Bernd Schröder lacht (Quelle: imago/foto2press)
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Interview | Ex-Turbine-Trainer Schröder - "Wir werden uns niemals einem Männerfußball-Club anschließen"

Ex-Trainer Bernd Schröder ist bei Turbine Potsdam eine lebende Legende. Vor dem Topspiel gegen Wolfsburg am Samstag (13 Uhr, live auf rbb|24) erinnert er sich an alte Zeiten und erklärt, wie Turbine auch ohne Hillfe eines Männerclubs wieder nach oben kommen könnte.

45 Jahre lang war Bernd Schröder Trainer und zeitweise auch Manager von Turbine Potsdam. Unter dem 1,95 Meter großen Ex-Torwart wurden die Brandenburgerinnen zum dominierenden Team der Frauen-Bundesliga und gewannen etliche nationale und internationale Titel. Im Juni 2016 übernahm sein bisheriger Co-Trainer Matthias Rudolph den Trainerjob, doch ganz verloren ging Schröder seinen Turbinen dennoch nicht.

rbb|24: Wie geht es Ihnen? Was machen Sie zur Zeit?

Bernd Schröder: Mir geht es relativ gut. Ich habe viel zu tun, bin als Ehrenpräsident bei Turbine im Vorstand. Ich halte viele Vorträge über Vorbildwirkung, die immer sehr gut ankommen. Also ich kann mich über Arbeit nicht beklagen.

Logischerweise verfolgen Sie auch das aktuelle Geschehen bei Turbine Potsdam. Da frage ich gleich mal nach einem Tipp: Was ist drin am Samstag gegen Wolfsburg?

Ich kann mich noch an meine Zeit erinnern, da haben wir zehn Jahre hier zu Hause gegen Wolfsburg nicht verloren. Die sind schon mit Angst hergekommen. Da hat sich ein bisschen was geändert. Aber ich denke, wir haben eine junge Mannschaft. Wenn wir uns darauf besinnen, was die Tradition von Turbine ist, die Philosophie, der Kampf, der Ehrgeiz, dann kann man auch Wolfsburg schlagen. Die sind noch nicht so weit weg, aber es ist natürlich ein schmaler Grat.

Es gab mal eine Zeit, da haben Frankfurt und Potsdam die deutsche Fußball-Landkarte bei den Frauen bestimmt. Momentan redet man eher über Wolfsburg und München. Was muss passieren, um die Zeit zurückzudrehen und am Thron der beiden zu kratzen?

Es gibt ja diesen große Gedanken, alle Frauenfußball-Clubs in die der Männer einzuordnen. Das kommt für uns nicht in Frage. Wir haben eine eigene Tradition und sind ein reiner Frauenfußball-Club, das müssen wir uns erhalten. Es muss ein bisschen mehr finanzielle Unterstützung kommen, auch von der politischen Seite. Wir sind der höchstdotierte Verein im Fußball in Brandenburg. Ich denke, dass wird sich mit der neuen Landesregierung durchaus machen lassen. Aber wir werden uns niemals einem anderen Männerfußball-Club anschließen, weil es einfach nicht passt. Wir haben unsere eigene Philosophie. Aber es liegt jetzt viel Arbeit vor uns, vor allem im Nachwuchsbereich. Da muss auch ein bisschen Unterstützung von der Politik kommen.

In der Sportschau soll es künftig auch regelmäßig Frauenfußball geben. Ist das positiv, aber noch zu wenig?

Die Frage ist immer, wie das Niveau ist. Es gibt ja nicht nur Freunde des Frauenfußballs, vorsichtig ausgedrückt, sondern auch sehr viele Kritiker. Ich verstehe das. Wenn natürlich ein Spiel übertragen wird, was nicht ankommt und bei dem keine Zuschauer da sind, wo die Atmosphäre nicht stimmt, dann geht das nach hinten los. Es ist ganz gut, aber man kann es nicht erzwingen. Es muss über die Leistungsbereitschaft kommen, über Ergebnisse - und dann sind die Leute auch interessiert, Fußball im Fernsehen zu gucken.

Wenn Sie als Vorstandsmitglied auf der Tribüne sitzen, wie sehr reizt es Sie dann ab und zu, mit Ihrer Erfahrung nochmal ins Tagesgeschäft einzugreifen?

Ich bin immer ein bisschen abseits, weil man zum einen bei den Fans zur Legende wird. Die rufen dann mehr meinen Namen als die der Spielerinnen. Aber es ist schon sehr schwierig: Man stellt fest, dass wir eine andere Situation und eine andere Generation haben. Leider ist es so, dass viele Dinge in der Gesellschaft nicht besser geworden sind. Da habe ich schon ein paar Probleme, mich damit abzufinden. Direkt möchte ich aber keinen Einfluss mehr nehmen. Man kann intern mal mit dem Trainer sprechen, aber die haben ihre eigene Philosophie. Die ist nicht immer meine, das ist klar, aber so falsch ist sie auch nicht. (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jörg Hellwig. Es handelt sich um eine redigierte und leicht gekürzte Fassung.

Sendung: rbb UM6, 21.09.2019, 18 Uhr

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