Hannah Kunz in Action
Bild: Christian Kunz

17-jährige Kunz bei Meisterschaften in Brandenburg/Havel - "Ich war schon immer 'ne Wasserratte"

Die 49. Deutschen Kanupolo-Meisterschaften finden vom 8. bis 11. August in Brandenburg an der Havel statt. Mittendrin: die 17-jährige Weltmeisterin Hannah Kunz und ihre Kanupolo-verrückte Familie.

Wenn Hannah Kunz am Sonntagnachmittag freudestrahlend aus ihrem Kanu auf dem Beetzsee steigt, dann könnte es sein, dass sie gerade zum achten Mal Deutsche Meisterin im Kanupolo geworden ist.

Sehr wahrscheinlich ist dieses Szenario allerdings nicht. Denn das Nachwuchstalent gehört in dieser Saison zum Kader der Damenmannschaft des Kanusport-Vereins Havelbrüder und die kämpft bei den Deutschen Meisterschaften noch gegen den Abstieg aus der 1. Bundesliga.

"Der Wechsel von den Junioren in die Damenmannschaft des KSV war schon schwierig. So ein bisschen vermisse ich schon die alte Zeit. Aber der Schritt war der richtige", sagt Hannah Kunz rückblickend. Und guten Kontakt zu ihren alten Mitspielern im Verein hat sie weiterhin, so die junge Frau. 

Alle ihre bisherigen Titel gewann die Schülerin in den Junioren-Mannschaften. Ihr größter Triumph: Weltmeisterin mit der deutschen U21 in Kanada im letzten Jahr. 

Weltmeisterin mit der U21
Bild: privat

"Eine Kreuzung aus Wasserball, Handball, Basketball und Rugby"

Beim Kanupolo treten zwei Teams mit je fünf Spielern in Einerkajaks gegeneinander an. Dabei versuchen sie, einen handelsüblichen Wasserball per Hand oder Paddel in das gegnerische Tor zu befördern. Eine Halbzeit dauert zehn Minuten. Vater und Kanupolo-Trainer Christian Kunz beschreibt die aus England stammende Sportart als "Kreuzung aus Wasserball, Handball, Basketball und Rugby."

Kanupolo ist schnell und actionreich, aber auch komplex: Neben der Boots- und Ballbeherrschung müssen die Athleten auch Spielverständnis mitbringen. Darüber hinaus kommt es auch auf Muskelkraft an. 

Die Physis spielt mit

Denn Tacklings gegen die Schultern sind erlaubt. Oft landen die Spieler kopfüber im Wasser. "Dann geht es darum, so schnell wie möglich wieder mit einer Eskimorolle hochzukommen", sagt Christian Kunz. 

Aufgrund der Verletzungsgefahr sind die Spieler mit einem Helm geschützt. "Man bekommt schon Mal ein Paddel an den Kopf", sagt der Vater. Und auch die dicke Rettungsweste ist eher Körperschutz als Schwimmhilfe. Schwere Verletzungen kommen eher selten vor. "Es sieht hart aus, aber bis auf einen geprellten Finger ist mir noch nie etwas passiert", so die 17-jährige Hannah.

Hannah als Kind
Hannah als Kind mit Medaille | Bild: privat

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Hannahs Leidenschaft für Kanupolo stammt von ihren Eltern. Vater Christian trainiert die Jugendmannschaften und das Damenteam im KSV Havelbrüder. Ehefrau und Mutter Elke trägt das Amt der Sportwärtin. "Schon früh waren wir im Kanurennsport aktiv, als junge Erwachsene sind wir dann zum Kanupolo gekommen", so die Mutter. Im KSV sind die beiden mittlerweile seit mehr als 25 Jahren.

Tochter Hannah wurde in die Kanupolo-Welt hineingeboren: "Ich war schon immer 'ne Wasserratte, das es hat einfach zu mir gepasst. Interesse für andere Sportarten hatte ich nicht."

Teure Sportart ohne finanziellen Anreiz

Wer Kanupolo spielen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Der Preis für ein geeignetes Kajak liegt bei rund 2.000 Euro und auch für ein Paddel werden locker 300 Euro fällig. Dazu kommen noch die Kosten für den Rest der Ausrüstung wie Helm oder Schwimmweste.

Darüber hinaus gibt es als Leistungssportler, außer Titel und Medaillen, nichts zu holen. Selbst die Athleten aus der 1. Bundesliga verdienen keinen einzigen Cent mit ihrer Sportart.  Dafür fahren sie an Wettkampftagen hunderte Kilometer quer durch Deutschland.

Hannah beim Training
Bild: privat

Genauso wie Hannah. Sie trainiert drei bis viermal in der Woche und schätzt vor allem das Gruppengefühl beim Spielen: "Der ganze Verein ist wie eine große Familie. Und Gemeinschaft zählt am Ende eh viel mehr als die Erfolge."

Auf der Regattabahn am Beetzsee in Brandenburg an der Havel werden am Donnerstag mehr als 1.100 aktive Sportler unterschiedlichen Alters aus 43 Vereinen der gesamten Bundesrepublik erwartet.

Sendung: Inforadio 06.08.2019

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