in der Vorsaison viel vorgenommen hatte. Aus der Enttäuschung machte Manager Bob Hanning keinen Hehl. "Der Punkteabstand zu den Topteams war einfach viel zu groß", sagte der 51-Jährige im Gespräch mit rbb|24. "Wir haben keine Konstanz in die Leistung bekommen."

Das sorgte dafür, dass es zwischenzeitlich durchaus ungemütlich wurde - und das auch öffentlich spürbar. "Ich stehe richtig unter Schock. Derzeit schäme ich mich für das, was meine Mannschaft zeigt", wetterte Trainer Velimir Petkovic in die TV-Mikrofone, als seine Mannschaft Mitte der Rückrunde gegen Göppingen mal wieder eine Heimniederlage kassiert hatte. Wirklich besser wurde es danach nicht. Am Ende retteten sich die Berliner auf Platz sechs über die Ziellinie - und qualifizierten sich erneut für den EHF-Cup. Das wichtigste Saison- und Minimalziel war somit doch noch erreicht.

Deutlich erfolgreicher lief es in den beiden Pokalwettbewerben. Herrschte im Liga-Alltag Tristesse, waren diese Spiele oft willkommene Stimmungsaufheller. Ja, die Max-Schmeling-Halle erlebte magische Abende - wie im Viertelfinale des nationalen Pokals, als die Füchse die Rhein-Neckar Löwen erst in die Verlängerung zwangen und dann niederrangen. "Mit dem Erreichen der beiden Final-Four-Turniere konnte man natürlich sehr zufrieden sein", sagte Hanning - auch wenn es mit einem Titelgewinn nicht ganz klappte. Gleich zwei Mal war es der THW Kiel, der den Griff des Hauptstadt-Clubs nach der Trophäe verhinderte. Im Halbfinale des DHB-Pokals siegten die "Zebras" aus Schleswig-Holstein ebenso wie im Endspiel des EHF-Cups.

Wer kommt, wer geht

"Wir haben geschraubt, um alle vermeintlichen Schwachstellen auszumerzen", sagte Bob Hanning. Denn die Analyse von Manager und Co. hatte ergeben, dass die vielen Verletzten, die die Füchse plagten - zwischenzeitlich waren es zehn (!) - zwar das Hauptproblem waren, aber nicht das einzige. "Auch andere Dinge, zum Beispiel in der Zusammensetzung des Kaders, haben nicht gepasst." Da war das Torwart-Duo Silvio Heinevetter/Malte Semisch, das nicht den erhofften Rückhalt bildete. Oder Fabian Wiede, vielleicht der Top-Star der Berliner, der aus Alternativlosigkeit spielte und spielte - und irgendwann einfach platt war.

Wir haben geschraubt, um alle vermeintlichen Schwachstellen auszumerzen.

Bob Hanning

Die Berliner handelten frühzeitig. Im Tor gelang ihnen eine Verpflichtung, die man - ohne Übertreibung - als Coup bezeichnen kann. Dejan Milosavljev steht künftig zwischen den Pfosten. Der 23-jährige Nationaltorhüter Serbiens kommt als Champions-League-Sieger an die Spree. Er gewann mit Vardar Skopje in der Königsklasse des Handballs. "Ich glaube, dass wir es durch die Verpflichtung von Dejan geschafft haben, perspektivisch optimal aufgestellt zu sein", sagte Hanning. Er ist aber nicht der einzige Neue fürs Füchse-Gehäuse. Vom Liga-Konkurrenten Hannover-Burgdorf verpflichteten die Berliner den 36-jährige Routinier Martin Ziemer. Gemeinsam mit Silvio Heinevetter bilden die beiden das neue Torhüter-Trio.

Auf der rechten Rückraumposition soll Michael Müller helfen und Fabian Wiede die nötige Entlastung geben. Der 34-Jährige kommt aus Melsungen, ein - wie Hanning betonte - "ganz erfahrener, abwehrstarker, knüppelharten Spieler". Ein Quasi-Neuzugang ist auch Spielmacher Simon Ernst. Zwar kam der 25-jährige deutsche Nationalspieler schon vor einem Jahr aus Gummersbach, machte allerdings wegen eines Kreuzbandrisses noch kein Spiel. Verlassen haben die Füchse unter anderem Malte Semisch, Bjarki Elisson und Kreisläufer Erik Schmidt.

Der Trainer

Gewohntes Bild an der Seitenlinie: Velimir Petkovic - seit Ende 2016 bei den Füchsen - wird das Team auch in der kommenden Saison coachen. Und das mit der Akribie, die man bei den Berlinern von ihm kennt. Die Arbeitstage des Serben dauern nicht selten zehn Stunden. Von morgens bis abends ist er dann in "Füchse Town" - dem Trainingszentrum in Hohenschönhausen. "Es ist schwer, bei mir einen Tag ohne Handball zu finden", sagte er einmal in einem rbb-Interview.

Und Petkovic ist ehrgeizig. Schon in der vergangenen Saison wurmte es den 63-Jährigen merklich, dass sein Team durch die vielen Verletzten nicht das auf die Platte bringen konnte, was eigentlich in ihm steckt. Dass das eine Menge ist, davon ist er überzeugt: "Mit dem Kader und der Mannschaft, die wir haben, können wir normalerweise um die ersten drei Plätze mitspielen", versicherte er - auch in Phasen des Strauchelns. Mit weiteren Verstärkungen und weniger Ausfällen hat er nun die Chance, das zu zeigen. Und machte jüngst bei der Teamvorstellung eine selbstbewusste Ansage: "Wenn alle gesund bleiben, werden wir sicher Kiel und Flensburg attackieren."

Erwartungen an die neue Spielzeit

Eines hat Hanning gleich klargemacht, da war die letzte Partie der Vorsaison kaum abgeschlossen. So eine Spielzeit soll - und darf - sich nicht wiederholen. "Sonst können Sie davon ausgehen, dass einige mit mir ein riesiges Problem kriegen würden", sagte er. Der Abstand zur Spitze soll entscheidend zusammenschrumpfen - und damit auch die Champions League zumindest wieder in Sichtweite geraten. "Wir müssen auf Augenhöhe kommen. Wir müssen die großen Mannschaften zu Hause schlagen können und auswärts eine Chance haben."

Die Grundlagen dafür sieht der Manager gelegt. "Wir haben genügend getan, dass die Mannschaft jetzt erfolgreich Handball spielen kann", sagte er bei ihrer Präsentation. Das gilt auch für die Pokalwettbewerbe. "Beim DHB-Pokal kommt es ja immer ein bisschen auf die Auslosung an. Natürlich will man ins Final Four. Im Europapokal muss ich ganz klar sagen, dass die Zielsetzung das Final Four ist." Und vielleicht klappt es ja sogar mit einem Titelgewinn vor Heimpublikum. Denn die Füchse wollen sich um die Austragung der Endspiele im EHF-Pokal in der kommenden Saison bewerben. "Das wird noch einmal ein Kraftakt", sagte Hanning.

Sendung: Inforadio, 15.08.2019, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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