ALBA Dancers bei der Partie gegen MHP Riesen Ludwigsburg im Februar 2017 (Bild: dpa/Rainer Jensen)
Bild: dpa/Rainer Jensen

Alba Berlin verzichtet auf Cheerleader - Alba Dancers kritisieren ihre Abschaffung

Hübsche Frauen als tanzende Pausenfüller: Alba Berlin hält das nicht mehr für zeitgemäß  und trennt sich von seinen Cheerleadern. Die wiederum üben an der Entscheidung Kritik - und sind damit nicht allein. Andere Berliner Vereine wollen ihre Cheerleader derweil behalten.

Das Aus für die Cheerleader beim Basketball-Bundesligisten Alba Berlin hat eine Debatte über Sexismus und die Rolle der Tänzerinnen bei Sportveranstaltungen ausgelöst. Mehrere Vereine, darunter auch in Berlin, kündigten an, auf ihre Cheerleader nicht verzichten zu wollen.

Valesca Stix, Cheftrainierin der Alba-Cheerleader, kritisierte die Entscheidung des Clubs. "Ich kann verstehen, wenn man sich umorientieren möchte", sagte Stix der dpa, "aber die Begründung finde ich persönlich falsch."

Alba Dancers aufgelöst

Zwar habe die Alba Dancers das Aus nicht unvorbereitet getroffen. "Die Entscheidung, die Alba Dancers aus dem Programm zu nehmen, war ein langer Prozess, in den ich mit einbezogen war", sagte Stix. "Die Trennung kam also nicht überraschend." Das Team hat sich nach 25 Jahren Vereinszugehörigkeit aber mittlerweile aufgelöst. "Die jüngeren Mitglieder sind bei befreundeten Teams oder im Friedrichstadtpalast untergekommen. Die älteren suchen sich einen neuen Sport", sagt Stix. Alba selbst will das Cheerleading im Nachwuchs zwischen fünf und 16 Jahren weiter fördern. Die Albambinis treten aber nicht mehr bei Spielen in der Mercedes-Benz-Arena auf, sondern nur noch zu Wettkämpfen an.

Cheerleaderinnen tanzen in der Mercedes-Benz-Arena Berlin.

Alba: Cheerleader nicht als "attraktive Pausenfüller"

"Es ist uns bewusst, dass nicht wenige Fans die Alba Dancers vermissen werden", erklärte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi das Streichen der Showeinlagen in den Spielpausen.  Aber man sei "zu der Überzeugung gekommen, dass das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit passt", so Baldi.

Der Cheerleading und Cheerperformance Verband Deutschlands (CCVD), der rund 20.000 Mitglieder umfasst, widersprach: Er betonte den Charakter des "Cheerleadings als eigene Weltkampfsportart", in der sowohl Weltmeister- als auch Europameistertitel vergeben werden.

Kritik vom Meister aus München

Auch Uli Hoeneß, Präsident vom Alba-Konkurrenten Bayern München, stimmte der Entscheidung der Berliner nur bedingt zu. "Wenn man dies macht, nur um junge Frauen zu präsentieren, die möglichst wenig anhaben, dann ist die Entscheidung von Berlin richtig", sagte Hoeneß. "Aber ich sehe das bei uns als Sport und habe nicht das Gefühl, dass es darauf angelegt ist, die Mädchen vorzuführen." Basketball-Geschäftsführer Marko Pesic von Bayern München sagte, man müsse die Frauen selbst befragen. Er selbst sehe, "wie oft und hart die Mädchen trainieren, so der frühere Basketball-Profi, der auch bei Alba spielte. "Das ist Sport, wie es für uns Sport ist."

Volleys und Füchse verzichten nicht auf Cheerleader

Der deutsche Volleyball-Meister Berlin Volleys kündigte an, auch in der neuen Saison nicht auf den Einsatz von Cheerleadern zu verzichten. "Das Berlin Dance Team wird es weiter geben, so lange sich die Cheerleaderinnen wertgeschätzt und gut fühlen", sagte Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand am Freitag. Allerdings habe man bei den Volleys die Einsätze des Berlin Dance Team bewusst heruntergefahren, "um den Fokus auf den Sport zu lenken", erklärte Niroomand. Der 66-Jährige sieht den Auftritt der Truppe als Bereicherung an: "Das Berlin Dance Team erbringt große sportliche Leistungen und erhält bei uns eine angemessene Bühne dafür."

Auch Handball-Bundesligist Füchse Berlin hält am Team Dance Deluxe vom TSV Rudow fest. "Für uns ist Cheerdance ein ernsthafter und ernstzunehmender Sport", erklärte Füchse-Manager Bob Hanning am Freitag.

Die Diskussion um die Auftritte junger Frauen im Rahmenprogramm großer Sportveranstaltungen ist nicht neu. Die Formel 1 sorgte mit dem weitgehenden Verzicht auf die sogenannten Grid Girls, die vor den Autos mit Startnummern posieren, für Wirbel. Auch über die Rolle der Podium Girls, die bei der Tour de France Küsschen und Preise an Radprofis verteilen, wurde in den vergangenen Jahren debattiert.

Sendung: Abendschau, 27.09.2019, 19.30 Uhr

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19 Kommentare

  1. 19.

    Sind die Bauern jetzt schon Primus, die man Fragen muss was wir in Berlin machen? RBB24 sehr schwache Kür...es gäbe in der Liga soviel Leute, die mit Basketball wirklich was tun haben, als die Clowns aus München....

  2. 18.

    Man kann aber auch wirklich alles kaputtgendern... unfassbar! Wo soll das noch hinführen?

  3. 17.

    @Markus Jüngling: naja, als (amerikanisch-)provinziell empfinde ich eher das "Rumgehopse mit Glitzerpuscheln".
    Auch mir ist bekannt, dass es sich dabei wohl um "harten Sport" handelt. Natürlich, die akrobatischen Einlagen erfordern Training. Die Frage ist, ob man die sportlichen Anteile dann auf diese eben doch sexistisch anmutende Art und Weise auch "verkaufen" muss. Das muss dann natürlich jedes Mädel, sorry, Sportlerin/"Sportlerin", dann für sich selbst entscheiden. Da gehe ich dann doch d'accord, dass das Ausüben unter Selbstbestimmungsrecht geht.
    Ob sich eine Männertruppe dann mit so einem Sport schmücken muss oder ihre Veranstaltungen solche Pausenclowns brauchen, ist eine andere Frage (vielleicht gucken ja auch paar Gattinnen Ü60 deswegen nur den Basketball mit)?
    Die Dekomädels beim Motor- und Radsport sind noch mal eine ganz andere Frage.
    Persönlich ists mir wurscht, obgleich ich sowohl als auch als eben ein bisschen reaktionär empfinde - als ganz normale Frau.

  4. 15.

    <alte weiße Männer>
    Die werden nicht gefragt. Sie melden sich, meist ungefragt, immer dann, wenn der "Mainstream" es wohl gerade "erfordert". Keine Ahnung von nix - aber davon eine Menge.
    <normale Frauen>
    Meine Holde ist Ü 60 und hat eine sagenhaftes Grinsen im Gesicht bei solchen Shows. Die "Chippendales" findet sie auch toll - ok - da kann ich in keiner Weise mithalten - muss aber auch grinsen. Leute macht euch mal locker.
    Ich verstehe dein, bzw. "DAS" Problem echt nicht.

  5. 12.

    Warum werden immer alte weiße Männer danach gefragt, ob sie Cheerleader gut finden? Wenn ich im Stadion sitzen würde und dann würden so halb nackte Männer tanzen, würde ich das auch nicht wollen. Man sollte mal normale Frauen fragen, ob sie so etwas brauchen? Die Aussagen von den Cheftrainerin ist auch offensichtlich, wenn sie im gleichen Zuge mit der Entblößung Geld verdient.

  6. 11.

    Diskriminierung unter dem Deckmantel des Gutmenschentums : Frauen werden um die Ausübung ihres Sports / Hobbies / Berufs gebracht.

  7. 9.

    " Zuallererst ist Cheerleader ein harter Sport mit viel Training und eigenen Wettkämpfen"

    Also bei ALBA bzw. Basketball ist es nur ein Pausenfüller zur Animation des (männlichen) Publikums.

  8. 8.

    Nun, wenn Sie das für sich so festlegen, dann haben Sie offenbar auch die Dancer so wahrgenommen und die sportliche Komponente ignoriert. Ich empfehle, mal zu einen Wettkampf der Cheerleader zu gehen. Im Übrigen ist jeder Tanzsport auch Ausdruck des Körpers. Dazu gehören auch bei Männer hautanliegende Anzüge ... Das die Cheerleader in den Pausen auftreten ist eine Gelegenheit, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren und den Sport bekannter zu machen. Er wird auch demnächst olympisch. ALBA geht leider sportlich gesehen ins Abseits mit der Entscheidung. Politisch kann man dazu stehen wie man will. Politik und Sport waren schon oft eine üble Kombination

  9. 7.

    Überdenken Sie Ihren Kommentar bitte. Statt es abzuschaffen hätte man auch Frauen sämtlicher Statuen und auch Männer als Cheerleader zulassen können = "Problem" gelöst. Ihrer Theorie nach sollten also auch Strip Lokale oder Bordells schließen, sowie (schlanke) Frauen auf Werbeplakaten verboten werden?
    Interessante Auffassung von Selbstbestimmung.
    Eine "Verdinglichung" findet wenn dann in Ihrem Kopf statt und raten Sie mal wer "Schuld" daran ist...

  10. 6.

    Dann wird dieser "interessante" Sport ja gleich viel "reizvoller". Ironie off
    Kann ich null nachvollziehen. Zur Selbstbestimmung gehört auch, dass man entscheiden kann, ob mN Cheerleader sein möchte oder nicht.

  11. 5.

    Ob man nun "cheerleading" als normal beim Sport sieht (wobei z.B. beim Fußball Unterstützungsgesänge "cheering") oder nicht als normal sieht, und/oder ob man begeistert ist von jeder Form choreografierten Gruppentanzes (auch wenn im Gefängnis* in Philippinen) oder nicht begeistert ist, und/oder ob man professionelles Cheerleading nicht toll findet weil es angeblich einen Stereotyp von "die Rolle der Frau ist den Mann zu bejubeln" propagiert, vielleicht geht es bei der genannten Entscheidung vorrangig darum, dass mal festgestellt wurde, dass jedes Team z.B. aus China flott mit so einem Aufgebot** an "Cheerleadern", und man dann doch lieber ohne Cheerleader im eigenen Programm, damit man nicht ziemlich mickrig dasteht, huh? Selbst im Vergleich z.B. zum Turn- und Sportfest in DDR, mit "Performances" wie dieser***, ziemlich mickrig, oder?

    *
    https://www.youtube.com/watch?v=RH7oOdkkz3M
    **
    https://www.youtube.com/watch?v=dgu9cvChOlY
    ***
    https://www.youtube.com/watch?v=asVaxLCSwzw

  12. 4.

    Diskriminierung unter dem Deckmantel des Gutmenschentums: junge Frauen werden um die Ausübung ihres Sports / Hobbies / Berufs(?) gebracht!

  13. 3.

    Da das ja schon länger in der Schwebe war, hätten die Alba Dancers ja vorher mal was sagen können. Zum Beispiel bei den Fans umhören und ne Umfrage/ Petition starten (lassen) können. Aber erst abzuwarten und hinterher kritisieren kann jeder. Durch Aktionen lassen sich Entscheidungen nämlich auch mal ändern.

  14. 2.

    Honeß hat den Spagat offen benannt zwischen ach so neutralem Sport einerseits und dem Vorführen, treffender auch: der Verdinglichung des Körpers von Frauen. Persönlich glaube ich, dass das zweite Motiv das wirkungsstärkere ist und das hat ALBA Berlin dazu geführt, davon Abschied zu nehmen. Das kann ich nur begrüßen.

  15. 1.

    Ich bin bestimmt kein Basketball-Fan aber ich finde diese Entscheidung völlig verkehrt und ein völlig falsches Signal. Zuallererst ist Cheerleader ein harter Sport mit viel Training und eigenen Wettkämpfen und jede Frau kann doch wohl selbst bestimmen bei so etwas mitzumachen oder auch nicht. Außerdem finde ich es wie so oft in Berlin sehr eigenartig wenn man immer gerne eine Weltstadt sein will, sich mit New York, Paris, London oder Los Angeles vergleichen und dann so provinziell ist. Und dabei fallen so viele Sachen ein vom Flughafen über eine „gute“ S-Bahn bis hin zu einer nicht klimatisierten U-Bahn. All das funktioniert in anderen Metropolen auf dieser Welt irgendwie besser.

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