Symbolbild: Fans verfolgen das Halbfinale zwischen den Teams Vitality und Astralis bei der ESL One Cologne am 06.07.2019 in Köln.
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Counter-Strike-Turnier in Berlin - Zwischen Millionengewinnen und Computersucht

Sonst laufen in der Berliner Mercedes-Benz-Arena Alba und die Eisbären auf. Doch an diesem Wochenende wird hier im großen Stil das Computer-Game "Counter-Strike: Global Offensive" gespielt. Es gibt eine Million US-Dollar Preisgeld. Von Till Oppermann

 

Eine Woche nachdem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dem E-Sport erneut die Anerkennung verwehrt hat, zeigen sich dessen Fans unbeeindruckt. Schon eine Stunde vor dem ersten Spiel beim "Stadladder Major Berlin" in der Mercedes-Benz-Arena reicht die Schlange bis zur East Side Gallery.

Die meisten Fans kommen von weit her. Die Gespräche bilden ein Stimmengewirr aus Deutsch, Englisch, Russisch und Spanisch. Viele tragen sogar die Trikots ihrer Lieblingsteams. Dass darunter keine deutsche Mannschaft ist, stört den 20-jährigen Lennart nicht: "Mir ist egal woher eine Mannschaft kommt, mich interessiert die Spielweise und die Taktik." Er ist mit einem Freund eigens aus Lüneburg angereist. "Wir sind das erste Mal dabei", sagt er und: "Wir würden das Turnier sowieso per Stream verfolgen, aber live ist die Stimmung einfach besonders."

Just als er das sagt, stimmen im Hintergrund 100 junge Männer die Marseillaise an. Sie tragen die Leibchen der französischen Mannschaft Vitality und reisen dem Team hinterher. Mit dabei: eine drei Mal zwei Meter große französische Nationalflagge.

DOSB: Zocken ist kein Sport

Gespielt wird "Counter-Strike: Global Offensive", ein sogenanntes First-Person-Shooter-Computerspiel. In der Halle sitzen die Fans eng gedrängt. Ein Ticket für alle vier Tage des Turnierwochenendes kostet mindestens 99 Euro. Gebannt starren die 14.000 Zuschauer auf Leinwände und den Videowürfel. Übertragen wird das Spiel zwischen dem finnischen Team Ence und den australischen Renegades. Jeweils zu fünft treten die beiden Mannschaften gegeneinander an. Auf dem Podest dort oben geht es um den Einzug ins Halbfinale. Wer es zuerst schafft, seine fünf virtuellen Gegner zu erschießen, gewinnt die Runde. Wer zuerst zwei Runden für sich entscheidet, gewinnt das Spiel.

In Berlin trifft sich an diesem Wochenende die absolute Weltspitze. Die Spieler trainieren täglich mehrere Stunden. Dabei sitzen sie nicht nur vor dem Computer. Auf dem Plan steht auch Koordinations-, Fitness- und Taktiktraining. Die Sporthochschule Köln veröffentlichte 2016 eine Studie, nach der E-Sportler vier Mal schneller mit Maus und Tastatur umgehen können als der Durchschnittsbürger. Durch die parallele Bewegung beider Hände werden beide Hirnhälften beansprucht. Selbst Tischtennisspieler müssen bei der Hand-Auge-Koordination weniger leisten.

Der DOSB weigert sich aber weiter, das Zocken als Sport anzuerkennen. Laut eines 120-seitigen Rechtsgutachtens ist dieser "durch die langjährige Rechtssprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert". Das heißt: Den Bildschirmathleten bleibt der Zugang zur staatlichen Sportförderung weiter verschlossen. Lennart sagt: "Mir ist es gleich, ob E-Sport nun offiziell als Sport gilt oder nicht. Die Szene wird trotzdem immer größer."

Der besondere Reiz: Profis sind nicht unerreichbar

Allein in Deutschland spielen 38 Millionen Menschen regelmäßig Videospiele. Geld verdienen damit allerdings die wenigsten. Von Computerspielen geht eine große Suchtgefahr aus. Der Konsum wird schnell problematisch. Einige der Opfer dieser Probleme landen bei Claudius Boy. Er arbeitet als Sozialarbeiter für die Suchtberatungsstelle "Lost in Space". Diese hilft Computerspiel- und Internetsüchtigen und berät ihre Angehörigen. Getragen wird sie von der Berliner Caritas. "Im letzten Jahr sind ungefähr 350 Betroffene zu uns gekommen, aber auch viele Eltern, die nach Hilfe für ihre Kinder suchen", sagt Boy. Die Zahlen seien steigend. In den zwölf Jahren seit der Gründung von "Lost in Space" kamen jedes Jahr mehr Leute. Die meisten haben einfach die Kontrolle verloren. Sogar zwei professionelle Gamer ließen sich schon beraten.

Im E-Sport sieht Boy einen besonderen Reiz: "Beim Fußball ist die Champions League für Hobbykicker unerreichbar. Bei Spielen wie Counter-Strike ist das anders. Man spielt mit sehr ähnlicher Ausrüstung zur selben Zeit das gleiche Spiel wie die Profis. Es ist sogar möglich aufeinanderzutreffen."

Isabelle aus Leipzig, eine der wenigen Frauen in der Schlange, ist so zum Fan geworden. "Mein Freund hat das Spiel gespielt und dann haben wir angefangen zusammen die Streams zu schauen." Sie findet besonders interessant, dass jeder die gleichen Voraussetzungen habe und die Taktik entscheidend dafür sei, wer Erfolg habe.

Preisgeld als kluge Werbung

Auch das Major von Berlin ist das Finalturnier eines Wettbewerbs, an dem jeder mit seinem Team teilnehmen konnte. Diese großen Events vor vielen Zuschauern in großen Hallen findet Boy erstmal unproblematisch. Er sieht sie eher als kulturelles Phänomen. Aber: "Die Industrie will sich Spieler züchten." Turniere werden häufig von den Entwicklern der Spiele organisiert. Die Firmen stellen gerne das Preisgeld bereit. Eine bessere Werbung kann es kaum geben.

Die Profis leben vor, dass lange Trainingszeiten vor dem Computer nötig sind, um bestehen zu können. Je mehr Spieler ein Videospiel spielen, desto interessanter wird es. Die Firmen generieren ihre Gewinne nicht mit den verkauften Kopien oder Downloads, sondern besonders durch In-Game-Käufe. Die Kunden können mit echtem Geld besondere virtuelle Waffen oder Uniformen kaufen. Auch in Berlin richtet Valve Games, das Counter-Strike-Studio, das Event aus.

Lennart findet das unproblematisch: "Das Spiel gehört der Firma, deshalb muss man sie schon einbinden." Trotzdem fließt von den Einnahmen des Entwicklungsriesen kein Geld an Initiativen wie "Lost in Space", die sich um die Folgen der hohen Suchtgefahr kümmern. Wenn man seinen Computerspielkonsum selbst als problematisch empfindet, sollte man nicht warten, bis es zu spät ist. Bei Boy sind alle willkommen, die ihren Konsum kritisch hinterfragen wollen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, Counter-Strike sei ein Ego-Shooter-Spiel, in dem sechs gegen sechs Spieler antreten. Das ist falsch, es handelt sich um ein First-Shooter-Spiel, bei dem im Gegensatz zu Ego-Shooter-Spielen Teamplay entscheidend ist. Außerdem spielen die Teams mit jeweils fünf und nicht sechs SpielerInnen. Wir haben die Fehler korrigiert und bitten, sie zu entschuldigen.

Sendung: Abendschau, 05.09.2019, 19:30 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

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11 Kommentare

  1. 11.

    Noch nie so einen rotze gelesen, informiert euch bitte mal. alleine die überschrift ist unter aller sau

  2. 9.

    Leider ist folgender Abschnitt faktisch falsch: "Wer es zuerst schafft, seine fünf virtuellen Gegner zu erschießen, gewinnt die Runde. Wer zuerst zwei Runden für sich entscheidet, gewinnt das Spiel."

    Zwar kann auch durch das eliminieren aller Gegner eine Runde gewonnen werden, doch ist das primäre Ziel entweder eine Bombe an einem bestimmte Ort zu legen und zur Explosion zu bringen oder dies zu verhindern, je nachdem auf welcher Seite man gerade spielt (Terroristen und Spezialeinheit). Zu Halbzeit werden die Seiten gewechselt. Wer zuerst 16 Runden gewonnen hat gewinnt das Spiel. Wer im Viertelfinale 2 Spiele gewonnen hat (Best of 3), hat die Begegnung gewonnen.

    Ich hoffe ich konnte das einigermaßen verständlich erklären :D

  3. 8.

    Immerhin taucht in diesem Artikel keine Behauptung in Richtung Killerspiele auf - was man ja leider noch immer als "Erfolg" betiteln muss.
    Da stellt sich aber dennoch die Frage: Befassen sich die Autoren mit der Szene (oder zumindest mit dem Event, die erste Version war echt peinlich), oder werden die Artikel so verfasst, dass sie dem Zielpublikum in die Karten spielen, die selbst solche Vorurteile pflegen? Gerade hier tendiere ich zu zweiter Option. Aufhänger ist das Starladder-Tournament (Rechtschreibfehler inkl.), der Inhalt basiert auf unbelegten Thesen über Spielsucht und den "bösen Entwicklern". Sorry, das ist billig.
    Diese Zeilen haben über lange Strecken nichts mit einem journalistischen Artikel zu tun, eher ein Kommentar des Autors ohne sämtliche Belege. Also, liebes RBB: setzt bitte den Herrn Oppermann wieder an den Artikel, um die Sachen richtig zu stellen - dieses Niveau liegt weit unterhalb dessen, was eine öffentlich-rechtliche Anstalt bieten sollte und müsste.

  4. 7.

    Leider mal wieder in von Vorurteilen behafteter Artikel, der das Ganze mit etwas negativen in Verbindung bringt, anstatt sich mit der Materie selbst zu befassen. Obwohl einige Fußballfans betrunken sind steht unter den Artikeln dazu doch auch nicht "Sind sie Alkoholiker? Hier finden Sie Hilfe...".

    Natürlich ist Sucht ein Problem. Aber bei so einem Event nicht. Problematisch wird es doch erst wenn jemand durchs spielen sein Leben nicht im Griff hat. Und spielsüchtige Menschen spielen und interessieren sich gar nicht für solche Events.

    Ebenso wenig stimmt es, dass Unternehmen Spieler in CS heranzüchten. Ich fordere den Autor auf, hier auch nur ein einziges Beispiel zu finden. Nein, in CS ist man quasi auf sich allein gestellt und muss sich erst selbst beweisen bevor einem überhaupt irgendjemand eine Chance gibt. Und selbst dann kann man so gut sein wie man will, wenn Spielstil und Persönlichkeit nicht in ein Team passen, dann klappt es auch nicht mit dem Erfolg.

  5. 6.

    Man merkt, der Autor hat von der Materie absolut keine Ahnung - muss ja nicht unbedingt schlimm sein, aber dann sollte man sich nicht aus dem Fenster lehnen und wage Theorien aufstellen.
    "Unternehmen züchten sich die Spieler", ja ne, ist klar... In dem Beispiel ist Counter-Strike ein seit Jahrzehnten beliebtes Spiel, das allein schon von seinem Namen lebt und monatlich Millionen von Spielern anlockt - und diese dann evtl mal anfangen, die Profis zu verfolgen. So gilt das für beinahe jedes Game: man spielt, um Spaß zu haben; der Turniercharakter entwickelt sich, wenn überhaupt, erst später. Wenn, dann sollte man es als "Werbung für die Szene" sehen, nicht als Werbung für die Spiele selber. Und: kaum jemand guckt, ohne selbst zu spielen: das Interesse kommt über das Spiel, nicht über die Events.
    Genauso die Formulierung um die Suchtprävention... Zahlen Tabakkonzerne, Brauereien, Wettbüros für Suchtpräventionen? Ich mag es bezweifeln, und da macht keiner das Fass auf.

  6. 5.

    Das ist eben ein Interessen- (vielleicht hier auch ein Generations-)Unterschied. Vor allem solche Spiele werden schnell abgestempelt.
    In dem Sinn "Wer ist der bessere" ist es aber für die Jungen kein Unterschied mehr, ob es darum geht Tore zu schießen, oder "seinen Gegenspieler 'zu erschießen'".
    Horrorfilme, in denen Menschen "getötet" werden und man alles sieht, ist auch ein Geschmacks- und Konsummedium, wie Videospiele eben auch, werden aber nicht so behandelt.

  7. 4.

    Liebe Lala,
    wenn man keine Ahnung von der Materie hat, sollte man vielleicht lieber keinen Beitrag schreiben.

    Lg Paul

  8. 3.

    14.000 Menschen - einige davon mit Nationalflaggen -, die gespannt darauf sind zu sehen, welches „Team“ die beste u schnellste Taktik zum Töten seines Gegners anwendet. Wenn das mal kein sportliches Ereignis ist.

  9. 2.

    Counter-Strike: Global Elite wird 5 gegen 5 gespielt. Der sechste "Spieler" den ihr meint ist wahrscheinlich der Coach des Teams, der spielt aber nicht mit. Durch das Erschießen aller Gegner (oder das Entschärfen der Bombe als Antiterroreinheit bzw. das erfolgreiche Detonieren der Bombe als Terroristen) gewinnt ein Team tatsächlich eine Runde. Von denen muss man für einen Sieg aber nicht nur zwei gewinnen, sondern pro Karte 16 (aufgeteilt über 2 Hälften mit jeweils 15 Runden, zwischen denen die Teams die Seiten wechseln). Wer zuerst 16 Runden gewonnen hat, gewinnt die gespielte Karte. Wer zuerst zwei Karten gewonnen hat, gewinnt das Spiel.

    Wenn ihr schon auf die groben Regeln eingeht nehmt euch das nächste mal doch kurz Zeit zur Recherche. ;)

  10. 1.

    Gute Sache, dass hier auch mal über E-Sport berichtet wird (auch wenn wahrscheinlich der einzige Anlass die Turnier Örtlichkeit Berlin ist), allerdings ist CSGO ein 5 vs. 5 Shooter und nicht wie oben beschrieben 6 gegen 6 ;)

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