Die Fans von TeBe Berlin feiern im Block E (Quelle: Sören Kohlhuber)
Audio: Inforadio | 17.08.19 | 11:15 Uhr | Friedrich Rößler | Bild: Sören Kohlhuber

Erstes Heimspiel von Tennis Borussia Berlin - Block E lebt

Seit Jahresbeginn steht der Berliner Fünftligist Tennis Borussia kontinuierlich in den Schlagzeilen. Nach der Meuterei gegen den Vereinsvorsitzenden im Juli kamen am Freitag die Fans zurück ins Stadion. Doch dem Vorstand steht ein heißer Herbst bevor. Von Friedrich Rößler

Freitagabend, 19.20 Uhr im Mommsenstadion. Zehn Minuten vor Anpfiff wird jedem Besucher klar, dass die organisierte Fanszene wieder ihr Wohnzimmer bezogen hat. Über 700 Zuschauer finden den Weg in das Stadion am Eichkamp, unter ihnen auch Thomas. Es sei wunderschön, wieder zu Hause sein, sagt der Borussia-Fan.

Constanze pflichtet ihm bei: "Ich habe mich richtig gefreut, meine Leute hier wieder treffen zu können." Anna, ebenfalls eine TeBe-Anhängerin aus der organisierten Fanszene, beschreibt ihre Vorfreude so: "Einfach gigantisch. Als wenn dir jemand erzählt, dass nach einem halben Jahr endlich wieder ein guter Freund zurück nach Hause kommt."

So gut besucht war das Mommsenstadion lange nicht. Im Block E, dem Fanblock gegenüber der Haupttribüne, klaffte ein halbes Jahr lang eine menschenleere Lücke im Stadion. Nach der umstrittenen Mitgliederversammlung Ende Januar kehrten viele Fans ihrem Herzensverein den Rücken zu. Sie sahen ihr Mitspracherecht als Mitglieder im Verein durch den auf sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg bedachten Kurs des neuen Vorstandvorsitzenden und Hauptsponsors Jens Redlich bedroht.

Der Geschäftsführer einer Fitnessstudiokette ist seit Ende Juli nicht mehr im Amt. Der Aufsichtsrat hat Günter Brombosch zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Daraufhin beendeten viele Fans ihren Boykott und unterstützen nun wieder ihre Mannschaft im Stadion.

Zwischen Regenbogefahnen und Wildpinklern

Zurück zum ersten Heimspiel - Eine schwarze Plane spannt sich über einen Teil des Fanblocks, rechts und links flankiert von Wunderkerzen. Aus den Lautsprechern tönt die Boyband-Schnulze "Back for Good" von Take That. Nach einem kurzen Countdown fällt der Vorhang und zehn Konfettikanonen knallen lila-weiße Luftschlangen in die Höhe. TeBe-Anhängerin Anna ist begeistert: "Ich bin total froh, dass es Menschen gibt, die sich so viel Mühe machen, das alles vorbereiten und hierher mitbringen." Am Zaun hängt ein Banner mit der Aufschrift "Mommsen-Friedhof". Block-E-Rückkehrer Thomas erklärt den Hintergrund: "Mit unseren 50 bis 60 Leuten wurden wir immer von Fans anderer Berliner Clubs abgewertet, dass das hier eine Friedhofsatmosphäre hat. Das haben wir mal eben adaptiert, denn dafür sind wir ja bekannt."

Die TeBe-Fanszene zeichnet sich vor allem durch ihre Kreativität, ihr Demokratieverständnis und den Kampf gegen Rassismus, Homophobie und Antisemitismus aus. Im Fanblock dominieren "Refugees welcome"-Aufschriften, hinter dem Block weht eine regenbogenfarbene TeBe-Fahne im Wind und zum Rattern der vorbeifahrenden S-Bahn gesellt sich oft das Plätschern der Wildpinkler. Die vielen Stadiontouristen fühlen sich wohl im Block E, auch Familien mit kleinen Kindern suchen die Nähe zum singenden und klatschenden Mob.

Torjubel beim ersten Heimspiel der Saison 2019/20 von TeBe Berlin (Quelle: Sören Kohlhuber)
Bild: Sören Kohlhuber

Vom Mentalen her Vorstandsvorsitzender

Der Fußballgott meint es heute gut mit den Heimgekehrten und schenkt den Eichkamp-Girls und -Boys in der ersten Halbzeit zwei Tore. Nicht nur die Fans sind wieder da, auch der alte Stadionsprecher "Mister Bungle" ist zurückgekehrt. Es wirkt alles so schön, so bunt, so neu. TeBe-Anhängerin Constanze relativiert diesen Eindruck. "Wie wird es jetzt weitergehen? Das bleibt spannend. Ich würde das jetzt hier nicht Friede, Freude, Eierkuchen nennen."

Auch der umstrittene Hauptsponsor Redlich sitzt im Stadion. An einem Holztisch vor der Haupttribüne unterhält er sich angeregt mit Vereinsmitgliedern. Redlich sieht sich durchaus noch im Amt, erkennt seine Absetzung nicht an. "Im Vereinsregister komme ich durch einen Handstreich nicht mehr vor", beklagt er und beruft sich auf die Mitgliederversammlung Anfang Januar. Ein Gerichtstermin am 11.09.2019 soll endgültig Klarheit schaffen. "Dann werden wir mehr wissen und ich hoffe für den Verein, dass wir dann konstruktiv auch weiter arbeiten können."

Der neue Vorstandvorsitzende Günther Brombosch ist darüber erstaunt. Bisher sei er nicht zu einem Gerichtstermin eingeladen worden, weswegen er dazu auch nicht viel sagen könne. "Vielleicht ist das ja jetzt gerade passiert", ergänzt der ehemalige TeBe-Spieler und Hochschullehrer.

Eklat nach Abpfiff

Zweite Halbzeit. Im Fanblock herrscht weiter Feierstimmung, es folgen bis zum Abpfiff die Tore drei, vier und fünf. Für Borussen-Verteidiger Nils Göwecke geht an diesem Abend eine Zeit ohne Fanunterstützung zu Ende, die ihre Spuren hinterlassen hat. "Das hat uns wehgetan und wir müssen uns alle wieder ein bisschen annähern und finden, sowohl von Fanseite als auch von Vorstandsseite."

Beim anschließenden Jubel mit den Fans kommt es dann zum Eklat: Obwohl Redlich ein Verbot erteilt worden war, den Innenraum zu betreten, möchte dieser den Heimsieg mit der Mannschaft auf dem Rasen feiern. Nun nähert er sich dem Block E. Bei vielen Fans kommt das gar nicht gut an. Offen tritt der Riss zutage, der quer durch den Traditionsverein und ehemaligen Bundesligisten führt. Die Streitigkeiten um die Vereinsführung dauern an, die Grabenkämpfe gehen in die nächste Runde.

Beitrag von Friedrich Rößler

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2 Kommentare

  1. 2.

    ich war vor etwa 15 jahren das letzte mal im mommsenstadion. aber ich bin ziemlich entsetzt über die entwicklung bei tebe und darüber, dass derart halbseidene gestalten wie dieser herr redlich einen verein und dessen hochengangierte mitgliedschaft auf derart unglaubliche weise unter seine knute bringen kann.

    umso glücklicher beobachte ich aus der ferne, wie der verein es geschafft hat, sich aus dieser umklammerung zu befreien. und selbst jetzt führt sich dieser mann noch auf, als gehöre ihm der verein und glaubt offenbar, für ihn würden keinerlei regeln gelten.

    umso mehr drücke ich die daumen, dass dieser spuk demnächst endgültig ausgestanden ist. berlins nach meiner meinung sympathischster verein hat wirklich etwas besseres verdient als einen solchen mann an der spitze.

  2. 1.

    Dieser Herr Unredlich darf doch nun bitte seine peinliche Niederlage anerkennen und sich vom Verein TB fernhalten.

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