Union Berlin Fans beim Relegations-Hinspiel gegen Stuttgart (Quelle: imago/Ulmer)
Audio: Radioeins | 13.08.2019 | Interview mit Union-Präsident Dirk Zingler | Bild: imago/Ulmer

Streit über Stimmungsboykott - "Die Fans haben den Verein auf ihrer Seite"

Der geplante Stimmungsboykott der Ultras von Union Berlin bei der Bundesliga-Premiere gegen RB Leipzig spaltet die Meinungen in Verein und Mannschaft. Präsident Dirk Zingler unterstützte im rbb den Protest - und widersprach damit auch seinem Torhüter.

In den Streit um einen geplanten 15-minütigen Stimmungsboykott bei Union hat sich jetzt auch Präsident Dirk Zingler eingeschaltet. "Sie haben den Verein auf ihrer Seite", sagte er am Dienstagabend in der "Sondersendung in Rot-Weiß" von Radioeins in Richtung der organisierten Fans, die die Protestaktion für die Bundesliga-Premiere gegen RB Leipzig angekündigt haben. Es ist eine klare Positionierung in einer kontroversen Debatte.

Am Freitag hatte die Ultra-Gruppierung "Wuhlesyndikat 2002" auf ihrer Homepage verkündet, bei dem Spiel am Sonntag als "Zeichen des Unmuts" die ersten 15 Minuten schweigen zu wollen. RB Leipzig ist seit jeher ein rotes Tuch für viele Fußball-Fans, Protestaktionen - über und unter der Gürtellinie - gab und gibt es in vielen Stadien. Sie sehen den Club als reines Marketingvehikel eines großen österreichischen Brauseherstellers, der vor rund zehn Jahren einem Viertligisten das Startrecht abkaufte und den Verein mit jeder Menge Geld bis in die Champions League führte.

Seit der Schweige-Ankündigung der Ultras von Union Berlin gibt es ein Hin und Her zwischen Befürwortern und Gegnern - im Verein und bei den Fans. Zingler betonte nun: "Ich habe in den vergangenen Wochen immer gesagt, dass wir darauf achten werden, dass Union sich nicht verändert. Wir haben gegen Leipzig klar Position bezogen in der zweiten Liga - und ich halte es für sehr ehrlich, das auch in der ersten zu tun."

Was sagen die Spieler von Union?

Tags zuvor hatte sich Keeper Rafal Gikiewicz geäußert - mit einem gänzlich anderen Tenor als Zingler. Er forderte die Fans bei Instagram auf, das 15-minütige Schweigen zu unterlassen und lieber die eigene Mannschaft zu unterstützen: "Euer geplanter Boykott in den ersten 15 Minuten ist nicht gut für uns Spieler. Ihr könnt gerne eine Choreo oder sonst etwas machen. Wir Spieler, zusammen mit Euch Fans, müssen unseren Gegnern zeigen, dass das unser Platz ist, unser Haus! Sie müssen spüren 'Wellcome to Hell'“, schrieb der 31-Jährige.

Auch Christopher Lenz hatte den negativen Einfluss schweigender Anhänger auf die eigene Mannschaft moniert. "Das ist ein Fan-Ding, aber natürlich sind wir eigentlich dafür, dass die Fans uns anfeuern", sagte der 24-jährige Abwehrspieler - und erinnerte an vergangene Erfolge: "Man hat gerade in der letzten Saison in Spielen gegen Hamburg oder Magdeburg gesehen, wenn wir die Fans im Rücken haben, ist es für uns gefühlt einen Tick leichter."

Ich habe in den vergangenen Wochen immer gesagt, dass wir darauf achten werden, dass Union sich nicht verändert. Wir haben gegen Leipzig klar Position bezogen in der zweiten Liga - und ich halte es für sehr ehrlich, das auch in der ersten zu tun.

Dirk Zingler

Subotic zeigt Verständnis

Doch es gab auch andere Stimmen aus der Mannschaft. Solche, die sich klar auf die Seite der Fans schlugen. Neven Subotic zum Beispiel. "Auch ich finde diese Kapital-Entwicklung im Fußball nicht positiv", sagte der Innenverteidiger, der vor dieser Saison neu zu den Köpenickern stieß.

Es sind Positionen, die zeigen, wie groß das Dilemma ist, in dem der Verein steckt. Der Stimmungsboykott schmerzt. Gerade an diesem historischen Spieltag. Und doch gibt es auch Verständnis für die Anhänger. Das wird auch bei Manager Oliver Ruhnert in einem Zitat deutlich. "Ich habe immer gesagt, dass es nicht sein muss am ersten Spieltag, weil man dann ein Politikum daraus macht. So ist es jetzt auch. Im Grunde wünschen wir uns alle die Unterstützung von den Rängen, aber unsere Fans haben sich schon sehr klare Gedanken darüber gemacht und wissen, was sie da tun."

"Wuhlesyndikat 2002" bekräftigt seine Haltung

Das "Wuhlesyndikat 2002" äußerte sich am Mittwoch auf seiner Seite erneut zu der Aktion, reagierte auf die Diskussionen - und bekräftigte noch einmal seine Haltung. Es müsse erwähnt werden, "dass RB scheinbar auch in Teilen unserer Fanszene ein Stück weit 'angekommen' ist, ebenso in natürlich größerem Maße in der allgemeinen Öffentlichkeit", schrieben sie. Das sei "ein weiterer, entscheidender Grund, den Protest lebendig zu halten."

Man sei sich bewusst, dass der Stimmungsboykott eine drastische Maßnahme sei. "Jedoch sollte ebenfalls klar sein, dass es im Stadion wohl kaum eine wirkungsvollere Protestform geben kann." Es schmerze, das erste Bundesliga-Spiel des Vereins in einem solchen Rahmen begehen zu müssen, "und doch liegt hier die große Chance, zu beweisen, dass wir genau deshalb ein Gewinn für die Bundesliga sind - weil wir bereit sind, für unsere Werte und unsere Art der Vereinskultur zu kämpfen und Opfer zu bringen."

Man stehe für einen "Fußball, der geprägt ist von Mitbestimmung, Treue, Stehplätzen, Emotionen, Financial Fairplay, Tradition, Transparenz, Leidenschaft, Geschichten, Unabhängigkeit und Ehrenamt. Wie wir alle wissen, sind das Werte, die vom Konstrukt aus Leipzig mit Füßen getreten werden", hatten die Ultras schon in ihrer ersten Mitteilung betont. Der Stimmungsboykott soll von einer "optischen Aktion" flankiert werden.

Sendung: Radioeins, "Sondersendung in Rot-Weiß", 13.08.2019, 19 Uhr

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17 Kommentare

  1. 17.

    Ich war immer Union-Fan,ab jetzt nicht mehr.

  2. 16.

    Dass ohne Geld nix geht in der Liga weiß jedes Kind.
    Deswegen darf man doch dieses Konstrukt, als das was es ist, doch kritisieren.
    Das ist kein hohes Ross oder eingebildete Bodenständigkeit, Vereinstümelei oder sonst was.
    Die Unioner wissen genau, dass sie ohne Geld und nur mit Tradition nicht in der BL wären.
    RB hat damals nur den Riesenfehler gemacht, dass Ganze so aufzuziehen wie sie es nunmal gemacht haben.
    Wenn man nur als Sponsor aufgetreten wäre und hätte z.B. Lok unterstützt, wär alles halb so schlimm gekommen.
    Das gibt es nämlich bei allen Vereinen.
    So war es einfach nur dämlich.

  3. 15.

    Ja Unioner sind jetzt die coolen der Bundesliga, das wissen ja bald alle in Deutschland. Das ist aus Sicht eines Aussenstehenden auch bloss Imagepflege. Da laufen genauso viel Hornochsen rum wie anderswo auch und sich zu Stimmungsboykotten gegen andere Vereine und deren Anhänger zu äussern/aufzurufen zeigt, auf welch hohes Ross man sich setzt.

  4. 14.

    Also gut, Union ist und bleibt Ost. Die Fans wollen das so. Bitte sehr. Hoffentlich ist es nur diese eine Saison. Die Bundesliga braucht solche Fans nicht. Wenn ich diese Kommentare lese, dann weiß ich, die Mauer ist in den Köpfen. Schade eigentlich.

  5. 13.

    Ja,ja... schöne Grüße nach Österreich.

    Über kurz oder lang muss sich der Fußball von Korruption befreien und Wettbewerbsverzerrung beseitigen. Das wird auch das Ende von Schummelprojekten wie RB sein.
    Positiv denken - weiter kämpfen!

  6. 12.

    genug fans,da könnt ihr schlecht reden wie ihr wollt.die sollen doch froh sein das sie entlich die 1. liga geschaft haben,zeigt erst mal was ihr drauf haben. dann maul aufreisen.aber so waren die berliner schon immer.

  7. 11.

    Es ist schon lustig zu sehen, welchem Hype der geplante Protest auslöst, insbesondere wo ja nahezu alle Fanszenen der Bundesliga ähnlich ablehnend auf das sächsische Marketingkonstrukt reagieren und diese Ablehnung mit unterschiedlichsten Aktionen bis heute zum Ausdruck bringen. Scheint also ganz so, als wenn die Kritiker dieser Aktion völlig unvorbereitet vom derzeitigen Union-Hype getroffen wurden und diesem scheinbar hilflos gegenüber stehen. Union kann man deshalb nur raten: schweigen, lächeln und genießen, etwas schöneres kann es doch eigentlich gar nicht geben. :)

  8. 10.

    Also bei mir sind die nicht angekommen. Wieviel Mitglieder hat dieses Konstrukt nochmal?......

  9. 9.

    Die Ultras werden mehr und mehr zu einer Randerscheinung,RB ist längst angekommen
    Mein Tipp für So: RB gewinnt 4 zu 1

  10. 8.

    Wieso unhöflich? Du bekommst eben nur eine direkte Antwort auf Deine Meinung - denn mehr als das ist es nicht. Mit Kritik umgehen können wir sehr wohl: anhören, drüber nachdenken und am Ende so oder so reagieren - dazu muß die "Kritik" aber auch einen sachlichen Lösungsvorschlag beinhalten - und der fehlt. - Und was die "Vereinspolitik" von RB angeht: wer sich ein Startrecht kauft aber darüberhinaus die Prinzipien eines wirklichen Vereins nicht verinnerlicht hat (Beispiele laß ich jetzt mal, sind schon hunderte Male angeführt worden), dem darf man seine Meinung (UND Kritik!) auch immer wieder auf´s Butterbrot schmieren! Ich hätte es auch lieber an einem anderen Spieltag getan...
    PS. Von wegen "Neue" - zu welchen "Alten" gehörst Du eigentlich? Gib Dich doch mal zu erkennen, wenn Du schon "Kritik" äußerst... ;-)

  11. 7.

    Unioner sind offenbar unhöflicher als ich dachte; mit Kritik können Sie nicht umgehen, teilen aber selber gerne aus. Gut zu wissen.

  12. 6.

    Sie wissen aber schon, daß diese Zeitung vor allem von Lesern aus den westlichen Stadtbezirken von Berlin gelesen wird! So steht es auf Wikipedia! Also wird es kaum einen Eisernen interessieren, was in dieser Zeitung steht!

  13. 5.

    Na dann äußert mal eure Meinung durch schweigen ;D. Solange Ihr nicht rumkokelt solls mir recht sein. Im übrigen hat auch jeder das Recht seine Meinung zu Union zu äußern, auch wenn er nicht Mitglied ist,

  14. 4.

    Es nervt dich so sehr dass du gezielt nach diese Artikeln suchst und sie kommentierst? Vereinsstrukur, kennste nicht? Mitbestimmungsrecht, schon mal gehört? Du kennst sicherlich Fussball nur aus dem Fernsehen, hast nie selber in einem kleinen regionalen Fussballverein gespielt oder den Unterstützt? Stell dir vor dass kann man auch immer noch bei einem Verein in der Bundesliga. Und das lassen wir uns nicht nehmen. Also kümmer dich um dein Kram, lass uns protestieren. Wir tun ja keinem Weh damit. Das zählt unter Meinungsfreiheit, das höchste Gut was wir haben in Deutschland.

  15. 3.

    Nerven tut das allenfalls Leute die mit Union ohnehin nichts am Hut haben, aber glauben trotzdem alles kommentieren zu müssen. Das Thema RB ist nie durch !
    Ich persönlich hätte mir unserer 1. Bundesliga Spiel auch anders vorgestellt, aber es ist leider nötig.

  16. 2.

    Ein Kommentator des Tagesspiegels:

    https://m.tagesspiegel.de/sport/bundesliga-debuet-des-1-fc-union-das-ossi-gehabe-der-unioner-nervt/24886400.html

    Einfach mal lesen und darüber nachdenken.

  17. 1.

    Gähn. Willkommen in der Bundesliga und im echten Profisport Union. Thema Red Bull ist schon durch. Aber ok, neue dürfen ja auch mal die ausgetretenen Pfade nehmen. Ansonsten, konzentriert eich auf den Sport und eure eigene Mannschaft und nehmt die Gegner so, wie sie sind. Dieses moralinsauere Getue nervt.

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