Anthony Ujah
Bild: imago / Simon

Unions Stürmer Ujah trifft auf Ex-Klub Bremen - Wiedersehen! Freude?

Drei Spiele, vier Punkte: der 1. FC Union ist stark in seine erste Bundesligasaison gestartet. Abdrehen wollen die Eisernen deshalb nicht, lieber den Vertrag mit Trainer Urs Fischer verlängern. Und Stürmer Anthony Ujah trifft auf Ex-Klub Bremen. Von Stephanie Baczyk

Anthony Ujah liebt Fisch. "Currywurst kenne ich erst seit drei, vier Jahren", sagt der Stürmer des 1. FC Union und muss lachen. "Fisch mein ganzes Leben." Es wäre ein leichtes, die nicht ganz ernstgemeinte Frage aus der Entweder-oder-Runde auf das kommende Duell zwischen Union Berlin und Werder Bremen zu übertragen, was die Sympathien betrifft. Ujah hat schließlich für den Klub von der Weser gespielt und trägt seit dem Sommer das Trikot der Eisernen. Aber er hat sich in Bremen wohlgefühlt - und ist jetzt happy in Berlin-Köpenick. Ein klassisches Remis.

Urs Fischer, der 'School Teacher'

Ujah schwärmt vom Gesamtpaket im Südosten der Hauptstadt: die Jungs in der Mannschaft, der Trainer, die Atmosphäre im Stadion An der Alten Försterei - passt alles. Auch, wenn es laut ist da unten auf dem Rasen. Sehr laut. "Es ist sehr sehr nah. Du hast das Gefühl, der Zuschauer ist auf dem Platz", beschreibt er - und man hat das Gefühl, die Tatsache an sich flasht ihn immer noch nachhaltig. "Ich versuche, mit meinen Mitspielern zu reden, aber es klappt nicht immer."

Unter der Woche beim Training ist die Soundkulisse dezenter. Coach Urs Fischer erinnere ihn an einen "School Teacher", so Ujah mit einem Grinsen. Der Schweizer lehrt die Basics, die einfachen Dinge. Elementare Dinge wie ein solides Passspiel müssen sitzen. Und der Stürmer hört zu. "Ich hoffe, sein Style macht mich besser als Spieler", sagt er. "Vielleicht brauche ich das auch gerade jetzt in meiner Karriere."

Anthony Ujah und die Vergangenheit

"Er ist nicht einer, der aufhört und dann sagt: Ja, aber Hallo, ich bin jetzt schon 30 und hab vieles erlebt, was willst Du mir jetzt noch mit auf den Weg geben?", lobt Fischer seinen Neuzugang. "Er macht das toll. Versucht immer, dazuzulernen." Der Trainer honoriert den Einsatz. In den ersten drei Bundesligapartien stand Ujah zwei Mal in der Startelf. Noch hat er nicht getroffen für seinen neuen Klub, aber sein Ex-Arbeitgeber Bremen weiß um seine Fähigkeiten.

"Gefährlich werden kann er uns definitiv mit seinem Kopfballspiel, mit seinem 'Bälle festmachen', seiner Robustheit", zählt Werder-Coach Florian Kohfeldt Ujahs Fähigkeiten vor dem Spiel auf. In Bremen hat der 1,83 m große Stürmer Eindruck hinterlassen, sich auch mal hinten angestellt, wenn andere besser waren. Elf Bundesliga-Tore hat er in seiner einen Saison an der Weser erzielt - und eines, das wichtigste, aufgelegt. Das von Papy Djilobodji - das Tor, mit dem Werder damals die Klasse hielt.

3:1 zuhause gegen Dortmund? Locker bleiben!

Natürlich freut sich Ujah auf das Wiedersehen mit seinem alten Klub, den alten Bekannten. "Aber erst mal will ich die drei Punkte", sagt er und grinst wie so oft. "Nach dem Spiel können wir uns die Hand geben." Grund zu Lächeln haben Ujah und auch Urs Fischer: Der 1. FC Union hat aus den ersten drei Partien vier Punkte geholt - einen mehr als Bremen - und vor der Länderspielpause im Stadion An der Alten Försterei sensationell Borussia Dortmund mit 3:1 besiegt. Als Aufsteiger ein starker Auftakt.

"Aber ich glaube, die Jungs können dieses Resultat richtig einschätzen", spiegelt der Coach die letzten Tage mit der Mannschaft. "Und ich glaube auch, dass wir bis jetzt noch gar nichts erreicht haben. Es sind drei Spiele gespielt, wir haben vier Punkte. Das ist toll, schön. Aber wir sind noch lange nicht am Ende." Fischer bleibt ruhig - das schätzen sie an ihm in Köpenick. Sportdirektor Oliver Ruhnert jedenfalls hat im Interview mit dem Sportmagazin 'kicker' verraten, den am Ende der Saison auslaufenden Vertrag mit dem Schweizer gerne verlängern zu wollen.

Fischer schätzt die Wertschätzung seiner Person

"Es ist irgendwo ein Teil von Wertschätzung für das, was Du bis anhin gemacht hast", so Fischer. "Gilt auch zu sagen, dass es mir hier gefällt. Aber ich glaube nicht, dass das jetzt ein wichtiges Thema ist - wir haben ein Spiel am Sonnabend gegen Bremen." Besonnen weist der Trainer noch darauf hin, dass Werder eine spielerisch starke Truppe hat, "die versucht, fußballerische Lösungen zu finden, in dem sie gepflegten Spielaufbau und Ballzirkulation betreibt."

Urs Fischer muss für das Spiel auf die verletzten Grischa Prömel, Florian Hübner und Marcus Ingvartsen verzichten - und auf Keven Schlotterbeck, der nach wie vor seine Rotsperre absitzt. Das Stadion ist ausverkauft, 22.012 Zuschauer werden da und sehr laut sein - und diese Info ist wichtig für Anthony Ujah. Bleiben noch ein paar Stunden, um sich Kommunikationsstrategien für die 90 Minuten zu überlegen. "Wir versuchen einfach, näher beieinander zu sein - damit wir uns besser hören können", schlägt er flachsend vor und in diesem Augenblick wird deutlich: Ujah ist angekommen in Köpenick.

Sendung: rbb UM6, 12.09.2019

Beitrag von Stephanie Baczyk

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1 Kommentar

  1. 1.

    Passt nicht ganz zum Thema.......
    Aber danke RBB für die tolle Reportage gestern Abend !!!
    Hatte etwas feuchte Augen.

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