Die Alba-Dancers tanzen während eines Spiels (Bild: imago)
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Video: rbb|24 | 27.09.2019 | Material: zibb | Bild: imago

Basketball | Vor dem Saisonstart - Alba Berlin schafft seine Cheerleader ab

Nach 25 Jahren will Alba Berlin künftig keine Cheerleader mehr auftreten lassen. Junge Frauen "als attraktive Pausenfüller bei Sportevents" passten nicht mehr in die Zeit, hieß es. Die Trainerin der Alba-Dancer hadert mit der Begründung.

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Alba Berlin wird ohne Cheerleader in die Saison 2019/2020 starten. Das gab der Verein am Donnerstag bekannt. Man sei sich darüber im Klaren, so Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, dass viele Fans die Alba Dancers vermissen werden. Er erklärte aber auch: "Wir sind aber zu der Überzeugung gekommen, dass das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit passt."

Trainerin findet die Begründung "falsch"

"Ich kann verstehen, wenn man sich umorientieren möchte", reagierte Valesca Stix, die Trainerin des Teams, am Freitag gegenüber der Deutschen Presseagentur auf das Aus ihres Teams, "aber die Begründung finde ich persönlich falsch."

Der Entschluss des Vereins habe das Team nicht unvorbereitet getroffen. "Die Entscheidung, die Alba Dancers aus dem Programm zu nehmen, war ein langer Prozess, in den ich mit einbezogen war. Die Trennung kam also nicht überraschend", so Trainerin Stix. Demnach habe sich das Team mittlerweile aufgelöst. "Die jüngeren Mitglieder sind bei befreundeten Teams oder im Friedrichstadtpalast untergekommen. Die älteren suchen sich einen neuen Sport", sagt Stix.

Alba selbst will das Cheerleading im Nachwuchs zwischen fünf und 16 Jahren weiter fördern. Die Albambinis treten aber nicht mehr bei Spielen in der Mercedes-Benz-Arena auf, sondern nur noch zu Wettkämpfen an.

"Frauen im Basketball als Spielerinnen sichtbar machen"

Die Cheerleader waren mehrfach zum besten Danceteam Europas gekürt worden. "Die Tänzerinnen haben hart dafür gearbeitet und sie haben ihr Können unermüdlich für unser Team und für die Alba-Fans in der Arena eingesetzt", sagte Baldi. Allerdings sei zuletzt der Eindruck entstanden, dass bei Alba Berlin Frauen "für die tanzende Pausenunterhaltung" zuständig seien, "während Männer Basketball spielen".

Tatsächlich wolle man gerade in der Nachwuchsarbeit aber Jungen und Mädchen gleichermaßen für Basketball begeistern. So habe Alba bereits "die mit Abstand größte Mädchen- und Frauenbasketballabteilung Deutschlands", so Geschäftsführer Baldi. "Wir wollen zukünftig noch stärker fördern, dass Frauen im Basketball als Spielerinnen sichtbar und zu Vorbildern werden. So will der Verein unter anderem mit seinem Frauenteam in einigen Jahren um den Meistertitel mitspielen. Die Mannschaft war zuletzt bereits in die 2. Bundesliga aufgestiegen.

ALBA-Dancers am 28.4.2019 beim Heimspiel gegen Bayern München (Bild: imago images/Jan Huebner)
Bild: imago images/Jan Huebner

Weitere Vereine reagieren

Die Entscheidung löste eine kontroverse Debatte aus - nicht zuletzt weil Cheerleading auch als Sportart gilt. Der Fußball-Bundesligist 1. FC Köln kündigte an, Auftritte von Cheerleadern beibehalten zu wollen. "Unsere Cheerleader gehören nicht nur bei den Profis, sondern auch beim Frauen-Bundesligateam des 1. FC Köln fest zum Rahmenprogramm. Daran wird sich nichts ändern", sagte Tobias Kaufmann, Leiter Medien und Kommunikation des FC, der Deutschen Presse-Agentur. Die Cheerleader des 1. FC Köln seien "eine selbstbewusste und selbstbestimmte Tanzgruppe", stellte er fest.

Der FC Bayern hingegen will die Situation bei Heimspielen seiner Basketballer ebenfalls prüfen. Man wolle sich dazu auch mit den betroffenen Cheerleadern austauschen. "Am Ende muss man die Mädchen fragen", sagte Vereinspräsident Uli Hoeneß am Freitag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Hoeneß zeigte zum Teil Verständnis für die Entscheidung Albas: "Wenn man dies macht, nur um junge Frauen zu präsentieren, die möglichst wenig anhaben, dann ist die Entscheidung von Berlin richtig", erklärte Hoeneß. Er ergänzte dann aber: "Aber ich sehe das bei uns als Sport und habe nicht das Gefühl, dass es darauf angelegt ist, die Mädchen vorzuführen."

Auch die BR Volleys, die bei ihren Heimspielen ebenfalls Cheerleader auftreten lassen, äußerten sich über Twitter zu der Thematik. Zwar habe man die Einsätze in der Vergangenheit "bewusst sukzessive runtergefahren", wolle aber nicht komplett "auf diese Bereicherung" verzichten, wird Volleys-Manager Kaweh Niromaand in der Meldung zitiert.

Cheerleading mit langer Geschichte

Cheerleading blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts traten bei US-amerikanischen Sportveranstaltungen erstmals Cheerleader auf. Zunächst um das Publikum anzufeuern und in den Pausen zu unterhalten, entwickelten sich schnell auch eigenen Cheerleading Wettbewerbe, bei denen Teams gegeneinander antraten.

In den Anfangsjahren waren zunächst auschließlich Männer in Cheerleading Gruppen zugelassen. Erst im Laufe der Zeit wurde der Sport auch für Frauen geöffnet, ehe die Gruppen immer mehr von weiblichen Cheerleadern dominiert wurden. In Deutschland wurde Cheerleading in den 1980er Jahren populär. Mittlerweile betreiben deutschlandweit über 20.000 Männder und Frauen Cheerleading, die durch den Deutschen Cheerleading und Cheerperformance Verband strukturiert werden.

In Berlin und Brandenburg gibt es rund 50 organisierte Cheerleading Teams. Die Cheerleading Abteilung des SC Staaken 1919 ist in der ersten und zweiten Bundesliga vertreten. Andere populäre Mannschaften sind die Cheerleader der Titans Berlin, der Berlin Giants oder auch der Potsdam Panthers.

Sendung: rbb 88.8, 27.09.2019, 6.00 Uhr

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57 Kommentare

  1. 57.

    Sehr gute Reaktion.Wir verfallen in Zeiten die ich dachte,nie wieder kommen zu können.Ist das eine schleichende I............ die da in den Köpfen der Leute statt findet, die unsere Gesellschaft von Freiheit und Genuss befreien will versteckt hinter dem Gedanken" ist nicht mehr Zeitgerecht, Sexistisch usw.". Nein,Nein,lasst es bitte nicht zu das wir so unterlaufen werden!!!! Was ist mit der Errungenschaft der Aufklärung geschehen. Armes Deutschland!!!! Peace !

  2. 55.

    Dann lesen Sie mal richtig. Nur der Nachwuchs wird noch beibehalten, Nachwuchs wofür? Für die Cheerleader anderer Vereine?

  3. 54.

    Wenn ich mir anschaue wie so manche Sportlerin auftritt, mit fast nichts an und dann dies wegen Sexismus nicht mehr haben möchte, lächerlich.

  4. 53.

    Wenn ich den Begriff "Frauensport" lese oder dies mit "Sexismus" in Verbindung gebracht wird, platzt mir die Hutschnur - als "Kerl". Die Damen spielen Football, Fußball, Boxen u.v.m. und das oft in einem Stil wo sich die "Herren der Schöpfung" mehr als nur ein Kuchenstück abschneiden können. Erinnere mich an meine aktive Jiu-Jitsu-Zeit (ist schon etwas her) ... da war so'ne "Maus" (Sexismus?)... drei Monate später konnte ich die Falltechniken perfekt. Als Nidan-träger erinnere mich gerne an diese Zeit zurück. Unterschätze nie eine Frau.
    Ich könnte mir durchaus vorstellen, das solche "Herren" oder Befürworter , die Cheers "unzeitgemäß" finden bei einer Vorstandssitzung eine Poledancebar aufsuchen. Man ist mir schlecht!
    Die haben doch nicht alle Latten am Zaun.

  5. 52.

    WOW! Und da werden die Massen hinrennen, vorallem die Typen, die das nicht als Sport verstehen sondern als besondere Vorlage.
    Dann verläuft das unter ferner liefen!
    Bis jetzt hatten sie wenigstens ein interessiertes Publikum.

  6. 51.

    Wenn man die Meldungen über diese Entscheidung verfolgen würde, wüsste man das. Cheerleading gibt es auch als eigenständige Wettkämpfe. EM, WM etc. Ganz ohne Basketball.

  7. 50.

    Also dass sich Frauen überhaupt öffentlich zeigen, unterstützt doch den Sexismus und sollte verboten werden. Alba sollte dafür plädieren, dass Frauen grundsätzlich Burka tragen. *Sarkasmus-Off*

    Ist doch unfassbar. Einen Sport und eine Plattform für die Repräsentation dieses Sportes zu verbieten, grenzt ja an Unterdrückung. Ich kann nicht umhin, als hier genau das Gegenteil von dem zu erkennen, was vorgegeben wird.

  8. 49.

    Diese ganze Diskussion ist doch eher rückständig.
    Genau wie die Entscheidung von Alba.
    Es geht dabei gegen oder auch zu Gunsten der Cheerleader (innen) und das aus männlicher Sichtweise.
    Auf die anderen erwähnten und nicht erwähnten Sportarten bezogen: Es geht um Sportarten, die ALLE ihre spezielle Bekleidung haben.
    Das tragen viele in ihrer Freizeit auch.
    Oder geht jemand im Urlaub freiwillig im Anzug statt Badebekleidung ind Wasser?
    Da denkt man doch auch nicht an die eigene Wirkung auf andere, oder ist nur zum gaffen dort.
    Oder?

  9. 48.

    Na toll, kein "Pausenfüller " mehr.
    Gibt es dann eigene Veranstaltungen für die Mädels?

  10. 47.

    1. ?? Wie kommen Sie darauf, dass ich männlich bin??

    2. Danke, dann bringt die Überspitzung ja doch etwas. Im Endeffekt ist aber mein rückständiges Weltbild doch genau das was daraus folgt, wenn man die Gedanken die zur Abschaffung der Cheerleader führt weiterspinnt.

    3. Interessant wenn vermeintlich ein Mann das schreibt ist es rückständig, wenn es Frauen schreiben ist es Feminismus?

  11. 46.

    Manche sollten mal richtig lesen. Alba schafft das Cheerleading als Pausenfüller ab, unterstützt den Sport aber trotzdem. Und als Pausenfüller ist die Begründung durchaus logisch. Aber wenn man teilweise Kommentare liest, dass manche nicht wissen, warum sie jetzt noch zu Alba gehen sollten, fasst man sich an den Kopf. Den Zuschauern scheint es dann tatsächlich nicht um Basketball zu gehen.

  12. 45.

    @Zenzi Kruse
    @Fabian
    @HutBrennt
    @ "ernsthafter Wettkampfsport"

    Richtig, Cheerleading ist ein ernsthafter Sport. Aber dann gebt diesem Sport doch auch eine ernsthafte Bühne. Eigene Wettkämpfe und Vereinsmeisterschaften. Eben nicht 15 Minuten Pausenfüller im fremden sportlichen Kontext. Dann ist doch unabhängige Entfaltung und Selbstverwirklichung von (jungen) Frauen und Männern auch ehrlich möglich. Bis hin zur Olympischen Disziplin. Der Tanzsport hat sich das doch auch erarbeitet.

    Und wie ich das verstehe, tut das Alba ja auch:

    Alba selbst will das Cheerleading im Nachwuchs zwischen fünf und 16 Jahren weiter fördern. Die Albambinis treten aber nicht mehr bei Spielen in der Mercedes-Benz-Arena auf, sondern nur noch zu Wettkämpfen an.

    Btw. gibt es diese Debatte auch für Poledancing.

  13. 44.

    Wenn man so viel vom Sport des Cheerleading hält, wieso hat man ihn dann nicht entkoppelt vom Kontext des belustigenden, sexistisch aufgeladenen Pausenfüllers? Dass die dort Tanzenden das mit Leidenschaft und freiwillig tun, hat nichts mit dem Frauenbild zu tun, das sie in diesem Umfeld und dieser Funktion repräsentieren. Gefällig zu sein und heterosexistischen Stereotypen und Geschlechterrollenbildern entsprechen zu wollen, hat jedenfalls wenig mit Selbstverwirklichung oder Emanzipation zu tun. Ein guter Entschluss. Besser noch wäre es gewesen, hätte man den Tänzer*innen im eigenen Haus Zeit und Raum als Ausgleich angeboten. Formationstanz etc. mag zwar eine Nische sein, aber man hätte zumindest schauen können, wie man die Tanzenden unterbringt.

    Und natürlich ist jedwedes laue Lüftchen von Antisexismus gleich der Beleg einer Meinungsdiktatur - na klar, werte Sexist*innen. Da wird fantasiert und sich in Endzeitszenarien hineingesteigert bis zum Gehtnichtmehr.

  14. 43.

    Ich habe mich schon mit einer Mail an ALBA gewandt und an Ihre Vernunft appelliert.
    Den Kontakt findet man auf der ALBA Homepage.
    Eine Fanbefragung wäre anständiger und demokratischer gewesen.
    Das ist doch nicht nur deren Club.

  15. 42.

    Kein großes Wunder, weil (Frauen-)Beachvolleyball selbst als Sportevent mit sexistischen Merkmalen angelegt ist und einen hohen Anteil an männlichem Publikum anspricht. Nicht zuletzt mit Kleidungsvorschriften wie Spielen im Bikini, was erst vor einigen Jahren (auch im Hinblick auf Sexismus) zu recht abgeschafft wurde.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Beachvolleyball#Kontroverse_um_Spielkleidung_und_Sexismus

    Insofern hat Ihr Beispiel die Entscheidung eher bestätigt.

  16. 41.

    Guter Anfang wenn man deinen Text liest, kann man daraus nur schließen, dass du der Inbegriff der Rückständigkeit bist.
    Du hast deine Frau bestimmt auch komplett eingehüllt, dass sie auch ja keiner außer dir sehen kann.

    Forest Gump sagt "dumm ist der, der dummes tut". Ich sage "dreckig ist der, der dreckige Gedanken hat".
    Wenn ich eine hübsche, junge Frau sehe, die Sport ausübt, ist mein erster Gedanke nicht, wie ich möglichst viel ihrer nackten Haut oder ihrer Intimsphäre erhaschen kann aber dein Weltbild scheint so auszusehen.

  17. 40.

    Das ist sowas von lächerlich. jeder der sich auskennt weiß das Cheerleading ein ernster Sport ist. Außerdem gibt es sogar männliche Cheerleader.
    Was soll als nächstes kommen...wie wäre es damit Frauenturnen zu verbieten oder Wasserballet...klar Gridgirls wurden ja schon vor Jahren abgeschafft und ich weiß nicht ob beim Boxen auch noch Frauen die Rundenschilder hochhalten...es wird immer abstruser in unserer Gesellschaft.
    Sexismus findet in unseren Köpfen statt und was ist bitte an schönen Frauen auszusetzten?

  18. 39.

    Wenn Frauen für vorwiegend Männer als Pausenunterhaltung tanzen, hat das nichts mit ausgelebter Weiblichkeit zu tun (allenfalls in Ihrer Fantasie) und die Entscheidung dagegen nichts mit Prüderie, sondern mit einer vorurteilsfreien Gesellschaft.

  19. 38.

    "Ich sehe Cheerleading, Ballet, Rhythmische Gymnastik, Eiskunstlaufen und so weiter als eine Objektivierung des Körpers der Frau. Ich glaube der Körper der Frau steht im Mittelpunkt"

    Richtig. Egal, ob da Ilja, Alexei oderJewgeni übers Eis geschlittert sind, am Ende hat man doch immer nur Kati Witt gesehen. Oh Mann...

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