Rugbyspieler Bastian Pieper mit dam Ball (rbb / Stephanie Baczyk)
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Audio: Inforadio | 20.09.2019 | Stephanie Baczyk | Bild: rbb / Stephanie Baczyk

Wie Berlin und Brandenburg die WM verfolgt - Einmal Rugby zum Mittag, bitte!

Es ist das größte Sportereignis des Jahres: In Japan beginnt die Rugby-Weltmeisterschaft. Deutschland ist nicht dabei, die Berliner und Brandenburger Community guckt trotzdem - und schwärmt für eine harte Sportart und ihre Fairness. Von Stephanie Baczyk

Bastian Pieper hat einen Plan: "Dass ich meine Mittagspause mit Rugby-Gucken verbringen werde", sagt der junge Mann mit den kurzen schwarzen Haaren lässig, seine Augen glänzen ein bisschen dabei. Vor Vorfreude. Das Essen für den Arbeitstag bringt er von zu Hause mit, dann geht es mit dem Laptop in die Küche, "um zumindest einen Teil des Spiels zu sehen".

Willkommen in Bastians WM-Alltag, man könnte ihn unter "Work-Life-Rugby-Balance" abheften. In den kommenden sechs Wochen wird er die Spiele verfolgen, obwohl sich Deutschland gar nicht qualifiziert hat. Rugby rockt, die Weltmeisterschaft in Japan ist das größte Sportereignis des Jahres.

Bitte nicht über den Haufen rennen

Bastian studiert Jura in Potsdam. Zum Rugby gekommen ist er über einen Kumpel, abends in der Kneipe beim Bier. "Der hat zu mir gesagt, in Potsdam gibt es einen Hochschul-Sportkurs, probier' den doch mal aus", erinnert sich der 28-Jährige. "Dann bin ich da hingegangen und wurde nach dem zweiten Training gleich gefragt, ob ich nicht beim Herrentraining vorbeikommen will."

Er bleibt - die physische Herausforderung kitzelt ihn. "Ich hab ja Fußball gespielt", sagt er. "Und Zweikämpfe beim Fußball sind nicht vergleichbar mit denen beim Rugby. Da rennt dann einer teilweise wirklich auf dich zu - und wenn du den nicht gegriffen kriegst, rennt er dich über den Haufen." Gespielt wird auf einem Platz, der nicht länger als 100 Meter und nicht breiter als 70 Meter sein darf. Das Ziel: den Ball über die gegnerische Mallinie zu tragen und dort abzulegen.

Berliner Derby oder: "Keiner heult beim Hinfallen"

"Die wichtigsten Regeln: Du darfst den Ball nicht nach vorne fallen lassen, Du darfst den Ball nicht nach vorne werfen - und man darf nicht über der Schulter tackeln", erklärt Bastian. Für den Laien ist die olympische 7er-Variante einfacher nachvollziehbar. Mit weniger Spielern oder Spielerinnen auf dem Feld geht es darum, schnell zu sein. "Es gibt weniger Ruck-Situationen, die absolut unübersichtlich aussehen." Zur Erklärung: Ruck ist, wenn der Ball auf dem Boden liegt - ein oder mehrere Spieler drum rum stehen - und er nur mit dem Fuß gespielt werden darf. Die 15er-Variante beim Rugby ist körperlicher, da knallt es auch mal.

Rugby fasziniert: In Brandenburg gibt es sieben Vereine, in Berlin sind es zwölf. Zwei davon, zwei Traditionsklubs, duellierten sich am vergangenen Wochenende in der Bundesliga Nord-Ost. Der Rugby Klub 03 gewann das Hauptstadt-Derby gegen den BRC, 600 Fans waren dabei auf dem Sportplatz in der Sachtlebenstraße in Zehlendorf. "Keiner heult beim Hinfallen und was der Schiedsrichter sagt, ist Gesetz", fasste hier ein älteren Herr mit grauem Kinnbart, schwarzer Käppi und Sonnenbrille die Liebe zum seinem Sport knackig zusammen. "Es ist spannender als Fußball, weil das Spiel ständig aus Aktionen besteht", sagte eine junge Frau mit kurzen braunen Haaren.

Öfter mal eine Rugby-AG in der Schule

Mittendrin war an diesem Nachmittag auch Ingo Goessgen. Der Präsident des RK 03 krallte sich an der Kamera in seinen Händen fest, während er die hart umkämpften Augenblicke auf dem Spielfeld einfing. "Ich bin genau so aufgeregt, als wenn ich auf dem Platz stehen würde", berlinerte der Mann mit der Glatze. "Ich habe bestimmt auch einen 140er Blutdruck gerade." Denis McGee, seinem Pendant beim Berliner Rugby Club aus Charlottenburg, ging es ähnlich: "Der Puls rast, geht hoch und runter. Als ob man selber mitspielt."

Goessgen und McGee sind lange dabei. Sie sehen die Entwicklung des Sports, wissen aber auch, dass da noch einiges geht. "Es ist wichtig, dass Rugby in die Öffentlichkeit kommt", sagt McGee. "Gerade während einer Weltmeisterschaft merken wir: Da kommen einzelne Jugendliche und wollen mit Rugby anfangen." Der BRC arbeitet mit Schulen zusammen, organsiert AGs. "Viele Lehrer wollen nicht nur Fußball machen, finden diesen Respekt-Gedanken, diesen Teamgeist-Gedanken interessant. Rugby ist ein Sport für Dicke, Dünne, Kleine und Schnelle - für jeden."

Rudelgucken - gerne auch zum Frühstück

Auch Bastian Pieper hat nach 20 Jahren Fußball irgendwann Fußball sein lassen - jetzt ist Rugby sein Sport. "Man hat am Anfang noch einen größeren Respekt gehabt vor der Physis, die hat man auch immer noch so ein bisschen", sagt er und lacht. "Aber mittlerweile weiß man, wie man sich verhalten muss." Dazulernen geht immer, bietet sich ja auch an jetzt während der WM in Japan, wo die Profis am Werk sind. Vor dem Laptop - oder der Leinwand, denn Bastian und seine Kumpels vom USV Potsdam haben schon das eine oder andere Rudelgucken geplant. Auch, wenn es nicht zum Mittagessen, sondern schon zum Frühstück stattfindet.

Sendung: rbb Inforadio, 20.09.2019, 12.15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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