Die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu aus Berlin bei den "Finals". / imago/Camera 4
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Interview | Fünfkämpferin Annika Schleu - "Diese Stimmung haben wir sonst nie"

Annika Schleu bleibt keine Zeit zum Ausruhen. Kaum hat die Moderne Fünfkämpferin aus Berlin ihren Titel bei den "Finals" verteidigt, sitzt sie im Flieger nach England. Ein Gespräch über die Premiere des Sport-Experiments, Regeneration - und die beginnende EM in Bath.

rbb|24: Frau Schleu, Sie konnten inzwischen eine Nacht darüber schlafen. Was ist zurückgeblieben an Gefühlen von diesen "Finals"?

Annika Schleu: Es war mega. Diese Stimmung haben wir sonst nie. Gerade für uns war es ein Wechsel von Null auf Hundert. Als ich es am Freitag gesehen habe, dachte ich schon: Das kommt mir vor wie Olympische Spiele - nur dass alle auf uns schauen und nicht auf das komplette Feld. Das waren unglaubliche Emotionen. Es war ein ganz besonderer deutscher Meistertitel für mich.

Lange Zeit zum Genießen bleibt nicht. Schon am Dienstag geht es für Sie auf eine nicht ganz unbedeutende Reise ...

Das stimmt. Wir fliegen nach Bath nach England. Wir haben dort Europameisterschaften und die sind in diesem Jahr für uns sehr wichtig. Von den ersten Acht kann sich da pro Nation immer eine direkt für die Olympischen Spiele qualifizieren [Anm. d. Red.: 2020 in Tokio]. Es ist noch nicht gesagt, dass man dann tatsächlich auch fährt, weil wir noch ein internes Ranking haben und nur zwei dabei sein dürfen. Aber trotzdem kann man schon mal das erste Ticket lösen - und das wäre natürlich großartig. Dann fällt ein bisschen Last ab und man kann sich schon spezifischer auf die neue Saison vorbereiten. Das ist also das große Ziel.

Wie schwierig wird das durch die enge Taktung von deutscher Meisterschaft und EM?

Es ist schon ungewöhnlich. So oft machen wir nicht so viele Fünfkämpfe hintereinander. Aber wir haben manchmal die Staffeln vor den Einzelwettkämpfen. Ich weiß, dass ich das immer ganz gut verkrafte, ja: überhaupt gar keine Probleme damit habe. Deswegen denke ich, dass ich am Freitag wieder in Topform bin, wenn ich jetzt die drei, vier Tage Zeit habe, um zu regenerieren.

Durch die Medienpräsenz, wie sie da auf einmal besteht, kann wirklich eine Entwicklung im Sport entstehen.

Annika Schleu

Heißt:  Die "Finals" sollte es in Zukunft wieder geben?

Ja. Wir würden sagen: Auf jeden Fall immer wieder gerne, wenn wir mitmachen dürfen! Ich habe auch ganz viele Nachrichten bekommen: 'Oh, ich bin ein neuer Fan vom Fünfkampf.' Ich glaube, dass durch die Medienpräsenz, wie sie da auf einmal besteht, wirklich eine Entwicklung im Sport entstehen kann. Ich könnte mir vorstellen, dass eine Wiederholung im nächsten Jahr schwer wird. Da sind Olympische Spiele - und die Verbände lassen sich nicht so gerne vorschreiben, wann sie ihre nationalen Meisterschaften machen sollen. Aber vielleicht klappt es in einem Zwei-Jahres-Rhythmus danach. Das wäre auch was, wofür sich jeder Sportler überlegen würde: Ich mache noch einmal weiter.

Für Sie waren die "Finals" ein Heimspiel. Braucht die Veranstaltung - wie etwa das DFB-Pokalfinale im Fußball - ein festes Zuhause, sprich: Wenn es eine Wiederholung gibt, dann in Berlin - oder müssen sie rotieren? Andere Städte haben ja wohl auch schon  die Fühler ausgestreckt ...

(lacht) Ich wäre natürlich total okay damit, wenn es immer in Berlin wäre. Wir haben ja unsere Stützpunkte auch nicht so verteilt wie die anderen Sportarten. Da wäre ich gespannt, ob München, Hamburg, Köln oder welche Stadt auch immer das Event so umsetzen würde, dass Fünfkampf integriert sein könnte. Es ist bei uns mit den Pferden immer ein bisschen schwierig [Anm. d. Red.: Reiten ist eine Disziplin des Modernen Fünfkampfes]. Man muss die ganzen logistischen Stätten haben. Deswegen fände ich Berlin toll. Dann wüsste ich: Fünfkampf ist dabei. Aber ich bin offen. Ich habe auch gerne mal einen Wettkampf in München.

Sie haben bereits gesagt, dass es teilweise fast ein olympisches Feeling war. Sollte Berlin sagen: Wir können auch mehr als nur nationale Meisterschaften am Wochenende - und sich für die Olympischen Speile bewerben?

Ich denke auf alle Fälle, dass es möglich wäre und Berlin auch das Zeug für eine Olympia-Bewerbung hätte. Wenn man sieht, was sie jetzt hier für die "Finals" auf die Beine gestellt haben. Ich war überrascht, was doch möglich ist, wenn sich alle Leute dahinterklemmen - und man es wirklich machen möchte. Wir haben ja auch viele Trainings- und Wettkampfstätten schon. Die Austragung wäre dann wahrscheinlich eher nach meiner Karriere, aber ich bin auch gerne als Zuschauerin dabei. (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dennis Wiese für rbb|24.

Sendung: rbbUM6, 08.07.2019, 18 Uhr

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